Die Linke ist im Umfragehoch. Auch in Thüringen feiert die Linke Zuwachs. 519 Neueintritte zählt der Landesverband nach Parteiangaben seit dem 1. Januar 2025. „Totgesagte leben länger“, sagt Politikwissenschaftler Oliver Lembcke zu dem Zuwachs der Linkspartei. Vor allem bei der jüngeren Wählerschaft komme die Partei derzeit gut an.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Gestützt wird die Aussage von einer nicht repräsentativen Umfrage, die der Deutsche Bundesjugendring am Montagmittag bekanntgab. Demnach geht die Linke bundesweit bei der U18-Wahl mit 20,8 Prozent der Stimmen als Sieger hervor – und kann ihren Stimmanteil damit im Vergleich zu 2021 (7,5 Prozent) nahezu verdreifachen.

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Kapitalismuskritik und pazifistische Politik machen Boden gut

„Die Resonanz der Linkspartei ist auch mit der Schwäche von SPD und Grünen zu erklären“, sagt Lembcke. Während der Ampel-Regierung hätten SPD und Grüne Kompromisse geschlossen, die für überzeugte Linke eine Zumutung gewesen seien. Beide Parteien hätten sich in zentralen Fragen nach rechts bewegt und dementsprechend nach links einen Raum geöffnet. In diese Kerbe schlage nun die Linke.

Mit einer pazifistischen Politik, die in Verbindung mit der Kapitalismuskritik gebracht werde, bediene die Linke ein Wählerklientel, das von den Grünen und der SPD vernachlässigt wurde. Zudem würden SPD und Grüne zu oft darüber sprechen, wer am Kabinettstisch Platz nehmen soll. „Diese Regierungswilligkeit turnt natürlich auch ab“, sagt Lembcke.

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Erfolg von „Mission Silberlocke“ liegt nicht im Gewinn von Direktmandaten

Inwieweit die „Mission Silberlocke“ für das Umfragehoch zuständig sei, lasse sich so genau nicht beziffern. Mit der „Mission Silberlocke“ wollen die Linken-Urgesteine Bodo Ramelow, Gregor Gysi und Dietmar Bartsch bei der Bundestagswahl Direktmandate für ihre Partei holen und der Linken somit den Einzug in den Bundestag sichern.

Silberlocke ist eine Mission Impossible

Oliver W. Lembcke ist Politikwissenschaftler und lehrt an der Ruhr-Uni in Bochum. Der Hochschullehrer war zuvor auch in Jena tätig und wurde in Thüringen mehrfach mit Hochschulpreisen ausgezeichnet.
Oliver W. Lembcke ist Politikwissenschaftler und lehrt an der Ruhr-Uni in Bochum

Es sei nahezu „aussichtslos“, dass alle drei Kandidaten ihre Wahlkreise gewinnen würden. „Das ist eine Mission impossible“, sagt Lembcke. Im Endeffekt sei es aber auch nicht entscheidend. Vielmehr sei die Mission ein Weckruf für die bereits totgeglaubte Linke gewesen. „Das war der wesentliche Effekt“.

Linke-Abgeordnete wird zum Internet-Phänomen

Gleichzeitig habe die Linke-Abgeordnete Heidi Reichinneck mit einer Rede im Deutschen Bundestag dem Anliegen der Partei ein Gesicht gegeben. Reichinneck ist in den letzten Wochen des Wahlkampfs zu einem Internet-Phänomen geworden. Ausschnitte ihrer Rede im Bundestag haben in den Sozialen Medien millionenfache Aufrufe gehabt. Geschätzte 29 Millionen haben auf Social Media ihre empörte Rede im Bundestag gesehen, nachdem die Union mit der AfD zusammen abgestimmt hatte.

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Linke finden Wählerschaft in urbanen Ballungszentren

Die Rede habe sich verfangen, vor allem junge Frauen würden nun weiter nach links rücken. Sie gibt vor allem der jüngeren Wählerschaft ein Gesicht. Zudem finde die Linke ihre Wähler in urbanen Ballungszentren. „Das ist eine hoch umkämpfte Wählerschaft“, sagt Lembcke. SPD und Grünen würden das nicht so lange stehen lassen und irgendwann wieder zurückschlagen.

Allgemein sei Politik wieder im Kommen. Auch andere Parteien erleben einen Zuwachs an Parteimitgliedschaften. Das sei ein Spezifikum der Wahlkampfzeit und könne man in der gesamten Bandbreite des politischen Spektrums beobachten. Die zunehmende Polarisierung bewirke ferner, dass die Menschen sich politisch betätigen wollen. Das sei allerdings etwas, das ganz allgemein zutrifft.

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