Am Freitagmorgen schwamm Greg James O‘Neill in der Nähe des Ufers von Sorrento Beach, einem beliebten Badeort etwa 20 Kilometer nördlich der Innenstadt von Perth, als ihn ein Hai angriff und tötete. Zeugenberichte lassen vermuten, dass es sich um einen etwa drei Meter langen Weißen Hai handelte.

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Zunächst ordnete die Regierung von Westaustralien an, den mutmaßlichen Angreifer zu fangen und zu töten. Am Montag wurde die Suche nun jedoch abgebrochen. Das zuständige Ministerium teilte mit, es gebe keine Hinweise mehr auf Aktivitäten von Weißen Haien in dem Gebiet. Damit sei die Wahrscheinlichkeit deutlich gesunken, genau den Hai zu fangen, der für den tödlichen Angriff verantwortlich war.

Orcas, Haie und Tiere im Meer

Tödlicher Haiangriff in Perth schockiert Badegäste

Der Angriff hatte die Menschen in Perth schockiert. „Ich blickte aufs Meer hinaus und konnte eine Blutlache sehen“, berichtete Jacqui Rapaic dem australischen Sender ABC. Rapaic war mit einer Freundin am Strand spazieren gegangen, als sie den tragischen Vorfall miterleben mussten. Die Leiche des 63-Jährigen konnte bislang nicht geborgen werden. Nach der Attacke wurden fast zwölf Kilometer Strand an der Küste Perths gesperrt. 

Am Samstag hatte Fischereiministerin Jackie Jarvis noch angeordnet, den Hai zu fangen und zu töten. Es sei ein „außergewöhnlicher“ Schritt, urteilte der öffentlich-rechtliche Sender ABC am Wochenende bereits. Doch Jarvis begründete die Entscheidung mit der vom Tier ausgehenden Gefahr und der möglichen Sicherung gerichtsmedizinischer Beweise. Die Fischereibehörde DPIRD legte daraufhin etwa 1,5 Kilometer vor dem Strand Fangleinen (Drumlines) aus.

Augenzeugen schildern die tödliche Hai-Attacke in Perth

Suche nach Weißem Hai in Westaustralien: „Nadel im Heuhaufen“

Am Wochenende mehrten sich dann kritische Stimmen: Culum Brown, Verhaltensbiologe und Experte für Hai-Drohnen an der Macquarie University in Sydney, verglich die Suche mit der nach „einer Nadel im Heuhaufen“. „Die Realität ist, dass Weiße Haie sehr, sehr weite Strecken zurücklegen“, sagte er der ABC. „Inzwischen könnte dieser Hai Hunderte von Kilometern entfernt sein.“ 

Ob ein Hai verantwortlich sei, lasse sich nur feststellen, indem man ihn töte und auf menschliche Überreste untersuche. „Was wollen sie also tun? Jeden Weißen Hai an der Westküste fangen, bis sie den richtigen finden? Ich meine, das ist doch ein bisschen lächerlich.“

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Mehrere Haiangriffe in Westaustralien sorgen für Sorge

Laut ABC ist O‘Neills Tod der 24. tödliche Haiangriff in Westaustralien seit dem Jahr 2000, zehn davon ereigneten sich im Großraum Perth. Im Mai starb ein Speerfischer vor Rottnest Island, wenige Wochen später ein weiterer Mann in der Nähe von Albany. Am Montag vor einer Woche war bereits der Feuerwehrmann Mel Ismail aus Geraldton gebissen worden. Er liegt nach Angaben des australischen Senders stabil im Krankenhaus. 

Bisher überwacht Surf Lifesaving WA, der örtliche Verband der Rettungsschwimmer, die Küsten an den Wochenenden mit Hubschraubern, tägliche Flüge sollen aber erst am 26. September beginnen. Ein Teil des Strandes hatte einst eine Hai-Schutzbarriere, sie wurde jedoch 2020 entfernt. Andere Barrieren in der Region werden erst im Oktober aufgebaut. Jarvis sagte, mehr Drohnen entlang der langen Küste würden „absolut in Erwägung gezogen“. Zunächst überprüfe die Regierung ihre Schutzstrategien: Markieren und Verfolgen, Warn-App, Sirenen, Netze und Gehege sowie persönliche Abschreckungsmittel.

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Sydney setzt nach Haiangriffen verstärkt auf Drohnen

Brown verwies in seinem Gespräch mit der ABC auf den Bundesstaat New South Wales, wo die Regierung seit einem Angriff am Coogee Beach in Sydney auf Drohnen setzt. Sie seien „viel günstiger“ als beispielsweise Hubschrauber, so Brown. Man könne eingreifen, bevor ein Hai jemanden angreife, und es gebe keinen Beifang wie bei Hainetzen. Er sprach von einer „Win-Win-Situation“ für Schwimmer und Haie.

Drohnen sollen Haie vor Sydney frühzeitig erkennen
In Sydney überwachen Drohnen zahlreiche Strände und sollen Haie frühzeitig entdecken. Auch in Westaustralien wird ihr verstärkter Einsatz nun geprüft.© Barbara Barkhausen | Barbara Barkhausen

In Sydney war das Opfer eine 34-jährige Lehrerin gewesen, die bei der Attacke eines vier Meter langen Weißen Hais ihren linken Arm verlor. Inzwischen sind nach Regierungsangaben 73 Drohnen an 97 Stränden im Einsatz. Hinzu kommen 51 Hainetze und 305 Smart-Drumlines, die Haie abfangen sollen, ohne sie zu töten. Insgesamt flossen 120 Millionen australische Dollar (rund 74 Millionen Euro) in den Schutz der Strände.