Die Türkei hat im ostafrikanischen Somalia mit dem Bau eines Weltraumbahnhofs begonnen. Damit nehmen die ehrgeizigen Raumfahrtpläne von Präsident Recep Tayyip Erdogan konkrete Formen an. Er will eine Sonde zum Mond schicken. Zugleich vergrößert die Türkei mit dem Projekt ihren geopolitischen Fußabdruck in Afrika.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Der erste Bauabschnitt für den Raumfahrtbahnhof habe begonnen, bestätigte der türkische Industrie- und Technologieminister Fatih Kacir in dieser Woche gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu. Auch Präsident Erdogan erwähnte das Vorhaben am Dienstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem somalischen Präsidenten Hassan Sheikh Mohamud in Ankara.

Türkei baut Weltraumbahnhof und investiert massiv in Raumfahrt

Somalia ist aufgrund seiner Nähe zum Äquator geografisch günstig für Raketenstarts gelegen. Für das Projekt hat die somalische Regierung der Türkei ein rund 900 Quadratkilometer großes Gelände an der Küste des Indischen Ozeans zur Verfügung gestellt. Dort will die Raumfahrtagentur TUA ab 2027 kommerzielle Raketenstarts durchführen.

Bereits in diesem Jahr wird die Türkei Gastgeber des 77. Internationalen Astronautischen Kongresses (IAC) sein, eines der weltweit wichtigsten Treffen der Raumfahrtbranche. Mehr als 10.000 Fachleute und rund 50 Astronauten werden zu der Veranstaltung in Antalya erwartet – ein weiterer Meilenstein in der Raumfahrtstrategie des Landes.

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Für Erdogan ist Raumfahrt eine Frage des Nationalstolzes

Für Erdogan ist die Raumfahrt eine Frage des Nationalstolzes. „Wir wollen die Türkei in die Oberliga des globalen Weltraumrennens bringen“, sagte er 2021 bei der Vorstellung des nationalen Raumfahrtprogramms. Damals kündigte er für 2023 den „ersten Kontakt mit dem Mond“ an – die harte Landung einer unbemannten Sonde. Dazu kam es bislang nicht. Jetzt ist von 2027 die Rede.

Im Rahmen des Programms flog 2024 Alper Gezeravci als erster türkischer Astronaut zur Internationalen Raumstation ISS, mit einer Rakete des Unternehmens SpaceX von Elon Musk. Erdogan schrieb in den sozialen Medien: „Sei stolz, Türkei!“

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Türkei: Weltraumbahnhof in Somalia hat militärische Dimension

Mit dem Raumfahrtzentrum an der somalischen Küste will die Türkei künftig Satelliten in den Orbit bringen, ohne auf ausländische Trägersysteme angewiesen zu sein. Unternehmen wie Türksat, Turkish Aerospace, Aselsan, Profen und Fergani Space entwickeln und bauen bereits eigene Kommunikations-, Erdbeobachtungs- und Aufklärungssatelliten.

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Das türkische Raumfahrtprogramm hat jedoch auch eine ausgeprägte militärische Dimension. Auf dem Gelände in Somalia sollen künftig ballistische Langstreckenraketen der türkischen Rüstungsindustrie getestet werden.

Türkei festigt mit dem Projekt ihren Einfluss in Afrika

Mit dem Projekt in Somalia festigt Erdogan den Einfluss seines Landes in Somalia. Die Türkei ist in den vergangenen 15 Jahren zum wichtigsten externen Akteur in dem ostafrikanischen Staat aufgestiegen. Die Zusammenarbeit reicht von humanitärer Hilfe über den Betrieb von See- und Flughäfen bis hin zur militärischen Kooperation. In Mogadischu betreibt die Türkei Turksom, ihren größten Militärstützpunkt im Ausland. Die türkischen Streitkräfte bilden somalische Offiziere aus und unterstützen den Aufbau einer funktionsfähigen Armee.

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Für Ankara ist Somalia ein wichtiger Brückenkopf am Horn von Afrika. Die Präsenz ist Teil einer umfassenden Afrika-Strategie, die Erdogan seit 2005 verfolgt. Damals unterhielt Ankara zwölf Botschaften auf dem Kontinent, heute sind es mehr als 40. Systematisch erschließt die Türkei neue Märkte, sichert sich Rohstoffe und knüpft diplomatische Allianzen. Zugute kommt ihr dabei, dass sie den Ländern Afrikas auf Augenhöhe begegnet: Anders als viele europäische Staaten haftet ihr nicht der Makel einer kolonialen Vergangenheit an.