Er war der am kürzesten amtierende Ministerpräsident im Freistaat, jetzt will der Thomas Kemmerich seine Partei aus dem Umfragetief führen. Ein Rückblick auf sein Leben.

1. Kemmerich kam in den Osten, um zu bleiben

Thomas Karl Leonard Kemmerich, wie er mit vollem Namen heißt, wurde 1965 im nordrhein-westfälischen Aachen geboren. Nach seiner Ausbildung und seinem Studium zog er nach Thüringen. Noch in der Nacht des Mauerfalls sei er Richtung Osten gefahren, erzählte der Rheinländer einst. Dort baute er eine Unternehmensberatung auf, später übernahm er Frisörgeschäfte und wandelte diese zu einer Frisör-Filialkette um. 2017 beteiligte sich Kemmerich an einer Uhrenmarke. 

2. Kemmerichs Markenzeichen: Seine Cowboystiefel und der Karneval

Seinen rheinischen Wurzeln ist der Liberale treu geblieben: 1998 war er Karnevalsprinz in Erfurt und ist dem Karneval bis heute treu geblieben. So ist er noch heute als Präsident der Gemeinschaft Erfurter Carneval (GEC) aktiv. Ein weiteres Markenzeichen sind seine Cowboystiefel. Die trug er auch, als ihm die damalige Fraktionschefin der Linken, Susanne Hennig-Wellsow, einen Blumenstrauß vor die Füße warf. Der Grund: Im Februar 2020 wurde Kemmerich mit den Stimmen von AfD, FDP und CDU zum Ministerpräsidenten gewählt.

3. Von Erfurt nach Berlin - und wieder zurück

Mitte der 2000er Jahre begann Kemmerichs politische Karriere. 2007 wurde er Kreisvorsitzender der FDP. 2009 zog er als Stadtrat in den Erfurter Landtag ein. Für einen lokalen Wechsel entschied er sich 2017, als er in den Bundestag einzog. Doch 2019 kehrt Kemmerich in seine Wahlheimat zurück: Die Landes-FDP nominiert ihn als Spitzenkandidaten für die Landtagswahl. 

3. Kemmerich und Christian Lindner: Ein schwieriges Verhältnis

Der FDP-Landesverband muss den Wahlkampf für die anstehende Landtagswahl am 1. September selbst bezahlen und auf finanzielle Hilfe aus dem Wahlkampffonds der Bundes-FDP verzichten. Grund sind verhärtete Fronten zwischen Kemmerich und der Bundes-FDP um Bundesfinanzminister Christian Lindner. 

4. Kemmerich: Der Ministerpräsident, der niemals regierte

Völlig überraschend wählte der Landtag den Liberalen Kemmerich am 5. Februar 2020 zum Thüringer Regierungschef - und löste damit eine Regierungskrise aus. Denn er erhielt nicht nur fast alle Stimmen von CDU und FDP, sondern auch alle Stimmen der vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften AfD. Nach heftiger Kritik trat er am 8. Februar zurück und blieb bis zum 4. März geschäftsführend im Amt. Er ging damit als sechster Ministerpräsident in die Geschichte ein, der niemals regierte.

Björn Höcke, Vorsitzender der AfD-Fraktion, gratuliert am 5. Februar 2020 dem neuen Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich. 
Björn Höcke, Vorsitzender der AfD-Fraktion, gratuliert am 5. Februar 2020 dem neuen Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich. © AFP | Jens Schlueter

5. Kemmerich provoziert gerne mit Wahlplakaten

Mit seinen Stiefeln als Markenzeichen und dem inzwischen ikonischen Bild des Blumenstraußes warb der Liberale in einem provokanten Wahlkampfplakat um die Stimmen der Bürger. Mit dem Bild spielt Kemmerich direkt auf den Skandal um den vor die Füße geworfenen Blumenstrauß durch die Linken-Landeschefin Susanne Hennig-Wellsow im Thüringer Landtag an. Auch mit seinen Wahlkampfvideos polarisiert er in den sozialen Medien: Dort wurden die Wahlvideos der anderen Parteien, wie der CDU, dem BSW oder der AfD aufgegriffen und Kemmerich als einziger seriöser Politiker beworben.

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