Nach der verheerenden Sturzflut in Nepal werden in den sozialen Medien Hunderte Suchaufrufe nach Vermissten geteilt. Laut aktuellsten Informationen der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) kamen mindestens 500 Menschen ums Leben, insgesamt 2300 Einheimische und Touristen werden noch vermisst. Weltweit suchen Angehörige nach ihren Eltern, Geschwistern und Kindern, die sich während der Sturzflut in der betroffenen Region aufhielten.

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Unter den Vermissten sind auch deutsche Staatsbürger: Die nepalesische Botschaft in Berlin teilte am Donnerstagmorgen die offizielle Stellungnahme des Nepal Tourism Board, dass bislang acht Deutsche vermisst werden. Laut einem Update am Donnerstagnachmittag werden weiterhin acht Personen vermisst. Zusätzlich teilte die Botschaft eine Telefonnummer der Tourismuspolizei (977 9851289445) für Angehörige, die sich über den Verbleib von Touristen in Nepal informieren wollen.

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Sturzflut in Nepal: Vier der acht vermissten Deutschen waren Pilger

Vier der vermissten Deutschen waren nach einer Meldung der dpa auf einer Pilgerreise. Zusammen mit anderen ausländischen Pilgern waren sie auf der Rückreise vom heiligen Berg Kailash und dem Manasarovar-See in Tibet. Die Gruppe von insgesamt 77 Reisenden und 15 nepalesischen Begleitern sollte am Morgen des 26. August die Grenze nach Nepal überqueren. Die Reiseagentur Trekkers Society meldete, dass dann der Kontakt zu ihnen abriss.

Die Pilgerreise wurde von der Isha Foundation des indischen spirituellen Lehrers Jaggi Vasudev, weltweit bekannt als Sadhguru, organisiert. Sadhguru sprach in einer Mitteilung auf der Plattform X von „absolutem Schmerz“ über das Unglück und das Schicksal der Gruppe. Er betonte, es gebe seit der Flut keine Informationen zu den Pilgern mehr.

Auf Anfrage gab die Deutsch-Nepalesische Hilfsgemeinschaft bekannt, dass sie zurzeit keine Informationen über vermisste Deutsche hat. Die Hilfsorganisation Nepalmed gab an, dass sie gerade ihre in Nepal befindlichen deutschen Medizinstudenten kontaktieren, die zum Praktikum dorthin versandt wurden. Noch haben sich nicht alle gemeldet. Jedoch befindet sich keines der nepalesischen Partnerkrankenhäuser im direkt von der Flut betroffenen Gebiet.

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Sturzflut in Nepal: Gletscherabbruch, Klimawandel und Frühwarnsysteme
Im Krisenmodus
 

Vermisste in Nepal: Angehörige bitten auf Social Media um Hilfe

Auch nepalesische Reiseveranstalter schlagen Alarm. Dutzende Unternehmen berichten, dass ganze Reisegruppen nach den Überschwemmungen nicht mehr erreichbar oder verschwunden sind. Wie die australische Zeitung „The Australian“ berichtet, sind unter den Vermissten auch zwei australische Jungen im Alter von elf und 14 Jahren. Sie sollen gemeinsam mit ihren Eltern in Nepal unterwegs gewesen sein.

Sagar Pandey, Gründer und Geschäftsführer des in den USA ansässigen Reiseveranstalters Himalayan Glacier, teilte auf Facebook mit, dass sich rund 15 der 34 vermissten Australier zum Zeitpunkt der Flut auf einer Tour seines Unternehmens befanden. Die Reisegruppe sei gerade auf einer Wanderung gewesen, als die Wassermassen einsetzten.

Auch der Reiseveranstalter Hiking Himalayas Treks sucht öffentlich nach einer verschollenen Gruppe. Über Facebook veröffentlichte das Unternehmen einen Aufruf, um Informationen über eine Reisegruppe mit 55 Menschen zu erhalten. „Bitte helft uns, sie zu finden“, heißt es in dem Post. Die Wanderer waren demnach auf einer Pilgerreise unterwegs. Viele von ihnen stammten aus der Ukraine. Nach offiziellen Angaben werden derzeit 53 Ukrainer nach der Katastrophe vermisst. In seinem Facebook-Post bittet der Reiseveranstalter um Hinweise zum letzten Verbleib der Gruppe. „Die Familien der internationalen Pilger sind äußerst besorgt und warten dringend auf Neuigkeiten über ihre Angehörigen.“

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Betroffene Region war bei Touristen besonders beliebt

Wie die britische Tageszeitung „The Guardian“ berichtet, werden 33 britische Staatsbürger vermisst, darunter ist auch ein 13-jähriges Mädchen, das während der Sturzflut mit seiner Familie in Nepal war. Der Sender CNN schreibt von einem 14-jährigen US-amerikanischen Mädchen, das zusammen mit seinen Eltern gesucht wird. Vermisst wird auch ein Ärztepaar aus Nepal und deren einjährige Tochter. Die Familie war laut CNN gerade in der Rasuwa-Region, als die Wellen ihr Haus trafen.

