Ein Kaffee für 50 Euro, Hotelzimmer für mehrere Hundert Euro pro Nacht und ein Lido, der nach Ansicht von Festivaldirektor Alberto Barbera zunehmend Besucher und Branchenvertreter abschreckt. Auch nach dem Ende der 83. Filmfestspiele von Venedig sorgt das Preisniveau auf der Laguneninsel für Diskussionen. Die Hoteliers weisen den Vorwurf überzogener Preise zurück und verweisen auf die üblichen Marktmechanismen bei einem internationalen Großereignis mit hoher Nachfrage.

Jeden 2. Sonntag
Ein FUNKE Liebe
Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Die Debatte erreichte zum Festivalende eine neue Stufe durch ungewöhnlich deutliche Worte Barberas. Der Direktor der Filmfestspiele kritisierte die Preisentwicklung bei Hotels, Ferienwohnungen, Restaurants und Bars. Der Lido sei inzwischen teurer als das französische Cannes, protestierte Barbera. Zahlreiche ausländische Gäste hätten ihm berichtet, dass das Filmfestival an der Côte d‘Azur mittlerweile günstiger sei.
- Sommerurlaub: Hitze – Arzt warnt vor diesen Urlaubszielen und nennt 4 Kriterien
- Urlaubsplanung: „Touristen sind wie Lemminge“ – Wohin Sie nicht reisen sollten
- Fliegen: Flugangst: Piloten verraten, welche Tipps wirklich helfen
- Beliebte Insel: Mallorca als Sauf-Hotspot? Experte: „Ehefrau ist nicht dabei“
- Reisen: Mäuse, Dreck, Verspätung: Wie schlimm ist es im FlixTrain?
Kritik am Hotel Excelsior: Hohe Preise sorgen für Unmut
Barbera warnte zugleich vor möglichen Folgen für die Veranstaltung. Wenn wegen der hohen Kosten weniger Zuschauer und Fachbesucher nach Venedig kämen, könne dies langfristig auch dem Festival und dem Lido schaden. Dabei verzeichnete das diesjährige Festival steigende Besucherzahlen: Nach Angaben der Veranstalter wurden 117.656 Eintrittskarten verkauft, rund 14 Prozent mehr als im Vorjahr.
Besonders viel Aufmerksamkeit erregte der Fall des traditionsreichen Hotels Excelsior, das während des Festivals zu den zentralen Treffpunkten der internationalen Filmbranche gehört. Dort sorgte unter anderem ein Mindestkonsum von 50 Euro für einen einzigen Kaffee für Beschwerden. Auch Einschränkungen bei der Nutzung von Sitzgelegenheiten und beim Fotografieren wurden kritisiert. Nach Angaben aus dem Umfeld der Filmfestspiele wurden die Beschwerden an die Eigentümergesellschaft des Hotels in London weitergeleitet. Die Vorgänge sollen dort geprüft werden.
Urlaubs-Tipp für Italien:
Die Vertreter der Hotellerie weisen die Vorwürfe überzogener Preise zurück. Michela Cafarchia, Präsidentin des Konsortiums „Venezia e il suo Lido“, schlägt vor, bereits im Oktober Gespräche zwischen Hoteliers und der Biennale, der Organisatorin des italienischen Filmfestivals, aufzunehmen. Ziel müsse es sein, die Unterbringung während der Filmfestspiele besser zu planen und wiederkehrende Kontroversen über die Preise zu vermeiden. In 24 Hotels würden rund 200 Zimmer für Gäste der Organisation zu vorher vereinbarten Preisen reserviert.

Preise in Venedig: Hoteliers verteidigen starke Preisanstiege
Zudem verfüge das Konsortium über eine Plattform, mit der Angebot und Nachfrage in Echtzeit beobachtet werden könnten.
Auch Antonio Vianello vom Hotelierverband „Associazione Veneziana Albergatori“ warnte davor, aus einzelnen Fällen allgemeine Schlüsse zu ziehen. Wenn ungewöhnlich hohe Preise festgestellt würden, sollten diese gemeldet und überprüft werden. Teodoro Russo, Präsident des Luxushotels Grande Albergo Ausonia Hungaria, verteidigte die Preisentwicklung.
Orcas, Haie und Tiere im Meer
Es handle sich um normale Marktmechanismen und die Reaktion auf eine „hohe Nachfrage“, sagte Russo der Tageszeitung „Il Gazzettino“. Die Filmfestspiele dauerten nur rund zehn Tage, während die Hoteliers das ganze Jahr über hohe Kosten für Personal, Instandhaltung und den Betrieb ihrer Häuser tragen müssten, argumentierte Russo. Die wiederkehrende Kritik an den Preisen bezeichnete er als wenig zielführend.
Statt sich ausschließlich auf die Kosten während der Mostra zu konzentrieren, könne man auch über eine stärkere ganzjährige Nutzung des Lido nachdenken, sagte Russo. Ein dauerhaftes Filmmuseum könnte beispielsweise auch außerhalb der Festivalzeit Besucher anziehen und zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.





