Die Norweger hatten immer ein großes Herz für ihren König Harald: Volksnah, bodenständig und immer einen kleinen Witz auf den Lippen, das zeichnete den royalen Senior-Chef aus. Nun ist er im Alter von 89 Jahren „friedlich eingeschlafen“, wie der Palast am Freitagmorgen verkündete. Für den Fall des Todes des amtierenden Monarchen ist die Thronfolge in Norwegen klar geregelt. Wenn ein Staatsoberhaupt stirbt, übernimmt sein Nachfolger – also Kronprinz Haakon – im selben Augenblick den Thron. Hier gilt der Ausdruck: „Kongen er død – Leve Kongen.“ Übersetzt bedeutet das: „Der König ist tot – es lebe der König.“

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Er wird sich Haakon VIII nennen, wie der Palast unter einem Portrait des neuen Königs auf Instagram mitteilte. Ganz im Stil des Thronfolgers übernahm er schon als Kronprinz eine Reihe der Amtsgeschäfte. So war er statt Harald gesetzt, die Drillvorführung der Königlichen Garde abzunehmen oder die wöchentlichen Kabinettstreffen mit der norwegischen Regierung im königlichen Schloss zu leiten. Wer ihn beobachtet, kann schnell zu der Erkenntnis kommen, dass es nicht so sehr die väterlichen Eigenschaften wie Charme und Scherze sind, die ihn auszeichnen. Der Sohn punktet eher mit ruhiger Freundlichkeit und diplomatischem Auftreten.
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Diplomatisch, das ist die kleine Schwester von aalglatt. Und es sei die Frage erlaubt: Wer, bitte, ist dieser nett lächelnde Haakon überhaupt? Sagen wir so: Er ist der Mann von Mette-Marit. Sie nämlich ist hinlänglich bekannt. Der Kronprinz und die Bürgerliche, eine Kombination, die Schlagzeilen erzeugte. 25 Jahre sind sie jetzt verheiratet: Am 25. August 2001 gaben sich die beiden in einer emotionalen Zeremonie im Osloer Dom das Ja-Wort. Mit einem Taschentuch tupfte sich Mette-Marit eine Träne nach der anderen ab. „Ich glaube nicht, dass ich jemals so schwach und zugleich so stark war wie in deiner Gegenwart“, sagte Haakon in seiner Hochzeitsrede. „Ich glaube nicht, dass ich jemals so von Liebe erfüllt war wie an deiner Seite.“
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In letzter Zeit aber ging es nicht mehr um ein Herz und eine Krone, sondern um Krankheit und Skandale: Die Kronprinzessin, die sich nach einer Lungentransplantation erholen muss, ließ dabei Haakons Stärke erkennen. Er sagte offizielle Termine ab. Seine Frau war wichtiger als der royale Rest. Auch was die schwierige Zeit mit Adoptivsohn Marius Borg Høiby betrifft, erklärte Haakon öffentlich: „Wir unterstützen Marius in der Situation, in der er ist.“ Marius, Sohn aus einer früheren Verbindung von Mette-Marit, wurde im Juni wegen zweifacher Vergewaltigung zu vier Jahren Haft verurteilt.

