Auf einmal geht alles ganz schnell. Es ist gegen halb 8 Uhr abends, Sahra Wagenknecht ist gerade am Ende ihrer Rede angekommen. 40 Minuten redet sie auf dem Domplatz in Erfurt, es geht um die Landtagswahl, die aktuelle Ampel-Politik, steigende Energiepreise und: den Krieg in der Ukraine.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Als sie ihre Rede beenden will, passiert es. Ein 50-jähriger Mann löst sich aus der Menge, überwindet die Absperrung, kniet sich vor die Bühne und besprüht Sahra Wagenknecht mit roter Farbe. „Irgendwas von wegen Ukraine hat er gerufen“, wird Steffen Schütz, Co-Vorsitzender des BSW Thüringen, später sagen. Ganz genau wisse er das nicht mehr.
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Wagenknecht flüchtet nach hinten, Steffen Quasebarth, der Pressesprecher des BSW Thüringen, versucht sie so gut wie möglich abzuschirmen. Beide verlassen die Bühne. Sicherheitskräfte bringen den Angreifer zu Boden. Das alles passiert in Sekundenschnelle. Dem Angreifer werden Handschellen angelegt. Eine Durchsage folgt: Die Lage sei unter Kontrolle. Sahra gehe es gut. Die Menge ruft: „Sahra, Sahra, Sahra“. Der Mann wird abgeführt, er befindet sich inzwischen in Polizei-Gewahrsam.
Wahlkampf soll nach Anschlag auf Wagenknecht weitergehen
Kurze Zeit später steht Wagenknecht wieder auf der Bühne. Mit ihr die Führungsebene des Thüringer BSW. „Jetzt erst recht“ - da seien sich alle einig, sagt Steffen Schütz. Er, genauso wie die Thüringer Spitzenkandidatin Katja Wolf, verurteilen den Anschlag aufs Schärfste. „Es ist wahnsinnig perfide“, sagt Wolf. Dieser Anschlag habe auf Einschüchterung abgezielt. Der Wahlkampf werde aber nicht unterbrochen: „Wir werden weiterhin noch Wahlkampf machen“.
Ich verurteile den Angriff auf Sahra #Wagenknecht auf dem Domplatz in #Erfurt scharf. Gewalt darf niemals ein Mittel der politischen Auseinandersetzung sein. https://t.co/ezgZJBgH4f
— Georg_Maier (@GeorgMaier8) 29. August 2024
Nicht nur die Kandidaten lässt der Anschlag schockiert zurück, sondern auch die Zuschauer. Ein Mann schüttelt nur den Kopf, „ich finde das schlimm, zum Glück ist Sahra nicht verletzt worden“. Das bestätigt auch die Polizei. Wagenknecht sei unverletzt, heißt es. Die rote, unbekannte Flüssigkeit habe sie am Arm getroffen. Die Polizei habe die Ermittlungen wegen Sachbeschädigung und Beleidigung aufgenommen. Eine politische Motivation des Täters könne gegenwärtig nicht ausgeschlossen werden.
Thüringens Innenminister Georg Maier verurteilt den Anschlag scharf. Auf X, ehemals Twitter, schreibt er: „Gewalt darf niemals ein Mittel der politischen Auseinandersetzung sein“. Wagenknecht selbst lässt auf X wissen, dass es ihr gut gehe. „Nur der Schreck steckt mir noch ein bisschen in den Knochen“, schreibt die Politikerin. Und: „Wir lassen uns nicht einschüchtern“.
Lieben Dank für die vielen besorgten Nachfragen: Es geht mir gut. Nur der Schreck steckt mir noch ein bisschen in den Knochen. Aber keine Sorge: wir lassen uns nicht einschüchtern!
— Sahra Wagenknecht (@SWagenknecht) 29. August 2024
Rund 1,7 Millionen Thüringer sind am kommenden Sonntag dazu aufgerufen, bei der Landtagswahl in Thüringen ihre Stimme abzugeben. Aktuellen Umfragen zufolge hat das BSW gute Chancen als drittstärkste Kraft in den Landtag einzuziehen. Vor dem Bündnis liegen lediglich CDU und die AfD. Grüne und FDP müssen zittern, ob sie den Einzug in den Landtag wieder schaffen. Beide Parteien bewegen sich den Umfragen nach unter der Fünf-Prozent-Hürde.
Bei Wahlkampfveranstaltung in Erfurt: Farbanschlag auf Sahra Wagenknecht
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