„Wölfe greifen keine erwachsenen Menschen an, sie sind nur neugierig“, schreibt Jens Reichardt. „Ging über hundert Jahre auch ohne Wolf ganz gut...“, hält Ralf Rutz dagegen. - Der Bericht über die Wolfsattacken gegen einen Wanderer und einen Förster Mitte des Monats in Südthüringen polarisiert die Nutzer der Internet-Plattform Facebook. Man ist für den Wolf – oder gegen ihn, eine Grauzone gibt es kaum.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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„Der Wolf hat mehr Angst vor dem Menschen als andersrum. Hört auf, das Märchen vom bösen Wolf zu erzählen. Wir nehmen ihm den Lebensraum immer mehr weg, dringen in Wälder und Felder vor, erbauen und bauen an und wundern uns dann, wenn der Wolf zu Besuch kommt“, argumentiert Sandra Friedrich.

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Zustimmung bekommt sie von Jörg Schönfelder: „Mit welchem Recht kann der Mensch der Natur aufzwingen, alles nach seinen Wünschen zu regeln! Wölfe gehören genauso respektiert, wie auch Bären und Luchse. Alle Tiere sind seit Tausenden von Jahren in ein ökologisches System integriert und müssen so akzeptiert werden.“

Hendrik Scherf gibt zu bedenken: „Wölfe sind sicher tolle Tiere. Von mir aus können die auch gerne die großen Muffelherden hier bei uns dezimieren. Jedoch gehen unsere Kinder mitunter zum Spielen in den Wald. Und da hätte ich dann schon Bedenken, ob sich ein Wolfsrudel da immer unter Kontrolle hat. Schwierige Situation, aber im Zweifelsfall gegen den Wolf. Deutschland ist halt kein Yellowstone Nationalpark, weil das Argument immer wieder genannt wird.“

Verlust des Leitwolfs verunsichert das Rudel

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Dennoch fordert der Nabu Thüringen einen sachlichen Umgang mit der Situation. Durch den vermuteten Verlust des Leitwolfs durch illegalen Abschuss sei das Rudel verunsichert. „Die Tiere gehen dann auch Risiken ein, um zu überleben“, erklärt Silvester Tamás. „Was es jetzt braucht, ist eine genaue Untersuchung der Vorfälle.“

Mitte September kam es zu den Attacken in Südthüringen: Erst näherten sich einem Revierleiter, dann einem Wanderer mehrere Wölfe, teilweise in Formation, teilweise bis auf wenige Meter – mit gefletschten Zähnen und bedrohlichem Knurren. Erst als sich das Rudel dem Wanderer auf sieben Meter genähert hatte, konnte er es durch Steinwürfe vertreiben. „Dieses Verhalten ist als Aggression mit Angriffspotential zu werten“, urteilte das Thüringer Kompetenzzentrum Wolf – Biber – Luchs.

Gummigeschosse gegen furchtlose Wölfe

„Wölfe, die ihre Scheu verlieren und Menschen bedrohen oder gar angreifen, sollten entnommen werden“, erklärt Joachim Ackermann. „Das ist kein normales Verhalten. Ein normales Tier meidet die Nähe zum Menschen.“

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Während das Kompetenzzentrum mit der Vorbereitung von Vergrämungsmaßnahmen begonnen hat, etwa den Einsatz von Gummigeschossen, um bestimmte Tiere an größeren Abstand zu gewöhnen, plädiert der Thüringer Landesjagdverband für die Aufnahme des Wolfs in das Bundesjagdgesetz. „Die notwendige Distanz zwischen Menschen und Wölfen kann nur auf zwei Wegen wiederhergestellt werden: Entweder der Mensch verlässt den Lebensraum des Wolfes – oder der Wolf lernt, den Menschen erneut zu respektieren“, so Präsident Ludwig Gunstheimer.

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Auch Facebook-Nutzer Johannes Lück warnt: „Der Wolf ist ein Raubtier und nicht so süß, wie hier alle glauben wollen.“

Selbst das Kompetenzzentrum warnt: „Sollten Sie einen Wolf sehen, verhalten Sie sich ruhig. Halten Sie Abstand, rennen Sie nicht davon. Wenn es gefährlich wird, alarmieren Sie die Polizei.“

Veit Fichtmüller erklärt kategorisch: „Wölfe haben hier nichts zu suchen.“