In der Ukraine ist eine neuartige ballistische Rakete aus Russland eingeschlagen. Kurz vor Mitternacht hatte die ukrainische Luftwaffe den Start einer ballistischen Mittelstreckenrakete von einem russischen strategischen Atomtestgelände gemeldet. Dabei handelt es sich um eine Mittelstreckenrakete des Typs „Oreschnik“, wie das russische Verteidigungsministerium am Morgen mitteilte. Es seien Einschläge in der Nähe der westukrainischen Stadt Lwiw verzeichnet worden – unweit von Polen und damit Nato-Gebiet. Es war der zweite Angriff mit einer Rakete dieses Typs auf die Ukraine.

Montag, Mittwoch, Freitag

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Ein Objekt der kritischen Infrastruktur sei angegriffen worden, schrieb Gebietsgouverneur Maksym Kosyzkyj auf Telegram. Ukrainische Militärblogs veröffentlichten angebliche Videos aus der Region, die sechs Einschläge hintereinander zeigen.

Auch interessant

Mittelstreckenrakete Oreschnik: Erst der zweite Einsatz in der Ukraine

Angaben zum Ziel wurden nicht gemacht. Doch im Gebiet Lwiw liegt der unterirdische Gasspeicher von Stryj, der schon mehrfach Ziel russischer Angriffe war.

Die nach russischen Angaben neue Mittelstreckenrakete Oreschnik war erstmals im November 2024 auf die südukrainische Großstadt Dnipro abgefeuert worden. Auch dieser Start erfolgte aus Kapustin Jar bei Astrachan in Südrussland. Die sechs Gefechtsköpfe enthielten damals nach ukrainischen Angaben keinen Sprengstoff. Kremlchef Wladimir Putin sprach von einem Test und drohte an, dass weitere folgen sollten. 

221106_1325_221106_cover.jpg
#31 Boris Palmer über sein Ende bei den Grünen und den Rat seines Therapeuten
Meine schwerste Entscheidung
 

Westliche Militärs sehen die Oreschnik als Weiterentwicklung der russischen Interkontinentalrakete RS-26 Rubesch. Die Reichweite wird auf 2.000 bis 5.000 Kilometer geschätzt. Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko sagt, Russland habe die Oreschnik mittlerweile auch in seinem Land stationiert.

Selenskyj warnte vor schwerem Angriff

Die Ukraine hatte einen schweren russischen Luftangriff erwartet. Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte in seiner Abendansprache davor: „Es gibt Informationen, dass es heute Nacht einen neuen massiven russischen Angriff geben könnte.“ Die Bürger sollten auf Luftalarm achten und sich in Schutzräume flüchten. 

Aktuelle News zum Ukraine-Krieg

Die Hauptstadt Kiew wurde nachts von Drohnenschwärmen angegriffen. Bürgermeister Vitali Klitschko sprach von mindestens vier Toten und 19 Verletzten. Durch den massiven Angriff sei auch die kritische Infrastruktur beschädigt worden. Die Strom- und Wasserversorgung sei in einigen Stadtteilen unterbrochen. Herabfallende Trümmerteile hätten Schäden verursacht, Wohnhäuser gebrannt.

Außerdem meldete die ukrainische Luftwaffe Angriffe mit dem Marschflugkörper Kalibr vom Schwarzen Meer aus. Die Ukraine griff ihrerseits Ziele in den russischen Regionen Belgorod, Orjol und St. Petersburg mit Kampfdrohnen an. 

Harter Winter verschärft Nöte der Ukraine 

Moskau versuche, die Ukraine im harten Frost besonders zu schädigen, sagte Selenskyj: „Russland setzt derzeit mehr auf den Winter als auf Diplomatie, auf ballistische Raketen gegen unsere Energieversorgung und nicht auf Arbeit mit Amerika und Vereinbarungen mit Präsident (Donald) Trump.“ 

Die Temperaturen sollen in der Ukraine ab Freitag fast überall unter den Gefrierpunkt sinken. In Kiew und im nördlichen Teil des Landes werden auf Tage zehn Grad Frost und mehr herrschen. Damit wächst der Druck auf die ohnehin schwer angeschlagene Versorgung mit Strom, Wärme und Wasser. Das Gebiet Dnipropetrowsk durchlebt nach einem Angriff aus der Nacht zum Donnerstag bereits den schlimmsten Blackout in fast vier Jahren Krieg mit Hunderttausenden Menschen ohne Strom. Bei einem Raketenangriff auf die Stadt Krywyj Rih wurde eine Frau getötet, es gab mindestens 23 Verletzte.

Artikel über die Ukraine – für Sie recherchiert

Russischer Schlag nur 80 Kilometer von Nato-Außengrenze entfernt

Der russische Raketenangriff auf Ziele, die nur 80 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt liegen, dürfte sich auch auf die laufenden Verhandlungen über eine Friedenslösung auswirken. Moskau hat bislang nicht reagiert auf die Abstimmung zu Sicherheitsgarantien und einem Wiederaufbau der Ukraine, die zwischen Kiew, den europäischen Staaten und den USA läuft.

Dabei sieht Selenskyj nach den jüngsten Gesprächen in Paris große Fortschritte zu einem bilateralen Dokument mit den USA über Sicherheitsgarantien für sein Land. Das Papier sei nun „im Grunde bereit“ für die Fertigstellung auf der höchsten Ebene mit Präsident Trump, schrieb er in sozialen Netzwerken.

Russland wird in dem Gesprächsprozess von den USA auf dem Laufenden gehalten. Die französische Zeitung „Le Monde“ berichtete, der Kreml-Unterhändler Kirill Dmitrijiew sei am Donnerstag in Paris gewesen, einen Tag nach dem Gipfel der Ukraine-Unterstützer in der Koalition der Willigen. Das US-Portal „Axios“ schrieb unter Berufung auf informierte Quellen, Dmitrijew habe in der US-Botschaft in Paris mit den US-Unterhändlern Steve Witkoff und Jared Kushner gesprochen.

os/dpa