Eigentlich stand hier schon ein Text, der an den am Dienstag fünf Jahre zurückliegenden „Tag der Schande” Amerikas erinnern wollte. Daran, dass Donald Trump mit dem von ihm inspirierten und historisch beispiellosen „Sturm aufs Kapitol” in Washington am 6. Januar 2021 die Flaggschiff-Demokratie des Westens beinahe in den Abgrund gerissen hätte. 

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Muss verschoben werden. Der zynische Großmeister im Dirigieren der Medienscheinwerfer hat neue Schlagzeilen erzeugt. Sie sind folgenschwerer als die Ermordung von Qassem Soleimani, Kommandeur der iranischen Revolutionsgarde, 2020. Auch der Angriff auf iranische Nuklear-Bunker im vergangenen Jahr kommt da nicht mit.

Mehr zum US-Angriff auf Venezuela

Venezuela: Trump betreibt Cowboy-Realpolitik

Venezuela wird nach der politischen Enthauptung von Präsident Nicolas Maduro, den US-Spezialkräfte nachts gemeinsam mit seiner Gattin in Caracas aus dem Bett zerrten, auf unbestimmte Zeit von Washington regiert und damit zum Protektorat. Sagt Trump. 

Von wem genau, wie und wie lange – niemand weiß es. So sieht, Grönland und Kanada seien entsprechend auf der Hut, Trumpsche Cowboy-Realpolitik 2026 aus. Weder vorher abgestimmt mit dem Kongress, wie es die Verfassung verlangt. Noch mit den Gremien der Vereinten Nationen oder Verbündeten dies- und jenseits des Atlantiks erörtert. Amerikaner sagen dazu: „WTF?“ Was soll der Mist?

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US-Angriff auf Venezuela: Maduro festgesetzt – was jetzt folgt
Im Krisenmodus
 

Drogen-Elend in den USA? Trump-Erklärung ist völlig unglaubwürdig

Am wenigsten glaubhaft ist Trumps Erklärung, mit Maduros Entführung nach New York, wo ihm und seiner Frau demnächst auf Basis eines fünf Jahre alten Haftbefehls der Prozess gemacht werden soll, werde das Drogen-Elend in den USA gelindert. Weil das Ex-Staatsoberhaupt im Nebenjob ein Imperium gemanaged habe, das für tonnenweise Fetanyl und Kokain zwischen Phoenix und Pittsburgh verantwortlich sei. 

Abgesehen davon, dass Fetanyl fast ausschließlich über Mexiko in die USA gelangt, steht Trump die Rolle als Drogen-Sheriff überhaupt nicht. Schließlich war er es, der den Ex-Präsidenten von Honduras, Juan Orlando Hernández, just begnadigt hat, obwohl er von einer US-Geschworenen-Jury zu 45 Jahren Haft verurteilt worden war. Wegen Drogenhandels in den USA im Großmaßstab.

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US-Angriff auf Venezuela: Maduro festgesetzt – was jetzt folgt
Im Krisenmodus
 

Alarmierender Tabubruch

Wer Trumps mäandernde Pressekonferenz mitverfolgt hat, wurde Zeuge eines alarmierenden Tabubruchs. Trump sprach kaum darüber, wie Amerika in Venezuela bei der Wiederherstellung einer (von Maduro) zu Schanden gerittenen Demokratie helfen will. Die mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Oppositionelle María Corina Machado wurde in einem Nebensatz als für die Nachfolge ungeeignet abqualifiziert. 

Penetrant widmete sich Trump im Stile eines Rohstoffpiraten dagegen dem Plan, dass sich die USA an der größten „Tankstelle“ der Welt (300 Milliarden Barrel Ölreserven in der Erde) schadlos halten werden. Allein das wird im südlichen Hinterhof der USA, wo sich Trump nach dem Coup in Caracas als alleiniger Hausmeister installiert hat, das Bild vom hässlichen Gringo verstärken und Widerstand auslösen. 

Venezuela: Trump verheddert sich mit früheren Aussagen

Dazu kommt die Abwesenheit eines erkennbaren Plans, wie die USA ein Land mit 28 Millionen Einwohnern und der Größe von zwei Kaliforniens „regieren” wollen, bis eine Washington genehme Marionettenregierung die Geschäfte übernimmt.

Das seit Jahrzehnten auf allen Ebenen von Sozialisten der Chávez-Generation repressiv durchwirkte und im Westen von kolumbianischen Rebellengruppen destabilisierte Land könnte ins Chaos abgleiten, wenn die neuen Besatzer nicht umgehend für Ruhe sorgen. Wie dies ohne eine starke militärische US-Präsenz am Boden geleistet werden soll, die automatisch ins Zielfernrohr von radikalen Splittergruppen geriete, ist schleierhaft. 

An dieser Stelle wird es haarig für Trump. Der 79-Jährige war es, der schon während seiner ersten Präsidentschaft erklärt hatte, dass die Zeiten, als Amerika in Afghanistan und im Irak in endlosen teuren Kriegen Demokratien „bauen” wollte, vorbei seien.

Nicht zuletzt dafür wurde er 2024 erneut gewählt. Dieses isolationistische „America First”-Versprechen hat sich durch das militärische Hochpräzisions-Kidnapping Maduros als Vorstufe eines Regimewechsels vollends als Betrug erwiesen. 

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Trumps Wähler könnten sich angesichts von Leichensäcken mit US-Soldaten an der Urne rächen

Trotz der negativen Erfahrungen, die Amerika in den vergangenen hundert Jahren mit Interventionen in Ländern wie Bolivien, Chile, Kuba, Guatemala, Nicaragua, El Salvador, Panama, Haiti und Grenada gemacht hat, geht auch der 47. US-Präsident jenseits der US-Südgrenze den Weg des Zuchtmeisters im Kanonenboot.

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Die Reaktion seiner „Maga”-Wählerbasis darauf steht noch aus. Sollten Leichensäcke amerikanischer Soldaten, die von Rebellen in Venezuela beschossen werden könnten, zurückkommen, wäre Trump spätestens bei den Kongresswahlen im November ruiniert. 

Auf der Weltbühne ist er es bereits heute. Indem er Russland und China und allen anderen eine Gebrauchsanweisung für die völkerrechtlich illegale Invasion von Ländern und die Ausschaltung von Führern an die Hand gegeben hat, die Missfallen auslösen. Amerika wird ausgerechnet im 250. Jahr seiner Gründung zum globalen Schandfleck.