Er möchte Ministerpräsident von Baden-Württemberg werden: Manuel Hagel. Der Spitzenkandidat der CDU liegt in jüngsten Umfragen knapp vor den Grünen, die mit dem ehemaligen Landwirtschaftsminister Cem Özdemir in die Landtagswahl am 8. März gehen. Im Interview mit der FUNKE Redaktion spricht Hagel über Amtsinhaber Winfried Kretschmann (Die Grünen) und einen Satz, der ihm zum Verhängnis werden könnte.
Herr Hagel, die Christdemokraten haben im 1952 gegründeten Baden-Württemberg 68 Jahre lang regiert. Aber in den letzten zehn Jahren als Juniorpartner von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Wie hoch ist der Druck, dass Sie die Rückeroberung für die CDU schaffen bei der Landtagswahl am 8. März?
Hagel: Also ich habe zuallererst mal Lust darauf! Die CDU hat fast 70 Jahre lang das Land regiert und den Ministerpräsidenten gestellt. Das hat unserem Land richtig gutgetan. Da wollen wir wieder hin. Krisenzeiten sind immer Zeiten für Christdemokraten. Wir haben verdammt viel Arbeit vor uns. Unsere Wirtschaft braucht schnell wieder Luft unter den Flügeln. Tausende von Jobs werden abgebaut, wir müssen um jeden Arbeitsplatz kämpfen. In der Bildung wollen wir uns nicht an Mittelmaß gewöhnen, sondern wieder zurück aufs Treppchen. Unseren Kurs der konsequenten inneren Sicherheit müssen wir weitergehen.
Viele unserer Probleme sind hausgemacht – aber wenn viele unserer Probleme hausgemacht sind, dann bekommen wir das jetzt auch wieder in den Griff. Es gibt einen Weg zwischen der Ideologie der Grünen und der Radikalität der anderen. Das ist unser CDU-Weg, mit Maß und Mitte, Pragmatismus und gesundem Menschenverstand. Das passt zu Baden-Württemberg und genau so wollen wir das nach dem 8. März angehen.
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Der Südwesten brachte bundespolitisch bekannte Politiker hervor: Lothar Späth, Günther Oettinger, Erwin Teufel. Ist einer von ihnen Ihr Vorbild?
Hagel: Vorbild klingt für mich immer ein bisschen nach Kopie und Abziehbild. Ich will meine eigenen Fußstapfen hinterlassen und werde meinen eigenen Weg gehen. Aber ich kann Ihnen eines sagen: Ein Ministerpräsident von Baden-Württemberg braucht die Wirtschaftskompetenz von Späth, die Geschwindigkeit von Oettinger und er muss schaffen wie der Teufel *lacht*.
Sollten Sie gewählt werden, wollen Sie den Grünen Kretschmann erstmal zum Frühstück einladen. Er ist Ihr Duzfreund. Woher kommt diese Nähe?
Hagel: Wir wohnen gar nicht so weit auseinander und wir sind ein bisschen vom gleichen Schlag Mensch. Dazu kommt noch unser Dialekt, auch der verbindet. In zehn Jahren der Zusammenarbeit innerhalb der grün-schwarzen Koalition in Stuttgart habe ich Kretschmann schätzen gelernt. Ich mag ihn. Im Grunde mag ich alles, was die grüne Partei an Kretschmann kritisiert. Kretschmann ist ein Grüner, aber die Grünen sind beileibe nicht wie Kretschmann. Ich schätze seine Bodenständigkeit, seine Heimatverbundenheit und seinen unerschütterlichen Pragmatismus. Deshalb hat er sich auch bei uns Christdemokraten immer ganz wohl gefühlt.
Die Grünen haben für die Zeit nach Kretschmann einen inhaltlichen Linksrutsch vollzogen. Erst kürzlich wurden die Wahlprogramme der Parteien im Land von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verglichen. Und da schau an: Die Grünen haben eine sehr große Übereinstimmung mit der Linkspartei – weit abgeschlagen ist die Schnittmenge mit der CDU. Die Inhalte sind dann doch ehrlicher als das Wahlplakat.
