Donald Trump nimmt den Iran jeden Tag ein Stück mehr in die Zange – rhetorisch. Was aber, wenn der US-Präsident tatsächlich einen Militärschlag gegen das Mullah-Regime befiehlt? Wie könnte das ablaufen? Was wären die Folgen? Fachleute skizzieren verschiedene Szenarien. Keines ist wirklich beruhigend.

Präzisionsschläge, kaum zivile Opfer, Sturz der Mullahs, erste Schritte zur Demokratie

In der US-Idealvorstellung greifen Luftwaffe und Marine, die gerade zusätzliche Luftabwehrsysteme wie Patriot und THAAD in der Region stationieren und die Flugzeugträgerkampfgruppe USS Abraham Lincoln stationiert haben, an – und zwar gezielt iranische Führer und Sicherheitsbeamte, die vermutlich für die Morde der vergangenen Woche verantwortlich sind, Stützpunkte der Revolutionsgarden (IRGC), Basij-Milizen, Raketenlager und Teile des iranischen Atomprogramms.

Die Angriffe sind kurz. Sie treffen vor allem militärische Ziele. Die Zahl ziviler Opfer bleibt minimal. Das ohnehin stark geschwächte System in Teheran bricht zusammen. Am Ende steht ein demokratischer Neuanfang, der Iran öffnet sich der Welt. So klingt die Hoffnung.

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Iran-Aufstand 2026: Proteste, Trump-Drohungen und Eskalationsgefahr
Im Krisenmodus
 

Die Realität der vergangenen Jahrzehnte spricht dagegen. Die Interventionen im Irak und in Libyen haben brutale Diktatoren gestürzt – aber nie stabile Demokratien hervorgebracht, sondern Chaos und Gewalt. Auch in Syrien hat erst ein langer Bürgerkrieg das Assad-Regime zu Fall gebracht.

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Das Regime unter Ajatollah Chamenei überlebt, agiert aber künftig vorsichtiger

Die USA greifen an, zerstören Teile der Streitkräfte und der Infrastruktur – doch die Islamische Republik bleibt an der Macht. Die Führung in Teheran erkennt, wie verwundbar sie ist, und mäßigt sich. Sie reduziert die Unterstützung für Milizen im Ausland, stoppt oder begrenzt Raketen- und Atomprogramme und lässt Proteste im Innern etwas mehr zu.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Das wäre nach Einschätzung von Denkfabriken in Washington ein „Venezuela-Effekt“: Das System bleibt, agiert aber mit leicht angezogener Handbremse. Viele Iranerinnen und Iraner würden das gerade nach den blutig niedergeschlagenen Protesten der vergangenen Wochen mit Tausenden Toten als Enttäuschung empfinden. Zudem ist fraglich, ob die Führung überhaupt zu solchen Zugeständnissen bereit wäre. Seit fast fünf Jahrzehnten zeigt sie sich hart und veränderungsunwillig.

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Das Regime stürzt, das Militär übernimmt den Staat

Viele Analysten halten dieses Szenario für wahrscheinlicher. Das System verliert an Rückhalt in der Bevölkerung. Es gibt immer wieder Massenproteste. Doch an der Spitze steht ein starker Sicherheitsapparat – Revolutionsgarden, Geheimdienste, Milizen –, der vom Status quo profitiert. Bislang haben diese Kräfte jeden ernsthaften Aufstand brutal niedergeschlagen.

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#17 Omid Nouripour über seine Flucht aus dem Iran – und wie man auf Farsi rappt
Meine schwerste Entscheidung
 

Kommt nun ein US-Schlag hinzu, könnte das Gleichgewicht kippen: Teile der politischen Führung werden entmachtet, aber die bewaffneten Kräfte bleiben. Am Ende steht keine Demokratie, sondern eine neue Militärführung, dominiert von Kommandeuren der Revolutionsgarden. Für die Region hieße das: andere Gesichter, aber zunächst kein grundlegender Kurswechsel.

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Der Iran schlägt zurück – gegen US-Stützpunkte im Nahen Osten und Nachbarländer

Die Führung in Teheran hat mehrfach angekündigt, auf jeden US-Angriff zu reagieren. Militärisch ist der Iran den USA klar unterlegen. Doch er verfügt über Raketen und Drohnen, die aus versteckten Basen abgefeuert werden können. Ziele wären nicht nur die großen US-Stützpunkte am Golf, etwa in Bahrain oder Katar.