Zu allem Übel kam dann auch noch die Nähe Mette-Marits zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein auf den Tisch. Das norwegische Königshaus erzitterte geradezu. Doch während ihre Reputation in den Keller ging, nahm die Sympathie für den Gatten Fahrt auf. In einer Umfrage vom Meinungsforschungsinstitut InFact gaben Ende März 80 Prozent der Norweger an, dass sie glauben, Haakon werde ein „sehr guter“ oder „ziemlich guter“ König. Und von der norwegischen Modeplattform „Villoid“ wurde er gar für den Titel „Mann des Jahres 2026“ nominiert. „Norwegens zukünftiger König verbinde Tradition mit einer modernen und engagierten Weltsicht“, so die Begründung.
Moderne Vaterschaft, die Bedeutung von Gleichberechtigung – über diese Themen spreche er gern, nicht nur in Norwegen, sondern weltweit. Als Goodwill-Botschafter des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen setze sich Haakon für nachhaltige Entwicklungsziele, wie die globale Armutsbekämpfung, ein. Auch für die bedingungslose Unterstützung seiner Frau während dieser schweren Zeit sei er nominiert worden. Außerdem stehe Haakon für einen Mann, der seine Machtposition nutze, um andere zu stärken, und nicht, um sich selbst hervorzutun.
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Kronprinz Haakon in seiner Biografie: „Ich war ein Niemand“
Offenbar ist er ein Royal der ziemlich anderen Art: Mit Extravaganz, Glanz und Glamour hat er nichts am Hut. In seiner Biografie von 2023 „Haakon. Historier om en tronarving“ (dt. „Haakon. Geschichten über einen Thronfolger“) spricht er darüber, dass er nach der Trennung von seiner ersten offiziellen Freundin Cathrine Knudsen als Single nach Kalifornien ging, um Politikwissenschaft zu studieren. Er habe dort sehr zurückgezogen gelebt. „Das war ein tolles Gefühl. Gleichzeitig fühlte es sich aber auch sehr seltsam an. So etwas hatte ich noch nie gemacht. Ich war ein Niemand – oder ich war genau wie alle anderen.“
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Das Kennenlernen 1999 war nicht nur von Schmetterlingen im Bauch begleitet, sondern auch von viel Frust. Ein Prinz und ein Partygirl, das war ein gefundenes Fressen. „Der Druck wurde so immens, dass wir beschlossen, einen Schlussstrich zu ziehen. Wir trennten uns im Sommer.“ Doch sie kamen nicht voneinander los. „Wir schafften es nicht, ohne einander zu sein. Als wir wieder zusammenkamen, wusste ich: Jetzt gehen wir den Weg ganz zu Ende – ungeachtet dessen, was das Land denkt.“ Da ist er seinem Vater durchaus ähnlich, der 1968 erst nach neunjährigem Kampf und gegen große Widerstände die Bürgerliche Sonja Haraldsen heiratete.
Haakons Schwester Märtha Louise und die Frage um die Thronfolge
Haakon gilt als absoluter Familienmensch. Er genießt die gemeinsame Zeit mit seiner Frau und seinen Kindern, Ingrid Alexandra (22) und Sverre Magnus (20). Die Tochter, die später einmal Königin sein wird, bekommt zunehmend offizielle Bedeutung im Palast. Auf ihrem Weg dorthin wolle ihr der Papa aber keine öffentlichen Ratschläge geben. „Sie ist klug und versteht viel, sowohl über die Gesellschaft als auch über ihre eigene Situation“, sagte Haakon einmal. Und außerdem: „Ich lerne mindestens so viel von ihr, will ich meinen.“

Manchmal erinnert noch ein Königshaus-Experte daran, dass ja eigentlich Haakons ältere Schwester Märtha Louise (54) hätte Thronfolgerin sein können. Doch 1971, als sie das Licht der Welt erblickte, schauten Mädchen noch in die Röhre. 1990 erst wurde die Verfassung in Norwegen geändert. Mit Märtha Louise, die den selbst ernannten Schamanen Durek Verrett geheiratet hatte, taten sich die Norweger allerdings auch schwer. Haakon, ganz Diplomat, aber sagte: Er habe ein gutes Verhältnis zu seiner Schwester – „und zu Durek Verrett“.
Während Märtha Louise, die jetzt in einer Dachgeschosswohnung ihrer Mutter Königin Sonja mitten in Oslo wohnt und mit Vergesslichkeit und anderen Wechseljahresbeschwerden von sich reden macht, geht Haakon tatkräftig einer Reihe sportlicher Betätigungen nach: Wandern, Skifahren, Fallschirmspringen. Sein Lieblingshobby ist allerdings das Surfen, was aber auch gefährlich ist: 2023 wurde er von seinem eigenen Brett am Kopf erwischt. Dabei sei sein Ohr so schwer verletzt worden, dass es zu bluten begann. „Wellen warfen ihn herum, als wäre er in einer Waschmaschine“, heißt es bei „Aftonposten“ über die Momente direkt nach dem Unfall.
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Die Leidenschaft zum Surfen hat aber zumindest auch gezeigt, dass er durchaus zu scherzen versteht. Im Interview zum 50. Geburtstag jedenfalls verriet er dem norwegischen Fernsehsender NRK, dass er sich im Leben auch einen anderen Job als Kronprinz oder König hätte vorstellen können: „Profi-Surfer“.










