Schluss mit der Kippe im Auto – zumindest, wenn Kinder und Schwangere mitfahren. Geht es nach mehreren Bundesländern soll das Bundesnichtraucherschutzgesetz in dieser Hinsicht geändert werden. Ein entsprechender Antrag soll in der nächsten Sitzung des Bundesrats am 26. September eingebracht werden.
Was wollen die Länder?
Hinter dem Antrag stehen Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. In dem Entwurf zur Änderung des Bundesnichtraucherschutzgesetzes heißt es, die Erwartungen, dass freiwillig auf das Rauchen im Auto verzichtet werde, hätten sich nicht erfüllt. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) verwies darauf, dass ungeborene Kinder und Minderjährige sich nicht selbst vor den Gefahren des Passivrauchens wie etwa Schädigungen der Lunge, erhöhtem Krebsrisiko und Wachstumsstörungen schützen könnten. Der Staat habe ihnen gegenüber daher eine besondere Schutzpflicht.
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Der Vorstoß der Länder ist nicht neu, sondern eine sogenannte Reprise. Darunter versteht man Bundesratsinitiativen, die vom Bundestag jedoch nicht behandelt worden sind. Damit das neu gewählte Parlament nun die Möglichkeit hat, sich damit zu beschäftigen, muss der Bundesrat einen erneuten Beschluss fassen, um an der Initiative, die erstmals 2019 eingebracht wurde, festzuhalten. Stimmt der Bundesrat am kommenden Freitag dem jetzigen Gesetzentwurf zu, geht der Entwurf in den Bundestag.
Ist das wirklich nötig?
Laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg verzichten in Deutschland etwa zwei Drittel der Raucher, die mindestens ein minderjähriges Kind haben, freiwillig auf das Rauchen im Auto. Ein Drittel der Raucher mit Kindern vermeidet das Rauchen im Auto jedoch nicht grundsätzlich. Das DKFZ schätzt, dass insgesamt mehr als eine Million Kinder und Jugendliche direkt oder indirekt von einer Tabakrauchbelastung im Auto betroffen sind.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Das deckt sich mit Zahlen, die von der Initiative Pro Rauchfrei auf Anfrage dieser Redaktion übermittelt werden: Dem Tabakatlas 2025 zufolge geben sechs Prozent der 9-17-Jährigen an, dass sie in Autos mitgefahren sind, in denen geraucht wurde. „Somit betrifft das Problem an die 900.000 Minderjährige; bezieht man ungeborene Kinder mit ein, können wir von etwa einer Million betroffener Kinder ausgehen“, erklärte Pro Rauchfrei weiter.
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„Rauchen im Auto gefährdet generell die Gesundheit von Fahrern und Beifahrern, ist ein Risiko für die Verkehrssicherheit und schadet beim Entsorgen der Kippen durch das Autofenster der Umwelt erheblich durch Verursachung von Bränden und Freisetzung von Giftstoffen im Boden und in Gewässern“, sagte Pro-Rauchfrei-Vorstandschef Stephan Weinberger dieser Redaktion. Ein gesetzliches Verbot müsste mindestens gelten, wenn Minderjährige und Schwangere an Bord seien.
Wie gesundheitsschädigend ist das Passivrauchen für Kinder während einer Autofahrt?
Forscher des DKFZ haben auf den Rücksitzen eines fahrenden Autos in der Kopfhöhe von Kindern deutlich erhöhte Konzentrationen gemessen, wenn auf dem Vordersitz eine Zigarette angezündet wird. Selbst bei teilweise geöffneten Fenstern werden beim Rauchen einer Zigarette Durchschnittswerte zwischen 50 und 300 µg/m3 (Mikrogramm pro Kubikmeter) und Spitzenwerte von bis zu 500 µg/m3 erreicht. Bei geschlossenen Fenstern steigen die Werte auf rund 3000 µg/m3. Die Belastung auf dem Beifahrersitz erreichte nach dem Anzünden einer Zigarette auf dem Fahrersitz bei leicht geöffnetem Fenster in kurzer Zeit Spitzenwerte von über 2500 µg/m3. Zum Vergleich: Die Belastung mit Tabakpartikeln in einer durchschnittlich verrauchten Bar liegt bei rund 500 µg/m3.
