Zwei Tote in drei Wochen, beide erschossen von ICE-Agenten in Minneapolis – und plötzlich wirkt es, als ob sich „das andere Amerika“ neu sortiert. Nicht die laute Twitter-Welt des Präsidenten, sondern Ex-Präsidenten, Bürgerrechtler, Kirchenleute melden sich zu Wort. Ihr gemeinsamer Gegner: Trumps Abschiebungsapparat.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Barack und Michelle Obama nannten die Tötung des Krankenpflegers Alex Pretti eine „Tragödie“ und warfen den Beamten „rechtswidriges und einschüchterndes“ Vorgehen vor. Bill Clinton forderte seine Landsleute auf, sich „gegen diese Art von Staatsgewalt zu stellen“ und sich nicht an tägliche Bilder von Razzien und Leichensäcken zu gewöhnen.

Im Kongress wollen die Demokraten zehn Milliarden Dollar für das Heimatschutzministerium (DHS), zu dem die ICE (Immigration and Customs Enforcement) gehört, blockieren. Auch etliche Republikaner haben Magenschmerzen. James Comer, der Vorsitzende des Aufsichtsausschusses im Repräsentantenhaus, signalisiert, dass die ICE Minneapolis verlassen sollte.
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„Die Amerikaner mögen nicht, was sie gerade sehen“
Kevin Stitt, der erzkonservative Gouverneur von Oklahoma, erklärte im Fernsehen, dass der Fall Pretti „tiefe Besorgnis über die Taktik und Verantwortlichkeit der Bundesbehörden auslöst. Die Amerikaner mögen nicht, was sie gerade sehen.“ Der republikanische Senator Bill Cassidy stellt fest: „Die Glaubwürdigkeit von ICE und DHS steht auf dem Spiel.“
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Gleichzeitig nimmt der „institutionelle“ Protest zu. Bürgerrechtsorganisationen wie die ACLU haben neue Klagen gegen ICE und das Heimatschutzministerium eingereicht, sie sprechen von „verdachtslosen Kontrollen“ und systematischer Einschüchterung. In Kalifornien, New York und Illinois formieren sich Bündnisse von Städten, die sich verpflichten, ICE keinen Zugang zu lokalen Datenbanken zu geben und keine Polizeiressourcen mehr abzustellen.
Denkfabriken fordern grundlegende Reform oder Abschaffung von ICE
Und dann sind da die radikaleren Forderungen: „Abolish ICE“, die Abschaffung der Behörde, war lange eine extrem linke Parole. Inzwischen erklären auch renommierte Denkfabriken wie das Brennan Center, ICE sei „in seiner heutigen Form unrettbar“. Man solle Aufgaben neu verteilen: Strafverfolgung zum Justizministerium, Grenzschutz zur regulären Grenzpolizei – und den Rest schließen.

Wie gefährlich ist das für Trump im Wahljahr 2026 politisch? Laut Umfragen lehnen breite Mehrheiten von Demokraten und Parteiunabhängigen die brutalen ICE-Taktiken komplett ab; überraschende 39 Prozent der Republikaner haben „ernste Bedenken“ über tödliche Gewalt im Inland.
Trump verschärft Kurs gegen illegale Einwanderung und eskaliert Konflikt
Zugleich ist illegale Einwanderung einer der zentralen Pfeiler von Trumps Regierungsprogramm – ein Zurückrudern würde ihn vor seiner eigenen Basis schwach aussehen lassen. Kurzfristig könnte der Präsident also versuchen, den Konflikt zu eskalieren: mehr Razzien, härtere Rhetorik, der Versuch, Proteste als „Aufstand“ zu brandmarken.
Langfristig aber wächst die Gefahr, dass sich das Bild festsetzt, das Obama und Clinton zeichnen: Trump verliert die Kontrolle über ICE. Ob „das andere Amerika“ daraus eine dauerhafte Bewegung formt, ist offen. Sicher ist nur, sagen Analysten im US-Fernsehen: „Minneapolis hat den Punkt markiert, an dem aus stiller Sorge laute Opposition geworden ist.“









