Die Sorge vor einem Krieg in Europa wächst: Laut Nato-Informationen soll Russland bereits ab 2029 zu einem Angriff fähig sein. Auch wenn Moskau derartige Pläne bestreitet, sorgen Vorfälle wie der Abschuss russischer Drohnen in Polen bei vielen Menschen in Deutschland für Verunsicherung. Für manche heißt das: vorsorgen – so gut es eben geht.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Und genau hier setzt der Discounter Norma an. Neben Wein, Autoshampoo und Küchengeräten findet sich im Webshop der Kette seit Kurzem auch ein Pop-up-Panikraum. Den eigenen Bunker fürs Wohnzimmer gibt es ab 12.000 Euro, zuzüglich rund 1.000 Euro Versand.

„Der ‚Pop Up‘ Panik Raum ist ein modulares Bausystem. Er erhielt seinen Namen durch das einfache auf und abbauen“, heißt es im Webshop. Kundinnen und Kunden können zwischen zwei Materialvarianten wählen, darunter eine preisgünstige Ausführung aus S350-Stahl. Gegen Aufpreis sei auch eine Version aus Panzerstahl (ARMOX440T) verfügbar, die nach Angaben des Herstellers Schutz gegen Beschuss von Handfeuerwaffen – von 9‑mm‑Kaliber bis .44 Magnum – bieten soll.

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Der Panikraum ist laut Webseite sechsfach verschließbar, mit Stahlriegelsicherung und optionaler Trockentoilette. Zwei verschweißte Luftschächte auf der Rückseite versorgen laut Hersteller den Raum mit Sauerstoff, sind aber so gesichert, dass von außen kein Angreifer hineinlangen kann. Im Notfall soll der Raum sogar vollständig von innen demontiert werden können.

PopUp Panikraum BS226
Den „PopUp Panikraum“ aus Stahl gibt es im Online-Shop vom Discounter Norma zu kaufen. © Norma24 | PR

Norma erklärt die Aufnahme des Panikraums ins Sortiment mit einem gestiegenen Sicherheitsbewusstsein der Kundinnen und Kunden: „In den vergangenen Monaten haben wir aufgrund der politischen Weltlage ein gesteigertes Interesse an dem Thema Sicherheit und ein gestiegenes Bewusstsein für den Selbstschutz festgestellt, was sich nun in der Auswahl neuer Artikel bei NORMA24 niederschlägt.“

Vorbereiten für den Ernstfall: Nachfrage nach Schutzräumen steigt

Auf der Webseite wird als Vertriebspartner die Berliner Firma BSSD Defence angegeben, die sich auf den Bau von Bunkern und Schutzräumen spezialisiert hat. „Unser Vertriebspartner, der die Produkte im Onlineshop anbietet, sprach von einer deutlich steigenden Nachfrage, weshalb er nach weiteren Vertriebskanälen gesucht hat“, sagte eine Sprecherin von Norma. Daraus sei die Kooperation mit NORMA24 entstanden. „Zur Nachfrage können wir noch kein abschließendes Fazit ziehen“, sagte die Sprecherin weiter.

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BSSD Defence selbst gab an, dass seit Januar die Zahl der Anfragen um 50 Prozent gestiegen sei. Der Technische Leiter, Mario Piejde, erklärte gegenüber der „Bild“-Zeitung, dass sich auch Vermieter nach Schutzräumen für ihre Mieter erkundigen würden. Vor allem seit dem Eindringen russischer Drohnen in den polnischen Luftraum gebe es viele Anfragen.

Schutzräume in Deutschland: Nationales Sicherheitskonzept in Arbeit

Die wachsende Nachfrage könnte auch mit der Versorgungslage in Deutschland zusammenhängen: Öffentliche Schutzräume und Bunker sind hierzulande kaum vorhanden. Jahrelang wurden Anlagen umgewidmet oder zurückgebaut. Heute zählt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) noch 579 Bunker und Schutzanlagen. Im Ernstfall könnten darin rund 480.000 Menschen Schutz finden. Das sind lediglich knapp 0,6 Prozent der deutschen Bevölkerung. Allerdings sind die meisten dieser Schutzanlagen derzeit nur sehr begrenzt nutzbar.

Deswegen verweist das BBK auch auf den privaten Schutz: „Informationsprodukte zu Schutzmöglichkeiten oder zu einfach umzusetzenden Maßnahmen, mit denen private Kellerräume zu schutzbietenden Räumen hergerichtet werden können, werden noch in diesem Jahr vom BBK veröffentlicht“, heißt es auf Anfrage.

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Gleichzeitig erarbeitet das Amt aktuell ein nationales Schutzraumkonzept. Geplant ist unter anderem, öffentliche Gebäude und private Immobilien zu erfassen, die als Zufluchtsorte dienen könnten – etwa Tiefgaragen, U-Bahnhöfe oder Kellerräume. Auf Grundlage dieser Daten soll ein digitales Verzeichnis entstehen, über das Bürgerinnen und Bürger künftig zum Beispiel per App die nächstgelegenen Schutzorte finden können.

Gleichzeitig würden Erfahrungen aus der Ukraine zeigen, dass es notwendig sein kann, dass Bürgerinnen und Bürger über Stunden in öffentlichen Zufluchtsorten aufhalten müssen. Um dies zu ermöglichen, arbeitet das BBK derzeit daran, die Ausstattung solcher Orte festzulegen. „Konkret geht es um einfache, mobile Ausstattungen wie Feldbetten, mobile sanitäre Anlagen sowie die Bereitstellung von Wasser und Lebensmitteln, die einen Aufenthalt in den Zufluchtsorten auch über mehrere Stunden hinaus ermöglichen sollen“, so die Behörde. Das abschließende Schutzkonzept soll Ende des Jahres veröffentlicht werden.