An unserem Hoftor stand eines Tages mit Wachsstift geschrieben: „Jule“, daneben ein handtellergroßes Herz. Man kann über solche Verewigungen geteilter Meinung sein. Doch die Vorstellung, dass hier jeden Morgen eine junge Frau vorbeikommt und sich geliebt fühlt, hatte etwas Schönes. Die Inschrift wurde wohl von allen Hausbewohnern akzeptiert, womöglich empfanden sie ähnlich. Einige Zeit später hielt es jedoch ein Schmierfink für nötig, mit roter Farbe und Pinsel ein metergroßes „Schriftzeichen“ zu hinterlassen, welches weder schön noch bedeutungsvoll war.

Seniorenredaktion
Matthias Schubert aus der TA-Seniorenredaktion über einen vergänglichen, aber unvergessenen Liebesschwur.© Matthias Schubert | Matthias Schubert

Graffiti-Vandalismus: Altstadt von Erfurt wird zunehmend beschädigt

Der übermäßige Farbverbrauch (der meine Bestände an Farbverdünner auf Null brachte), die Sinnhaftigkeit und die Gestaltung standen in keinerlei Zusammenhang. Dieser Vandalismus reihte sich ein in die unsäglichen Verunstaltungen unserer Erfurter Altstadt, wie man sie etwa am alten Universitätsgebäude in der Furthmühlgasse sieht. Solche Schmierereien ziehen weitere nach sich – wie eine Infektionskrankheit.

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Deshalb mein Appell an alle Hausbesitzer: Wehren Sie den Anfängen! Lassen Sie illegale Graffitis unverzüglich beseitigen. Eigentum verpflichtet – so steht es schon in Artikel 14 des Grundgesetzes. Solche Schmierereien sind kein Ausdruck der Jugendkultur. Auch als politisches Statement sind sie komplett ungeeignet. Sie sind schlicht Sachbeschädigung und Vandalismus, also strafbare Handlungen!
Unser Maler hat den Schaden inzwischen behoben. Das rote Graffito ist weg – leider aber auch das Herz samt Inschrift. Liebe Jule, sei gewiss: Du wirst trotzdem geliebt!