Wie die nationale Tourismusbehörde Nepal Tourism Board auf ihrer Homepage öffentlich mitteilt, werden noch insgesamt 644 Touristen vermisst. Die meisten Vermissten stammen aus Indien (168), gefolgt von Nepal (127) und den USA (65). Ob sich alle Betroffenen tatsächlich in Gefahr befinden, ist bislang unklar. Die Flut traf eine Region, die für Touristen und Pilger von besonderer Bedeutung ist. Durch das betroffene Gebiet führt eine beliebte Route zur hinduistischen Pilgerstätte Kailash Mansarovar in Tibet. In der weiteren Region liegen zudem das bekannte Trekking-Gebiet Langtang und die religiöse Stätte Gosain Kunda.

Überlebende der Sturzflut berichten

Der Zollbeamte Omkar Joshi ist einer der geretteten Überlebenden. Er hatte in der Nacht zum Donnerstag auf einem Hügel über der Stadt Timure ausgeharrt. Nach der Rettung erklärte er, dass die ganze Stadt von einer Sturzflut aus Schlamm, Geröll und Wasser vernichtet wurde. 90 Prozent der Stadt seien tot. „Es ist ein riesiger Friedhof. Nur Sand und blutverschmierte Kiesel sind noch übrig“, sagt er. Nur durch die Flucht auf nahe gelegene Hügel konnten sich die wenigen Überlebenden retten. „Es hat die ganze Nacht geregnet. Wir haben gewartet, bis die Hubschrauber gekommen sind“, erklärte Joshi.

Die 24-jährige Anisha Nepali ist aus der Hauptstadt Kathmandu nach Bidur gekommen, als sie von der Sturzflut gehört hat. Dort leben ihre Mutter und ihr jüngerer Bruder. „Ich habe den Behörden ihre Namen genannt, aber ich habe noch nichts gehört“, sagt sie. Weiter abwärts von Bidur wurde das Dorf Devighat fast vollständig zerstört. Von den ehemals rund 150 Häusern hat nur ein vierstöckiges Altenheim dem Strom standgehalten. Dank Warnungen der Behörden konnten sich viele Bewohner dieses Dorfes in Sicherheit bringen.

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In einem CNN‑Interview berichtet Sugam Pokharel, ein nepalesischer Sänger, von Bekannten und Familie. Während seine Familienmitglieder in Sicherheit sind, werden einige seiner Freunde noch vermisst. Einer davon habe CNN 2015 bei der Berichterstattung über ein schweres Erdbeben geholfen. Ein paar Freunde würden auch für ein südkoreanisches Unternehmen arbeiten, das Wasserkraftwerke baut. „Viele dieser Anlagen wurden zerstört und die Menschen, die da arbeiten, werden weiterhin vermisst. Es bricht mir das Herz und macht mir riesige Sorgen“, erklärt der Sänger.

30 Menschen aus Palungtar, dem Dorf, aus dem er stammt, waren auf einer Pilgerreise und wurden im Bus von den Wassermassen erfasst. „Es waren zum größten Teil ältere Menschen und der Bus wurde von der Flut weggespült. Nur vier Pilger konnten vor der Ankunft des Wassers aus dem Bus springen und sich verletzt auf die umgebenden Hügel retten. Ich sprach mit einem, der von der Armee gerettet wurde, und er erzählte mir, wie der Bus komplett unter Wasser war“, sagt Sugam Pokharel.

Am Freitagmorgen warnt die nepalesische Polizei vor einer weiteren Flut. „Wir haben Informationen erhalten, dass auf der tibetischen Seite ein Damm gebrochen ist“, teilte die nepalesische Polizei mit. Bevölkerung und Sicherheitskräfte in der betroffenen Gegend werden gebeten, wachsam zu sein und sich im Ernstfall an sichere Orte zu begeben.