Das Bild des in Minneapolis von ICE-Agenten erschossenen Intensivstation-Krankenpflegers Alex Pretti bekommt erste Risse; jedenfalls aus Sicht rechter Internet-Influencer und Verteidiger der umstrittenen US-Einwanderungspolizei. In einem am Mittwochabend aufgetauchten Handy-Video eines Anwalts, der zufällig in der Gegend war, um seinen Sohn aus dem Kindergarten zu holen, ist der 37-Jährige elf Tage vor seinem tragischen Tod bei einer heftigen Konfrontation mit ICE zu sehen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Dabei schreit Pretti die Beamten auf einer Straßenkreuzung wutentbrannt an, nur wenige Kilometer von der Stelle entfernt, an der er starb. Sätze wie „Sprüh mich mit Pfefferspray ein, Bitch!” und „Greif mich an, du Arschloch“ und „F….euch!” sind zu hören.

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News aus den USA

Alex Pretti: Neues Video befeuert Streit um ICE-Einsatz

Als der SUV von ICE langsam davonfährt, tritt Pretti gegen das Rücklicht und versetzt ihm einen zweiten Tritt, der das rote Plastik zertrümmert und das Rücklicht baumeln lässt. Dann schwingt die hintere Tür des Autos auf und ein Einwanderungsbeamter mit Maske, Helm und Waffe steigt aus und geht auf Pretti zu.

Der Beamte packt Pretti an der Jacke und zieht ihn zurück zum Fahrzeug, während Pretti mit den Armen um sich schlägt. Der Beamte zieht Pretti zurück auf die Straße und drückt ihn auf die Knie, wobei er in dem Gerangel über Pretti fällt. Andere maskierte und behelmte Beamte umringen sie und versuchen, Pretti zu überwältigen. Andere stehen zwischen ihnen und der schreienden Menge Wache, bevor die Beamten Tränengasgranaten zünden, Pfefferspray sprühen und sich dann zurückziehen.

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In Prettis Hosenbund ist eine Schusswaffe zu sehen, nach US-Medien offenbar identisch mit jener, die ihm bei der tödlichen Auseinandersetzung am vergangenen Freitag von ICE-Agenten entwendet worden war. In beiden Situationen gibt es keine Belege dafür, dass Pretti versucht hat, nach der Waffe zu greifen. Die Familie Prettis bestätigt gegenüber US-Medien die Authentizität des Videos, es handele sich dabei um ihren Sohn. Er habe bei dem Vorfall, dessen Hintergründe bislang unbekannt sind, Verletzungen erlitten, sei aber nicht ärztlich behandelt worden.

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Trump postet Video auf „Truth Social“

Während der Auseinandersetzung sind mehrere andere Demonstranten anwesend, die auf die ICE-Agenten einschreien. Es sind Autohupen zu hören. Was das Video nicht deutlich macht: Warum war Pretti außer sich vor Wut, ganz anders, als in den Minuten vor seinem Tod, als er ruhig mit einer Handy-Kamera ICE-Agenten filmte? Was war unter Beteiligung von ICE-Agenten geschehen?

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Das Heimatschutzministerium, dem ICE unterstellt ist, wollte sich dazu bisher nicht äußern. Dagegen postet der älteste Sohn des US-Präsidenten, Donald Trump Jr., das Video auf Elon Musks Internet-Portal X und schrieb: „Nur ein friedlicher Rechtsbeobachter“ – dazu stellte er ein Skepsis ausdrückendes Emoji. Auch Trump selbst verbreitete das Video auf seinem „Truth Social“-Account.

Rechte Influencer instrumentalisierten die Szenen. Tenor: Pretti sei ein psychisch instabiler, gewaltbereiter Aufrührer gewesen. Auf Fox News sagte ein Kommentator, Pretti könnte heute noch am Leben sein, wenn ICE ihn nach dem kurzen Gewaltausbruch mit Sachbeschädigung rechtzeitig festgenommen hätte. Warum dies unterblieb, ist bisher nicht bekannt.

In Minneapolis kursiert laut Lokal-Journalisten das Gerücht, dass ICE Pretti nach dem ersten Zwischenfall auf dem Radar hatte. Möglicherweise wussten die Beamten, die ihn später töteten, um seine Identität, sagen Insider. Eine Bestätigung dafür gibt es bisher nicht. Steve Schleicher, der Anwalt der Pretti-Familie, erklärte mit Blick auf das neu aufgetauchte Video: „Nichts, was eine Woche vorher geschah, kann jemals die Tötung von Alex durch ICE am 24. Januar rechtfertigen.”

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