Landtagswahlen 2026 – spannende Hintergründe
In Ihrem Wahlkampf treten Sie mitunter vor gemütlicher Wohnstubenkulisse auf, begrüßen „die anständige Leut“ im Saal und beschwören Tugenden wie Fleiß und Tüftlergeist. Versprechen Sie ein Zurück zur heilen Welt von früher?
Hagel: Ich beschreibe zuallererst den Baden-Württemberg-Spirit. Genau für dieses besondere Lebensgefühl im deutschen Südwesten stehen wir als CDU. Wir leben in einer Zeit, die immer schneller und hektischer wird, die immer stärker polarisiert. Die Rahmenbedingungen ändern sich rasant, getrieben auch durch die Digitalisierung und KI. Daneben erleben wir eine Fragmentierung unserer Gesellschaft, die viele verunsichert. Da ist es doch nur natürlich, dass die Menschen Halt, Stabilität und Orientierung suchen.
Genau dafür steht diese Kulisse bei unserem Talkformat „Bühne frei“– die man vielleicht auch mit einem gewissen Augenzwinkern betrachten muss. Als Christdemokraten glauben wir daran, dass Stabilität und Orientierung das Fundament sind, von dem aus man mutig die Zukunft gestalten kann. Unser Verständnis von Heimat und Gesellschaft ist nicht ausgrenzend, sondern integrativ. Als CDU denken wir unser Land immer aus einer einladenden Mitte heraus.
Nach einem Interview zu Glauben und Lebensschutz mit Ihnen hat Sie eine katholische Zeitung schon als führende Kraft auf dem konservativen Flügel der Union ausgerufen. Trifft das zu?
Hagel: Ich bin von ganzem Herzen Christdemokrat. Das Schöne an unserer Partei ist, dass man sich nicht entscheiden muss zwischen christlich-sozial, konservativ und liberal. Eine Christdemokratin und ein Christdemokrat stehen für alles gleichermaßen. Unsere Partei wird im Ganzen zusammengehalten vom „C“. Unser Wertefundament beruht auf dem christlichen Menschenbild, daraus ergibt sich auch die Würde jedes Einzelnen. Jede Partei hat etwas, das sie antreibt. Bei uns ist das jeder einzelne Mensch – so, wie er ist, mit all seinen Stärken und Schwächen. Deshalb wollen wir niemanden umerziehen, wir nehmen die Menschen in ihrer Verschiedenheit an.
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Mitunter vertreten Sie abweichende Positionen. Beim Thema Rentenpaket schlugen Sie sich kurzzeitig auf die Seite der Jungen Union und pochten auf Nachverhandlungen mit der SPD. War das eine rebellische Eintagsfliege?
Hagel: Zuerst einmal: Ich bin bei meiner Meinung geblieben. Ich bin keiner, der mal einfach so dem Mainstream hinterherschwimmt. Ich vertrete meine Position, und das habe ich auch in der Rentenfrage getan. Die Politik lebt davon, dass Politiker den Mut haben, auch unbequeme Wahrheiten auszusprechen, ohne ständig auf die Umfragen zu schauen.
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Die Wirtschaft ist das Hauptthema im Wahlkampf. Im Südwesten wollen Firmen wie Daimler, Porsche, Bosch und die Zulieferer Zehntausende von Stellen abbauen. Wie wollen Sie das stoppen?
Hagel: Aus einer Rezession kann man sich nur herausarbeiten. Deshalb müssen wir jetzt die Ärmel hochkrempeln und wir fangen bei uns selbst an. Ich will die agilste Landesverwaltung in Deutschland schaffen und eine Task Force „Arbeitsplätze“ in der Staatskanzlei einrichten. Dort sollen Arbeitgeber, Gewerkschaften und Politik zusammen um jeden Arbeitsplatz kämpfen. Wir müssen raus aus dem alten Widerstreit, dort die Gewerkschaften, da die Arbeitgeber und hier die Politik. Ich will einen neuen Beschäftigungspakt für Baden-Württemberg.
