Im Gazastreifen sind am Montag 20 noch lebende Geiseln der Hamas an das Internationale Komitee des Roten Kreuzes übergeben worden. Darunter sind auch Männer und Frauen, die neben der israelischen eine deutsche Staatsbürgerschaft besitzen. Vier von ihnen konnten Gaza lebend verlassen. Wer sind die Freigelassenen? Wie geht es ihnen jetzt?
Gali und Ziv Berman, 28 Jahre alt
Die deutschstämmigen Zwillingsbrüder wurden von ihrem Zuhause im Kibbuz Kfar Aza verschleppt, ebenso wie ihre enge Freundin und Nachbarin Emily Damari, die später freikam. Wie aus einem Gesundheitsdossier über den Zustand der Geiseln hervorging, sollen die 28-Jährigen körperlich und seelisch in einem äußerst schlechten Zustand sein. Auf den ersten Bildern, die am Montag veröffentlicht wurden, lächeln beide im Gespräch mit israelischen Militär-Angehörigen. Von den Strapazen der Geiselhaft ist ihnen auf den ersten Blick nichts anzusehen. Sie hatten die Gefangenschaft an unterschiedlichen Orten verbringen müssen. Sie werden nun medizinisch untersucht und bekommen psychologische Hilfe, um ihr Trauma zu bewältigen.

Aktuelle News aus dem Nahen Osten
Rom Braslavski, 21 Jahre alt
Der Soldat Rom Braslavski lebte in Jerusalem und arbeitete an seinen freien Tagen als Sicherheitsmitarbeiter beim Nova-Musikfestival, als er am 7. Oktober vom „Palästinensischen Islamistischen Dschihad“ nach Gaza entführt wurde. Zuvor hatte er stundenlang anderen Festival-Besuchern bei der Flucht geholfen. In einem Video, das im August auftauchte, sah Braslavski abgemagert aus. Er sagte, er könne weder stehen noch gehen. Es gebe kein Wasser und kein Essen mehr. „Ich kann nicht atmen, ich kann nicht leben“, sagte er. Seine Eltern hatten massive Kritik an der Ausweitung der israelischen Militäroffensive in Gaza geübt. Sie würden die Geiseln „opfern“, hatte Roms Vater Omir gesagt.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Kurz vor seiner Freilassung meldet er sich per Video-Anruf bei seiner Familie: der Kopf geschoren, die Augen eingefallen. Neben ihm ein vermummter Hamas-Mann.

Alon Ohel, 24 Jahre alt
Der Pianist wurde bei dem Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023 in der Nähe des Nova-Musikfestivals verschleppt. Seine Großmutter stammt aus Berlin und hat den Holocaust überlebt. Neben der deutschen und der israelischen besitzt Alon Ohel auch die serbische Staatsbürgerschaft. Vor wenigen Wochen hatten die Terroristen ein Video veröffentlicht, in dem Ohel mit einem erblindeten rechten Auge zu sehen war. Von freigelassenen Geiseln wusste man, dass Ohel in Isolation festgehalten wurde. Er pfeife trotz seines Zustandes immer noch vor sich hin und spiele Luft-Piano, um zu üben, hieß es. Seine Eltern Idit und Kobi Ohel machten sich große Sorgen um ihren Sohn. In den USA und in Deutschland trafen sie sich mit Diplomaten, um den Druck für die Freilassung der Geiseln aufrechtzuerhalten.

Nun ist Alon tatsächlich frei – nach 738 Tagen. Ein Foto zeigt ihn zusammen mit seinen Eltern im Hubschrauber, auf dem Weg zum Krankenhaus, in dem der 24-Jährige behandelt werden soll. Alle drei tragen Lärmschutzkopfhörer. Alon hält ein handgeschriebenes Papier in die Kamera. „Mein Leidensweg ist vorbei, ich bin zu Hause.“ Er lächelt.