Auch militärische oder energiepolitische Infrastruktur in Nachbarstaaten, die mit Washington kooperieren, könnte ins Visier geraten. Schon 2019 zeigte ein Raketen- und Drohnenangriff auf Anlagen des saudischen Ölkonzerns Aramco, wie empfindlich solche Schläge sind. Ein neuer Konflikt könnte schnell die ganze Region erfassen. Die Golfstaaten, alle Verbündete der USA, fürchten genau dieses „Zurückschlagen in der Nachbarschaft“. „Unsere tapferen Streitkräfte sind bereit – mit dem Finger am Abzug –, sofort und mit aller Härte auf JEDE Aggression gegen unser geliebtes Land, unseren Luftraum und unsere Gewässer zu reagieren“, schrieb Irans Außenminister Abbas Araghchi auf Englisch auf dem Portal X.

Ali Shamkhani, Berater des Obersten Führers Khamenei, warnte an gleicher Stelle, dass jede militärische Aktion als Kriegsbeginn betrachtet würde, und kündigte eine „beispiellose“ Reaktion an, wobei er Tel Aviv ausdrücklich als Ziel nannte.

Minen im Golf – Gefahr für die Schifffahrt und Weltwirtschaft

Ein weiteres Drohmittel sind Seeminen in der Straße von Hormus. Dort verläuft eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Etwa ein Fünftel des weltweiten Ölhandels und ein erheblicher Teil der Flüssiggas-Exporte passieren die Meerenge. Schon im Iran-Irak-Krieg der 1980er-Jahre hat Teheran hier Minen gelegt. Die iranische Marine übt bis heute das schnelle Ausbringen solcher Sprengsätze. Würde der Iran die Route sperren, träfe das sofort Tanker, Versicherungen und Märkte. Die Ölpreise würden steigen, Lieferketten würden unter Druck geraten. Es wäre ein wirtschaftlicher Schock weit über den Nahen Osten hinaus.

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Ein US-Kriegsschiff wird getroffen oder sogar versenkt

Militärs weisen auf eine weitere Gefahr hin: sogenannte Schwarmangriffe. Die Idee dahinter: Viele schnelle Boote, Raketen und Drohnen greifen gleichzeitig ein Ziel an. Selbst hochgerüstete Kriegsschiffe kommen dabei an ihre Grenze.

Die Seestreitkräfte der Revolutionsgarden haben sich genau auf diese Art von asymmetrischer Kriegsführung spezialisiert. Gelingt es ihnen, ein US-Schiff schwer zu beschädigen oder sogar zu versenken, wäre das eine schwere Demütigung für Washington; die militärische Vergeltung könnte verheerend ausfallen und einen Flächenbrand auslösen.

Die Beispiele USS Cole (Anschlag von Al-Qaida im Golf von Aden im Jahr 2000, damals kamen 17 US-Seeleute ums Leben) und USS Stark (versehentlicher irakischer Raketenangriff 1987, 37 US-Soldaten fanden den Tod) zeigen, dass auch große Kriegsschiffe verletzlich sind – selbst ohne offenen Krieg.

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Regime-Kollaps und Chaos

Das Worst-Case-Szenario – für viele Anrainer des Iran das beunruhigendste Szenario: Das Regime in Teheran bricht völlig zusammen. Doch an seine Stelle tritt nicht sofort eine funktionierende Regierung. Es entsteht ein Machtvakuum, verschiedene Gruppen kämpfen gegeneinander. Ethnische Spannungen zwischen Kurden und anderen Minderheiten könnten in offene Gewalt umschlagen.

Dieses „Libyen- oder Syrien-Szenario“ würde eine humanitäre Katastrophe und neue Fluchtbewegungen auslösen. Israel und mehrere arabische Staaten würden zwar den Sturz der Islamischen Republik begrüßen. Niemand aber hat ein Interesse daran, dass das bevölkerungsreichste Land der Region in Anarchie versinkt. Entscheidet sich Trump für einen Angriff, könnte ein Krieg beginnen, dessen Verlauf und Ende kaum kalkulierbar sind – weit über den Nahen Osten hinaus.