Es gibt äußere Faktoren, die kann kein Ministerpräsident ändern. Dass wir die Trumpschen Zölle haben. Dass wir den Überfall auf die Ukraine haben. Dass wir es mit einer expansionistischen Handelspolitik Chinas zu tun haben. Aber es gibt jede Menge hausgemachter Probleme. Es zeigt sich leider immer mehr, dass der grüne Kulturkampf gegen das Auto auch ein Kampf gegen unseren Wohlstand und gegen unsere Arbeitsplätze im Land ist.
Die Grünen von Herrn Özdemir haben damit unserem Land schwer geschadet. Cem Özdemir war noch 2021 sehr stolz darauf, dass er persönlich das Verbrenneraus ab 2030 in den Koalitionsvertrag der Ampel hineinverhandelt hat. Nun im Wahlkampf behauptet er, dass die Grünen „Auto können“. Diesen Etikettenschwindel erkennen die Menschen und lassen sich von ihm nicht hinter die Fichte führen. Denn der Kulturkampf gegen das Auto war ja das, was die Grünen immer zusammengehalten hat. Diese Politik brauchen wir nach dem 8. März nicht in der Staatskanzlei.
Sie wollen zehn Sonderwirtschaftszonen gründen, in denen Unternehmen befreit von Normen und Dokumentationspflichten arbeiten, sie planen eine Wirtschaftsallianz und eine zehnte Landesuniversität für KI. Wird das reichen?
Hagel: Es ist ein Beitrag, der spürbare Verbesserungen bringen wird. Die CDU hat die höchste Wirtschaftskompetenz. Das ist unser Thema, da kennen wir uns aus. Baden-Württemberg ist Autoland – die Autoindustrie ist mit dem Maschinen- und Anlagebau das Herzstück unserer Wirtschaft. Unser Land weiß, wie man einen Strukturwandel meistert.
Anfang des 19. Jahrhunderts haben 40 bis 50 Prozent der Menschen in der Landwirtschaft gearbeitet, heute ist es nur noch rund ein Prozent. Dafür haben wir heute Global Player und High Tech, bei vielen Produkten sind wir Weltmarktführer. Wir sehen Chancen mit regionalen, innovativen Industrieclustern für Künstliche Intelligenz, für Robotik, für Photonik und für die Krebsforschung. Wir setzen auf die Entwicklung unserer Luft- und Raumfahrtindustrie und die Verteidigungsindustrie. Auf allen diesen Gebieten sind wir schon sehr, sehr stark und wollen es in der Zukunft mit der Weltspitze aufnehmen. Das wird viele neue Arbeitsplätze schaffen und unseren Unternehmen helfen, ihre Standorte zu sichern.
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Wie geht es nach dem 8. März weiter? Werden Sie bei einem Wahlsieg Cem Özdemir in einer schwarz-grünen Koalition zum Vize machen? Oder könnten Sie Vize bei Özdemir sein?
Hagel: Ich habe Respekt und Demut vor den Wählerinnen und Wählern. Für mich gilt: Zuerst das Land, dann die Partei, dann die Person.
In einem Video werden Sie gezeigt, wie Sie nach einem Besuch einer Realschulklasse überaus lobend über das Äußere einer Schülerin mit „rehbraunen Augen“ sprechen. In Teilen der Öffentlichkeit und von den Grünen ist das als Sexismus kritisiert worden. Bereuen Sie die Worte?
Hagel: Sie beziehen sich auf einen Satz in einem Interview, das ich 2018 einem regionalen TV-Sender gegeben habe. Dieser Satz war wirklich Mist, daran habe ich nie einen Zweifel gelassen. Ich würde diesen Satz heute auch nie mehr so sagen und bereue das von ganzem Herzen.








![Friedrich Merz (CDU) und Bärbel Bas (SPD) im Juni im Bundeskanzleramt. Pressekonferenz [press conference] nach der ?bergabe des Berichts der Altersicherungskommission zur Rentenreform in Berlin](https://img.sparknews.funkemedien.de/413277497/413277497_1790592399_v16_9_1200.jpeg)


