Es ist eine dieser Nachrichtenlagen, bei der auch hartgesottene Reporter unruhig werden. „The Age of Disclosure“, ein neuer Dokumentarfilm, sorgt derzeit für internationales Aufsehen. Kein UFO-B-Movie. Keine Verschwörungstheorie im Hobbykeller-Stil, sondern ein Film, der mit ernsthafter Tonlage, prominenten Stimmen und erstaunlichen Aussagen die Debatte um sogenannte UAPs (Unidentified Anomalous Phenomena) – früher als UFOs bezeichnet – auf ein neues Niveau hebt. 

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Im Zentrum steht eine Frage, die bislang den Bereich von Science-Fiction und Popkultur kaum verlassen hat: Sind wir allein im Universum? Und wenn nicht: Was weiß die US-Regierung über unsere möglichen Mitbewohner im All? Und noch was: Wird sie ihr Wissen schon bald mit der Menschheit teilen?

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Außerirdische? US-Außenminister Marco Rubio: „Wissen nicht, was diese Objekte sind“

Der Film liefert Aussagen, die lange Zeit undenkbar schienen. Ex-Geheimdienstmitarbeiter, ehemalige Piloten, Kongressabgeordnete und sogar aktive Regierungsmitglieder melden sich darin zu Wort – mit Namen, Gesicht und Haltung. Darunter: US-Außenminister Marco Rubio, zur Zeit der Dreharbeiten noch Senator. „Es gibt Informationen, die nicht öffentlich zugänglich sind, aber sehr ernst genommen werden müssen“, sagt er. Und: „Wir wissen nicht, was diese Objekte sind. Aber wir wissen, dass sie existieren.“

Im Zentrum steht der Vorwurf: Seit Jahrzehnten sollen streng geheime Spezial-Teams innerhalb der US-Regierung Trümmer und sogar biologisches Material von abgestürzten UAPs geborgen haben. Ziel: „reverse engineering“ – das Nachbauen fremder Technologien, bevor es globale Rivalen wie China oder Russland tun.

US-Außenminister Marco Rubio
Der heutige US-Außenminister Marco Rubio sagt im Film den Satz: „Wir wissen nicht, was diese Objekte sind. Aber wir wissen, dass sie existieren.“© Mark Schiefelbein/AP/dpa | Mark Schiefelbein

„Area 51“: Gibt es hier nicht-menschliche biologische Materialien?

Bestätigt wurde dies unter anderem durch Aussagen von David Grusch, einem hochrangigen Geheimdienstveteranen, der im Auftrag des Verteidigungsministeriums tätig war. In einer Anhörung vor dem US-Kongress sagte Grusch unter Eid, dass die US-Regierung „nicht-menschliche biologische Materialien“ sowie vollständig intakte „exotische Fahrzeuge“ besitzt. „Diese Programme existieren im Schatten, abgekapselt vom demokratischen Kontrollprozess“, so Grusch.

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Laut Grusch und weiteren Whistleblowern wie Luis Elizondo, früher Leiter des Pentagon-Programms AATIP (Advanced Aerospace Threat Identification Program), seien diese Objekte in militärischen Hochsicherheitszonen wie der „Area 51” in Nevada oder bei privaten Rüstungsunternehmen wie Lockheed Martin verwahrt worden. Auch die Wright-Patterson Air Force Base in Ohio spiele eine Rolle. Grusch sprach zudem davon, dass bei mindestens einem Absturz „nicht-menschliche Piloten“ geborgen worden seien. Einzelne Aussagen verweisen auf DNA-Proben und organisches Gewebe, das seit den 1940er-Jahren klassifiziert aufbewahrt werde.

Wird Donald Trump als erster Staatschef die Existenz von Außerirdischen bestätigen?

„Age of Disclosure“ stellt dabei nicht nur die technologischen Aspekte in den Mittelpunkt, sondern auch die politischen: Wer wird der erste Staatschef sein, der offiziell bestätigt, dass wir nicht allein sind im All? Einer der Interviewten sagt: „Es ist der vielleicht größte Moment der Menschheitsgeschichte, wenn ein Präsident ans Mikrofon tritt und sagt: Wir haben Besuch.“

Donald Trump könnte dieser Präsident sein – oder ist er es vielleicht schon? Der 79-Jährige ist seit gut einem Jahr erneut Präsident der Vereinigten Staaten. Und nie war die öffentliche Erwartung größer, dass eine Offenlegung bevorstehen könnte. Bereits im Wahlkampf hatte Trump angekündigt, „alle geheimen Akten zu UAPs offenzulegen – soweit möglich“. In seiner zweiten Amtszeit hat er das „Office for UAP Transparency“ im Weißen Haus geschaffen. Die Einrichtung soll „dem amerikanischen Volk reinen Wein einschenken“, so Trump.

