Der kleine Espresso an der Theke, ein kurzer Plausch mit dem Barista, Zeitung lesen am Tisch – für viele Italiener gehört der Besuch in der Bar zum Alltag wie kaum ein anderes Ritual. Doch hinter den glänzenden Espressomaschinen und den gefüllten Vitrinen wächst der wirtschaftliche Druck.

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Immer mehr Bars müssen schließen. Inflation, hohe Energie- und Rohstoffpreise, steigende Arbeitskosten und die sinkende Kaufkraft der Haushalte setzen den traditionellen Betrieben zu. Damit verschwindet nicht nur ein Stück italienischer Geschäftskultur, sondern vielerorts auch ein wichtiger Treffpunkt des öffentlichen Lebens.
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Barsterben: 14,2 Prozent weniger als noch 2019
Die Entwicklung lässt sich inzwischen an konkreten Zahlen ablesen. Zwischen 2019 und 2025 verschwanden in Italien mehr als 24.000 Unternehmen aus dem Gewerbe. Das entspricht durchschnittlich rund elf Betrieben pro Tag. Besonders stark betroffen sind die Bars: Ihre Zahl sank nach einer Auswertung des Handelsverbands Confesercenti von 169.839 im Jahr 2019 auf 145.766 im Jahr 2025. Das entspricht einem Rückgang von 14,2 Prozent.
Dabei ist die italienische Bar weit mehr als ein Ort, an dem Kaffee verkauft wird. Menschen kommen auf einen Kaffee vorbei, treffen Freunde oder Nachbarn und erledigen kleine Einkäufe. Auch für Touristen gehören die Bars zum typischen Stadtbild. Doch dieses Geschäftsmodell gerät zunehmend unter Druck. Die Betriebskosten sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Vor allem Energie und Rohstoffe belasten die Unternehmen. Gleichzeitig sind die Arbeitskosten gewachsen. Für viele Bars ist das besonders problematisch, weil sie personalintensiv arbeiten und ihre durchschnittlichen Umsätze pro Kunde vergleichsweise niedrig sind.
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Hinzu kommt die schwächere Kaufkraft vieler Haushalte. Wenn Lebensmittel, Mieten, Energie und andere Ausgaben teurer werden, sparen Verbraucher häufiger bei kleinen Ausgaben außerhalb des eigenen Haushalts. Ein täglicher Kaffee in der Bar mag für den Einzelnen nur eine geringe Ausgabe sein. Für einen Betrieb mit zahlreichen Kunden summieren sich Veränderungen im Konsumverhalten jedoch schnell.
Menschen sind weniger in Bars unterwegs
Auch die italienischen Städte verändern sich. Seit der Zunahme des Homeoffice arbeiten weniger Menschen täglich in den Büros der Innenstädte. Dadurch fehlen den Bars Kunden, die früher morgens einen Cappuccino getrunken, mittags etwas gegessen oder am Nachmittag eine kurze Pause gemacht haben. Zusätzlichen Druck erzeugen moderne Handelsformen und neue Lieferdienste. Supermärkte, Bäckereiketten und andere Anbieter konkurrieren zunehmend mit den traditionellen Bars. Gleichzeitig können Verbraucher heute viele Produkte und Dienstleistungen nach Hause bestellen. Für die klassischen Betriebe wird es dadurch schwieriger, ihre bisherigen Kundenströme zu halten.

Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung in den italienischen Großstädten. Rom verlor zwischen 2019 und 2025 insgesamt 2827 Bars. Damit verschwanden dort mehr als 30 Prozent des Bestands innerhalb von sechs Jahren. Im Zentrum Italiens ging die Zahl der Betriebe insgesamt um 20,8 Prozent zurück. Der Handelsverband Confesercenti warnt deshalb vor einer zunehmenden Verödung der Innenstädte. Denn mit jeder geschlossenen Bar verschwindet nicht nur ein Unternehmen, es fällt auch ein Ort weg, an dem Menschen zusammenkommen und der für ein Viertel oder eine Gemeinde eine soziale Funktion erfüllen kann.
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Nach Berechnungen des Verbandes hat der Rückgang der Bars zwischen 2019 und 2025 auch erhebliche wirtschaftliche Folgen. Den lokalen Wirtschaftsräumen seien dadurch mehr als 7,2 Milliarden Euro an Konsum, Beschäftigung und Steuereinnahmen verloren gegangen.
Für Nico Gronchi, Präsident von Confesercenti, geht es deshalb um mehr als die Zukunft einzelner Gastronomiebetriebe. „Eine Bar ist ein Unternehmen, das Arbeitsplätze schafft und Dienstleistungen anbietet. Aber sie ist auch einer der einfachsten und zugänglichsten Orte, an denen Menschen zusammenkommen“, sagt Gronchi. Das gelte für kleine Gemeinden ebenso wie für große Städte. In einem Dorf könne eine Bar ein zentraler Treffpunkt sein, in einem Stadtviertel erfülle sie eine ähnliche Funktion. Wenn solche Orte verschwänden, würden die Straßen weniger belebt und die Städte „dunkler und unsicherer“, warnt Gronchi.



