Als das US-Heimatschutzministerium (DHS) in dieser Woche den neuen Zwischenstand bei Donald Trumps wichtigstem innenpolitischen Projekt veröffentlichte, wurden sein bulliges Gesicht und der chronisch markige Ton auf den US-Bildschirmen vermisst. Tom Homan, als „Grenz-Zar“ der informelle Kopf der nach seinen Worten „größten Abschiebungsaktion in der Geschichte Amerikas“, verzichtete darauf, die Zahlen zu erläutern, die je nach Sichtweise für oder gegen den 63-Jährigen sprechen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Danach haben die Vereinigten Staaten, genauer: die Beamten der Einwanderungs- und Zollbehörde ICE, seit Trumps Amtsantritt am 20. Januar rund 400.000 illegale Einwanderer außer Landes geschafft; was deutlich unter der präsidialen Vorgabe von einer Million liegt. Weil sich zudem aber rund 1,6 Millionen Personen „selbst ausgewiesen haben“, sprich: eigenständig ausgereist sind, so DHS-Vize Tricia McLaughlin, hält sich das Grollen im Weißen Haus über das stockende und in der Bevölkerung zunehmend kritischer gesehene Projekt der massenhaften Rückführung von Menschen, die einst ohne Papiere über die Grenze in die USA gekommen waren, vorläufig in Grenzen.
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Donald Trump drückt für Homan gerne mal ein Auge zu
Aber das ist nicht der wahre Grund, warum sich Homan bis auf seine Standardvisiten bei dem für ihn pflegeleichten Sender Fox News, gerade etwas rar macht und allenfalls den jüngsten tödlichen Anschlag eines 29-jährigen Scharfschützen auf ein ICE-Abschiebegefängnis in Dallas verurteilt. Der aus einer Polizisten-Familie aus West Carthage im Bundesstaat New York nahe der kanadischen Grenze stammende Homan, der seit der Gründung von ICE 2003 dabei ist, ist in einen Skandal verwickelt, der nach Ansicht von Trump-Kritikern symptomatisch für ein bedenkliches Phänomen steht.
Seinen Gegnern, demnächst etwa Ex-FBI-Chef James Comey, hetze Trump unbarmherzig den Justizapparat auf den Hals und verlange öffentlich Strafverfolgung. Bei Weggefährten, dazu zählt Homan, der in der ersten Präsidentschaft des Republikaners verantwortlich zeichnete für die weltweit auf Empörung gestoßene Trennung von Flüchtlingskindern von ihren Asyl-suchenden Eltern, würden dagegen beide Augen zugedrückt.

Das kam so: Nach bestätigten Recherchen des Senders MSNBC hat Homan im vergangenen Jahr bei einem Treffen mit Undercover-FBI-Agenten in Texas, die sich als Geschäftsleute ausgaben, in der Tüte der Schnellimbiss-Kette Cava 50.000 Dollar in bar erhalten. Er versprach seinen Gönnern, sich nach der Wiederwahl Trumps für lukrative Regierungsaufträge in der Sparte Einwanderung einzusetzen. Der Deal in Texas ist wasserdicht dokumentiert, es gibt Aufnahmen in Ton und Bild, bestätigen US-Medien.
USA: Ex-Präsident Biden ließ gegen Homan ermitteln
Deshalb leitete das damals noch vom demokratischen Präsidenten Joe Biden verantwortete Justizministerium im August offizielle Ermittlungen ein. Dann kam die Wahl, der zweite Sieg Trumps und alles war plötzlich anders. Homan wurde intern de facto freigesprochen. Kash Patel, der neue FBI-Chef, und Todd Blanche, einst Trumps Privatanwalt und heute die Nr. 2 im Justizministerium, erklärten, es gebe „keine glaubwürdigen Beweise für kriminelles Fehlverhalten“. Vielmehr habe die Biden-Regierung einem Trump-Verbündeten am Zeug flicken wollen. Eine Sprecherin Trumps lobte Homan als „Karriere-Strafverfolgungsbeamter, der im Namen von Präsident Trump und dem Land hervorragende Arbeit leistet“. Also Deckel drauf.
News aus den USA
Nicht ganz. Die aktuelle Medienwelle hat die Demokraten auf den Plan gerufen. Sie verlangen Einsicht in die Ermittlungsakten und sprechen von mafiösen Methoden. Insider wissen, dass Homan nach der Abwahl Trumps 2020 ein Beratungsunternehmen führte. Dabei erhielt er zwischen 100.000 und 150.000 Dollar dafür, dass er sich in Texas für Fisher Industries einsetzte, ein Bauunternehmen, das später Aufträge im Volumen von 225 Millionen Dollar für die Errichtung eines Abschnitts der Grenzmauer erhielt. Von Fox News auf die Vorwürfe angesprochen, ging Homan nicht auf den 50.000-Dollar-Bakschisch ein: „Ich habe nichts Kriminelles oder Illegales getan. Ich verdiene ungefähr 18 Prozent von dem, was ich früher mit meiner Firma hatte, um zurückzukommen und meinem Land zu dienen. Ich bringe Opfer.”
Homan zeigte sich von Trumps Rhetorik beeindruckt
Lieber gibt Homan den Anti-Einwanderungs-Falken, der bis Barack Obama lange unter demokratischen Präsidenten arbeitete, 2016 aber den Gedanken nicht ertragen konnte, dass Hillary Clinton ins Oval Office einziehen könnte. Trumps damaliger Heimatschutzminister John Kelly holte ihn 2017 mit dem Angebot, die ICE-Spitze zu übernehmen, zurück. Homan war beeindruckt von der rhetorischen Null-Toleranz-Strategie Trumps, was die Sicherung der Südgrenze und die Deportation von Millionen illegalen Einwanderern anbelangt. In der zweiten Präsidentschaft Trumps obliegt es Homan, das zunehmend kritisierte Verhalten der bis 2028 mit zusätzlichen 75 Milliarden Dollar ausgestatteten Behörde zu verteidigen.
Dass Amerika beinahe täglich mit Bildern von meist maskierten Beamten in taktischer Ausrüstung überschwemmt wird, die Kinder, junge Menschen und Alte auf Straßen in Wohngebieten, am Arbeitsplatz, vor Schulen, Kirchen, Gerichtsgebäuden und in Sportstadien mit Handschellen fesseln und teilweise rabiat abführen, sei hinzunehmen, sagt Homan ungerührt: „Sie sind illegal hier und haben sich strafbar gemacht. Sie gehen nach Hause.” Homans Problem: Das Weiße Haus fordert die tägliche Festnahme von 3000 Illegalen. Bisher kommen die ICE-Fahnder im Schnitt auf nicht mehr als 750.