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Luis Elizondo ist eine der prominentesten Stimmen im Außerirdischen-Kontext. Er leitete früher ein geheimes Forschungsprogramm im Pentagon.© picture alliance / Everett Collection | ©History Channel / Courtesy Everett Collection

Trump: „Ich habe Dinge gesehen, die wirklich außergewöhnlich sind“

In einem Interview mit Fox News im Herbst sagte Trump: „Die Leute haben ein Recht zu wissen, was über ihren Köpfen passiert. Ich habe Dinge gesehen, die wirklich außergewöhnlich sind.“ Auf die Frage, ob es sich um außerirdische Technologie handle, antwortete er: „Sagen wir so – kein Mensch, den ich kenne, hat das gebaut.“

Doch es gibt auch Widerspruch. Neil deGrasse Tyson, einer der bekanntesten Astrophysiker der USA, hält das gesamte Alien-Narrativ für „modernen Mythos mit pseudowissenschaftlicher Tarnung“. Unterdessen glauben laut einer Umfrage des Pew Research Center von 2023 65 Prozent der US-Amerikaner, dass außerirdisches Leben existiert. 39 Prozent meinen, dass die Regierung außerirdisches Material tatsächlich besitzt. Über 70 Prozent wünschen sich mehr Transparenz.

Auch darum hat das Thema den Kongress erreicht. Der „UAP Disclosure Act“ verlangt die Übergabe aller relevanten Dokumente an das Nationalarchiv binnen 300 Tagen. „Wir reden hier nicht mehr über Spinner in Alufolie, sondern über nationale Sicherheitsfragen“, sagte der Republikaner Tim Burchett.

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    Tatsächlich wurden etwa bei mehreren dokumentierten UAP-Sichtungen US-Kampfflugzeuge in ihrer elektronischen Steuerung gestört. In einem Fall mussten Piloten ein Abfangmanöver abbrechen, weil ihre Systeme versagten. „Wenn da jemand Technologien besitzt, die unsere übersteigen, dann ist das ein sicherheitspolitischer Gamechanger“, so Burchett.

    Was bedeutet das alles geopolitisch? Die Konsequenzen wären epochal. Ein offizielles Eingeständnis, dass nichtmenschliche Intelligenz unsere Erde besucht (hat), würde nicht nur Wissenschaft und Religion erschüttern. Es wäre auch ein militärisches Schachbrett-Problem: Was passiert, wenn China oder Russland zuerst Kontakt aufnehmen? Wer kontrolliert den Zugang zu fremder Technologie? Wer entscheidet, ob daraus Waffen oder Wohltaten werden? Beide Staaten haben laut David Grusch Kenntnis davon, dass die USA über außerirdische Artefakte verfügen.

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    In Washington gibt es Stimmen, die fordern, dass eine solche Offenbarung nur international abgestimmt erfolgen dürfe. Andere sehen darin eine neue Form von geopolitischem Wettstreit. „Wer den Erstkontakt führt, schreibt Geschichte. Und vielleicht auch die Zukunft der Menschheit“, sagt die Politikwissenschaftlerin Laura McCarthy von der Georgetown University.

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    1977 kam Steven Spielbergs Science-Fiction-Epos „Close Encounters Of The Third Kind“ in die Kinos. Heute wird anders über das Thema geredet.© picture alliance / Columbia/AF Archive/Mary Evans | AF Archive

    Und dann wäre da noch die Frage nach dem kollektiven Bewusstsein. Was passiert, wenn die Menschheit begreift, dass sie nicht allein ist? Werden wir ängstlich, vereint oder gleichgültig reagieren? Werden Ideologien überwunden oder verhärtet? „Wenn Trump der Präsident wäre, der diese Nachricht überbringt“, sagt der UFO-Forscher Richard Dolan, „dann könnte er sich nicht nur als politischer Leader, sondern als historische Figur der gesamten Menschheit inszenieren.“

    Eine solche Veröffentlichung, sagen Experten, könnte alles verändern: den Blick auf unser Selbstverständnis, unsere Religionen, unsere Systeme von Macht und Wissen. „Disclosure ist kein Science-Fiction-Spektakel mehr“, sagte Luis Elizondo kürzlich auf einem Sicherheitsforum in Virginia, „es ist eine Frage der strategischen, kulturellen und moralischen Reife“. Ob Trump diesen Schritt wagt? Offen, aber nicht auszuschließen. Das nächste Mikrofon, das im Weißen Haus eingeschaltet wird, könnte Geschichte schreiben.