Und: Laut DKFZ ist der direkte Kontakt mit Tabakrauch nicht die einzige Gefahr für Kinder in Raucherfahrzeugen. „Die schädlichen Substanzen aus dem Tabakrauch lagern sich auf den Oberflächen ab und sind auch dann noch im Auto vorhanden, wenn im Fahrzeug aktuell nicht geraucht wir“, schreiben die Experten in einer Publikation und warnen insgesamt vor schwerwiegenden Folgen durch das Rauchen im Auto, wenn Kinder mitfahren.
So können die Heranwachsende etwa Lungenschädigungen davon tragen, auch Atemwegsbeschwerden und Atemwegserkrankungen sowie eine beeinträchtigte Lungenfunktion haben die Forscher beobachtet. (Passiv-)Rauchen in der Schwangerschaft führt zudem häufiger zu Komplikationen wie Fehl-, Früh- und Totgeburten, einer Gewichtsverringerung und Verkleinerung des Körpers und Kopfes der Neugeborenen und ist ein Risikofaktor für plötzlichen Kindstod bei Säuglingen, heißt es.
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Was sagen Experten zu dem Vorstoß?
Die Bundesärztekammer hält ein Rauchverbot im Auto bei mitfahrenden Kindern für überfällig. Passivrauchen schade der Gesundheit massiv, sagte Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt dieser Redaktion. „Das gilt insbesondere für Ungeborene, Kinder und Jugendliche. Es sollte selbstverständlich sein, in ihrer Gegenwart nicht zu rauchen. Wo diese Einsicht fehlt, muss der Staat eingreifen.“
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Auch die Vorstandsvorsitzende der Krankenkasse AOK, Carola Reimann, sprach sich für gesetzliche Einschränkungen aus – für die „wenigen Unbelehrbaren“. „Wir müssen die besonders vulnerablen Gruppen der Kinder und Schwangeren vor den Gefahren des Passivrauchens schützen. Es ist unverständlich, dass eine solche Maßnahme nicht schon längst umgesetzt worden ist, denn die Gefahren für Kinder und Schwangere sind lange bekannt“, sagte Reimann unserer Redaktion.
Zurückhaltend äußerte sich die Gewerkschaft der Polizei (GdP): „Ein Rauchverbot im Auto wirkt nur, wenn es intensiv durch die Polizei kontrolliert wird. Solche Kontrollen könnten im Polizeialltag gut erfolgen, wenn wir endlich mehr Polizei auf der Straße hätten. Also bestimmt die Politik selbst, was aus diesem Verbot wird“, sagte der GdP-Bundesvorsitzende Jochen Kopelke dieser Redaktion.
Wie reagiert die Bundespolitik?
Da gibt es unterschiedliche Stimmen. Die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag, Simone Borchardt, hält ein Rauchverbot im Auto, wenn Kinder oder Schwangere mitfahren, für zu kurz gegriffen. Entscheidend sei eine ganzheitliche und systematische Strategie. „Im Mittelpunkt muss die Prävention stehen: Wir müssen verhindern, dass Menschen überhaupt mit dem Rauchen beginnen und gleichzeitig allen, die aussteigen wollen, bessere Unterstützung bieten. Nur so lässt sich die Belastung von Kindern, Schwangeren und Familien wirksam und nachhaltig reduzieren“, so die CDU-Politikerin gegenüber dieser Redaktion.

„Ein ausschließliches Verbot im Auto wäre ein Placebo, denn die Realität zeigt: Viele Kinder sind auch zu Hause oder in anderen sozialen Umfeldern Tabakrauch ausgesetzt“, erklärte Borchardt weiter. Ziel müsse daher sein, den Tabakkonsum insgesamt einzudämmen. Das gehe nur mit Aufklärung, konsequenter Präventionsarbeit und wirksamen Hilfen für den Rauchstopp. „Gesundheitspolitik darf nicht bei symbolischen Einzelmaßnahmen stehenbleiben, sondern muss das gesamte System im Blick behalten“, sagte die Gesundheitspolitikerin.
Zuspruch zu der Bundesratsinitiative kam hingegen von Janosch Dahmen, dem gesundheitspolitischer Sprecher der Grünen. Er sprach sich für ein gesetzliches Verbot aus. „Es ist Aufgabe des Staates, gerade diejenigen zu schützen, die sich selbst nicht schützen können. Darum halte ich ein Rauchverbot in Autos, wenn Kinder oder Schwangere mitfahren, für einen selbstverständlichen und leider notwendigen Schritt“, sagte er dieser Redaktion.












