Für Keir Starmer wird es langsam kritisch. Die Affäre um den Ex-Botschafter Peter Mandelson bringt den britischen Premierminister in immer größere Schwierigkeiten, die Fraktion wird zunehmend ungeduldig. Viele seiner Parteikollegen halten es für ausgemacht, dass er früher oder später gehen muss. Ein anonymer Abgeordneter wird in der britischen Presse mit den Worten zitiert: „Es ist der Anfang vom Ende.“

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Am Mittwoch gab Starmer im Unterhaus zu, dass er von der Freundschaft zwischen Mandelson und dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein wusste, als er ihn 2024 zum britischen Botschafter in den USA ernannte. Zu seiner Verteidigung sagte der Premierminister, dass Mandelson seine Beziehung als weniger freundschaftlich beschrieben hatte, als sie tatsächlich war. „Mandelson hat mein Team wiederholt angelogen“, sagte Starmer. Aber allein die Tatsache, dass er von der Freundschaft wusste, bietet seinen Kritikern eine große Angriffsfläche. Die Atmosphäre in der Labour-Fraktion habe sich nach dem Eingeständnis schlagartig „verdunkelt“, sagte ein Abgeordneter.

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Epstein-Skandal: Die neuesten Enthüllungen noch brisanter

Auslöser des Skandals war die Veröffentlichung der jüngsten Akten zu Jeffrey Epstein. Unter dem Stoß an Dokumenten, die das US-Justizministerium am Freitag publizierte, finden sich zahlreiche E-Mails, die der Finanzier und verurteilte Sexualstraftäter mit Mandelson austauschte. Zwar war Mandelson bereits im September vom Botschafterposten gefeuert worden, nachdem Details über seine enge Beziehung zu Epstein ans Licht gekommen waren. Aber die neuesten Enthüllungen sind noch brisanter.

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So ist bekannt geworden, dass Mandelson dem US-Finanzier regierungsinterne Informationen zukommen ließ. Unter anderem leitete er im Juni 2009, als Mandelson Wirtschaftsminister unter Premier Gordon Brown war, ein vertrauliches Dokument an Epstein weiter. Darin wurde ein Verkauf von staatlichen Vermögenswerten diskutiert, zudem kamen die Steuerpläne Labours zur Sprache. Mandelson schickte das Dokument an Epstein, mit dem Kommentar: „Interessante Mitteilung, die an den Premierminister gegangen ist.“

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Der britische Premierminister Keir Starmer verlässt 10 Downing Street. Der Fall Mandelson wird zur Belastungsprobe. © Alastair Grant/AP/dpa | Alastair Grant

Das hat die Debatte um die Einsetzung Mandelsons als Botschafter erneut hochkochen lassen. Am Dienstag nahm die Londoner Polizei strafrechtliche Ermittlungen wegen Amtsverletzung gegen Mandelson auf. Unterdessen fragt man sich in Westminster, warum Starmer überhaupt Mandelson in ein so prominentes Amt berufen hatte. Und auch, wie es kam, dass das damalige Prüfverfahren keine Alarmglocken läuten ließ. Oppositionspolitiker forderten die Veröffentlichung aller Dokumente, die im Zusammenhang mit der Ernennung Mandelsons verfasst wurden. Die Regierung hat dieser Forderung zugestimmt; allerdings ist noch nicht sicher, wann die Akten publiziert werden.

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Der Premierminister ist seit längerer Zeit angeschlagen, und angesichts der miesen Umfragewerte von Labour haben die Spekulationen über Starmers Zukunft in den vergangenen Wochen zugenommen. Seit Ausbruch des Mandelson-Skandals ist die Krise schlagartig ernster geworden – in Westminster ist man sich weitgehend einig, dass der Abgang Keir Starmers ein gutes Stück näher gekommen ist.