Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer kann sich einen Wiedereintritt bei den Grünen vorstellen – unter einer Voraussetzung. „Es gibt Gründe, über die Rückkehr zu den Grünen nachzudenken“, sagte er im Podcast „Meine schwerste Entscheidung“ dieser Redaktion. Wenn, dann müsse es aber eine Situation geben, in der seine Meinungen zu Identitätspolitik toleriert würden.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Palmer ist einer der bekanntesten Kommunalpolitiker Deutschlands. Er nimmt kein Blatt vor den Mund – und von politisch allzu korrekter Sprache hält er schon gar nichts. Das ist ihm schon öfter zum Verhängnis geworden – vor allem bei den Grünen, die besonderen Wert darauflegen, wie man Dinge sagt. Seine Kritiker starteten ein Parteiausschlussverfahren, wenig später verließ er die Grünen.   

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#31 Boris Palmer über sein Ende bei den Grünen und den Rat seines Therapeuten
Meine schwerste Entscheidung
 

Den Parteiaustritt am 1. Mai 2023 beschreibt Palmer im Podcast als seine schwerste Entscheidung. Vorausgegangen war ein Parteiausschlussverfahren, bei dem Palmers Mitgliedschaft ruhend gestellt wurde. Dem Oberbürgermeister wurden rassistische Bemerkungen – etwa die Verwendung des N-Worts – vorgeworfen.

Seit er nicht mehr Mitglied bei den Grünen sei, „habe ich dieses ganze Theater nicht mehr“, so Palmer. „Also, ich kann die gleichen Dinge machen und sagen, ohne dass ständig jemand über mich herfällt.“ Der Abschied von den Grünen sei ihm schwergefallen, aber auch ein befreiender Akt gewesen – „und damit geht es mir heute ganz gut“. Gleichzeitig räumt Palmer ein, dass er seine alte Partei als Machtfaktor vermisse: „Wirkung zu entfalten, mehr für ökologische Themen zu erreichen, ist sicherlich mit den Grünen und in den Grünen leichter als außerhalb von den Grünen.“ Wenn es die Chance für eine Rückkehr gäbe, „dann fände ich das gut, darüber würde ich mich freuen, aber ich sehe es derzeit nicht“.

Palmer zu politisch korrekter Sprache: Das macht Leute kirre, das treibt sie zur AfD

Mit Blick auf die Lage seiner ehemaligen Parteikollegen äußerte sich Palmer solidarisch: Deutschland brauche eine ökologische Partei, daher schmerze es ihn, dass die Grünen derzeit nicht gut in den Umfragen stünden und die Regierungsbeteiligung im Bund nur drei Jahre gedauert habe. Zum Bruch zwischen ihm und seiner Partei sei es gekommen, als eine neue Generation bei den Grünen andere Prioritäten wie Gender- und Identitätspolitik gesetzt habe. Er halte die dahinterstehenden Theorien für kontraproduktiv.

Palmer besteht darauf, das N-Wort weiter zu verwenden. „Ich finde es problematisch, dass wir dieses Benutzen einzelner Worte moralisieren. Das macht Leute kirre, das treibt sie zur AfD, das macht sie wütend“, sagte er in dem Podcast. Es gebe keinen Grund, einzelne Wörter zu tilgen. „Und schon gar nicht zu behaupten, dieses eine einzige Wort - über das wir jetzt natürlich nicht reden - sei schlimmer als Hitler oder Holocaust. Warum denn eigentlich? Da sagen wir doch auch nicht H-Wort. Das ist absurd.“

Alle Folgen auf einen Blick

Palmer spricht im Podcast aber auch über die Wochen und Monate nach dem Austritt – und seinen Versuch, mit Hilfe eines Coachs die eigenen Impulse besser zu kontrollieren. Impulse, die er schon von seinem Vater kannte – einem schwäbischen Freiheitskämpfer in eigener Sache.

Den Podcast „Meine schwerste Entscheidung“ können Sie hier hören und auf allen gängigen Streaming-Plattformen wie Spotify, Apple Podcast und Amazon Music. Neue Folgen erscheinen jeden zweiten Donnerstag.