• Im Februar wurde ein Zugbegleiter bei einer Fahrkartenkontrolle tödlich verletzt
  • Im Anschluss wurden Forderungen nach besseren Schutzmaßnahmen für das Bahn-Personal laut
  • Politikerinnen und Politiker beziehen im Gespräch mit unserer Redaktion Stellung

Die tödliche Attacke auf einen Schaffner in einem Regionalzug in Landstuhl erschüttert noch immer das Land. Ein Schwarzfahrer hatte Anfang Februar einen Zugbegleiter nach einer Kontrolle mit Faustschlägen angegriffen. Wie sicher ist die Bahn?

Bluttat in Landstuhl: Kommt ein besserer Schutz für Zugbegleiter?

Das Bundesjustizministerium will Einsatzkräfte, Rettungskräfte und medizinisches Personal besser vor Angriffen schützen – und nach der Bluttat von Landstuhl unter Umständen auch Zugbegleiter einbeziehen. „Ich habe deshalb schon 2025 einen Gesetzentwurf vorgelegt, mit dem wir die Strafen für Angriffe gegen Menschen in besonders exponierten, gemeinwohlrelevanten Berufen erhöhen wollen“, sagte Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) unserer Redaktion. Der Gesetzentwurf werde gerade abgestimmt, man werte Stellungnahmen aus.

„In dem Rahmen prüfen wir auch, ob sich noch Anpassungen an dem Entwurf empfehlen, damit das besondere Unrecht von Angriffen gegen besonders gefährdete Berufsgruppen wie Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter noch besser abgebildet wird“, so die Ministerin. Die Tat habe sie sehr schockiert, sagte Hubig.

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Wie viele Angriffe erleidet das Bahn-Personal?

„Die Übergriffe auf unsere Mitarbeitenden nehmen seit Jahren zu, genauso wie auf Angehörige von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten. Die Hemmschwelle für Gewalt in unserer Gesellschaft sinkt kontinuierlich“, sagte ein Bahn-Sprecher unserer Redaktion. Mündliche und tätliche Übergriffe auf das Bahn-Personal passieren vor allem bei Fahrkartenkontrollen, am Rande von Volksfesten, Großveranstaltungen und Fußballspielen und beim Durchsetzen des Hausrechts, beispielsweise an Bahnhöfen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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2025 gab es über 3000 Angriffe auf das Personal, also etwa acht pro Tag. Jeder zweite Angriff erfolgt auf das Personal im Regionalverkehr, auf Sicherheitskräfte entfällt gut ein Drittel. Bei anderen Berufsgruppen sieht es so aus: Gegen Polizisten sind laut Bundeskriminalamt im Jahr 2024 rund 46.000 Gewalttaten verübt worden, bei den Rettungsdienst- und Feuerwehrkräften gab es rund 700 solcher Fälle.

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Wie schützt die Bahn ihre Schaffner?

Die Deutsche Bahn hat gute Erfahrungen gemacht mit Bodycams, mit denen Mitarbeiter ausgerüstet werden, falls sie das wünschen. Auf ihren Handys haben die Zugbegleiter in Nahverkehrszügen eine App, mit der sie jeden Vorfall melden können. Im Schnitt alle zwei Jahre erhalten rund 20.000 Bahn-Mitarbeiter ein Deeskalationstraining, in dem sie lernen, selbstbewusst aufzutreten und gleichzeitig beruhigend zu wirken. Sicherheitskräfte der DB erhalten darüber hinaus ein Training, in dem sie lernen, wie sie sich bei Angriffen körperlich zur Wehr setzen können.

Derzeit arbeiten 4500 Sicherheitskräfte der Deutschen Bahn mit 6000 Bundespolizisten „Hand in Hand“, wie es heißt. Die Zusammenarbeit sei verbessert worden. „Aber bei einer derart hemmungslosen Gewalt, wie wir sie jetzt erlebt haben, gibt es keinen hundertprozentigen Schutz“, sagte ein Bahn-Sprecher. Die Bahn gebe jährlich 200 Millionen Euro aus für die Sicherheit von Fahrgästen und Personal, sagte er.

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Was fordern die Eisenbahner für ihren Schutz?

Der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates der DB Regio Schiene und Bus, Ralf Damde, hat neue Sicherheitskonzepte und eine bessere Zusammenarbeit mit der Bundespolizei verlangt. Außerdem brauche man Bodycams, die den Ton aufzeichnen und abgehört werden können, sowie Armbanduhren mit Notfallknopf. Auch Martin Burkert, der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), hat Doppelbesetzungen im Zug verlangt. „Dann wäre das vielleicht verhinderbar gewesen“, sagte Burkert. Schon 82 Prozent der Bahn-Mitarbeiter hätten einen verbalen oder körperlichen Angriff erlebt. In manchen Expresszügen im Nahverkehr ist nur ein Zugbegleiter anwesend.

Was sagen die Politiker?

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) hat Gespräche mit Arbeitnehmervertretern der Bahn sowie dem DB-Vorstand geführt. Man habe sich über die Sicherheit unterhalten und was man verbessern könne. „Es gibt da gute Vorstellungen. Wir müssen uns das anschauen, wo wir da ansetzen können. Wie können wir mehr Präsenz zeigen?“, sagte Schnieder. Er nahm teil an einer Schweigeminute für den in Landstuhl getöteten 36-jährigen Zugbegleiter. „Das ist ein schwarzer Tag für die Eisenbahnerfamilie“, sagte er.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) forderte höhere Strafen. „Der Strafrahmen muss ausgeweitet und die Mindeststrafen für Angriffe deutlich erhöht werden.“ Alexander Schweitzer, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, verlangt eine Sondersitzung der Verkehrsminister zum Thema. Bahnchefin Evelyn Palla sieht das ähnlich: Sie will einen Sicherheitsgipfel einberufen mit Vertretern von Bahn, Gewerkschaften, Bund und Ländern. Der „Bild“ sagte sie: „Unser Kollege Serkan wurde Opfer sinnloser Gewalt – jetzt müssen wir handeln! Schluss mit den Angriffen auf Menschen, die für unsere Gesellschaft im Einsatz sind – ob in Uniform oder zivil.“

Was ist mit dem Täter passiert?

Knapp fünf Monate nach der tödlichen Prügelattacke auf einen Zugbegleiter der Deutschen Bahn in Rheinland-Pfalz beginnt am 24. Juni der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter. Anders als die Staatsanwaltschaft, die den 26-Jährigen wegen Mordes angeklagt hatte, wertet das Landgericht Zweibrücken die Tat als Körperverletzung mit Todesfolge.

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Der tödliche Konflikt hatte sich in einem Regionalexpress zwischen Homburg und Landstuhl (Rheinland-Pfalz) ergeben. Der Zugbegleiter Serkan C. hatte den ohne Ticket angetroffenen Fahrgast zum Verlassen des Zuges aufgefordert. Daraufhin war der Angriff erfolgt. Wie das Land Rheinland-Pfalz mitgeteilt hat, hat der verstorbene Zugbegleiter in Ludwigshafen gewohnt, der Opferschutzbeauftragte des Landes will der Familie seine Unterstützung anbieten. Serkan C. war alleinerziehend und hinterlässt zwei Kinder.