Alex Kleytman überlebte den Holocaust. Er entkam dem größten Völkermord der Geschichte, baute sich ein neues Leben auf, gründete eine Familie und erlebte, wie seine Kinder und Enkelkinder aufwuchsen. Doch am Sonntag, im Alter von 87 Jahren, wurde der gebürtige Ukrainer bei einem Schusswaffen-Angriff am Bondi Beach in Sydney (Australien) getötet – während er seine Frau Larissa mit seinem Körper vor den Kugeln des Angreifers schützte.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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„Ich habe keinen Ehemann mehr. Ich weiß nicht, wo sein Körper ist. Niemand kann mir eine Antwort geben“, zitierte die lokale Tageszeitung „Sydney Morning Herald“ die verzweifelte Witwe vor dem St. Vincent‘s Hospital in Sydney. Alex Kleytman hinterlässt neben seiner Frau zwei Kinder und elf Enkelkinder.

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Terror am Bondi Beach in Sydney: Opfer zwischen zehn und 87 Jahren

Das Ehepaar hatte am Sonntagabend die Chanukka-Feier „Chanukka by the Sea“ am berühmten Bondi Beach besucht, eine jährliche Veranstaltung der jüdischen Chabad-Bewegung. Was als fröhliches Fest des Lichts begann, endete in einer Tragödie unvorstellbaren Ausmaßes. Ein 50-jähriger Schütze und sein 24-jähriger Sohn eröffneten das Feuer auf die Menschenmenge und töteten 15 Menschen, bevor der Vater selbst erschossen wurde. 38 weitere Personen befinden sich weiterhin in medizinischer Behandlung. Zwei Opfer erlagen ihren Verletzungen erst am frühen Montagmorgen (Ortszeit) in Sydneyer Krankenhäusern.

BONDI BEACH SHOOTING, Larissa Kleytman, the wife of victim Alex Kleytman, leaves St. Vincent™s Hospital following a shoo
Sie überlebte, weil ihr Mann sie beschützte: Alexa Kleytman, die Frau von Alex.© IMAGO/AAP | DEAN LEWINS

„Das Alter der Opfer reicht von zehn bis 87 Jahren“, erklärte der Premierminister von New South Wales, Chris Minns, am Montag. Unter den Toten befinden sich Menschen unterschiedlichster Herkunft, die alle eines gemeinsam hatten: Sie wollten am Strand ein jüdisches Fest feiern.

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Rabbiner unter den Toten

Besonders tragisch ist der Tod des 41-jährigen Eli Schlanger, eines Hilfsrabbiners bei Chabad of Bondi. Der aus Großbritannien stammende Vater von fünf Kindern, das jüngste noch ein Baby, war einer der Organisatoren der Veranstaltung. Erst im vergangenen Jahr hatte er in einem Video gezeigt, wie er während Chanukka mit Freude und Trotz tanzte – als Antwort auf den wachsenden Antisemitismus. „Wie kann ein fröhlicher Rabbiner, der an einen Strand ging, um Freude und Licht zu verbreiten, auf diese Weise sein Leben verlieren?“, zitiert die „Jewish News“ seinen fassungslosen Cousin, Rabbiner Zalman Lewis.

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Auch der junge Franzose Dan Elkayam, Ende 20, verlor sein Leben. Der IT-Analyst hatte mehrere Jahre in Australien gelebt und war ein beliebtes Mitglied seines Fußballvereins in Rockdale. Der französische Präsident Emmanuel Macron drückte sein Beileid aus.

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Attacke am Bondi Beach: Junges Mädchen stirbt im Krankenhaus

Das jüngste Opfer war die zehnjährige Matilda, die ihren Schussverletzungen im Krankenhaus erlag. Ihre Sprachlehrerin beschrieb sie als „helles, fröhliches und lebhaftes Kind, das allen um sie herum Licht brachte“.

Weitere Opfer sind der Geschäftsmann Reuven Morrison, der in Sydney seine jüdische Identität entdeckt hatte, und der ehemalige Polizist und Fotograf Peter Meagher, 60, der vermutlich bei einem beruflichen Auftrag am Strand war.

Rabbiner Yehoram Ulman, der Schwiegervater von Eli Schlanger, rief die jüdische Gemeinde in einer bewegenden Ansprache dazu auf, nicht die Hoffnung zu verlieren: „Viele Menschen wollen uns niederbringen, uns zerstören, uns entmutigen.“ Aber das sei nicht das, was die Verstorbenen gewollt hätten. „Wir müssen jetzt aufstehen. Sie schauen auf uns.“