Noch bevor die Jugendlichen auch nur Pappe besorgt und Poster-Sprüche gewählt haben, werden schon die ersten Gegenstimmen laut: Wie können es die demonstrierenden Schülerinnen und Schüler bloß wagen, wertvolle Unterrichtsstunden zu verpassen! Erheben dieselben Leute auch ihre Stimme, wenn es darum geht, dass aufgrund von Lehrkräftemangel einige Fächer komplett gestrichen werden?

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Erst vor wenigen Wochen wurden in Thüringen die Halbjahreszeugnisse verteilt – statt einer Note stand in einigen Feldern „nicht erteilt“. Es hatte zu wenig Unterricht stattgefunden, um eine Bewertung abzugeben. Aber viel schlimmer ist es natürlich, wenn Jugendliche einmal nicht zur Schule, sondern zu einer Demonstration gehen. Heuchlerisch wird auf Bildung gepocht und dabei der Wert von Aktivismus außer Acht gelassen.
Geht Bildung nicht auch damit einher, dass Menschen eine eigene Meinung entwickeln können? Habt ruhig eine Position zu aktuellen Geschehnissen – aber bitte nicht während der Schulzeit? Das sollte nicht die Botschaft sein, die jungen Menschen übermittelt wird.
Auch interessant
Die Betroffenen verlangen nicht zu viel, wenn sie zumindest in die Gespräche eingebunden werden wollen. Und dieser Einsatz gibt doch eigentlich Hoffnung: Kinder und Jugendliche schlucken nicht still alles. Sie versammeln sich, werden sichtbar. Es geht ihnen nicht nur um sich selbst, sondern sie machen sich auch Sorgen um ihre Geschwister, ihre Klassenkameraden. Zudem erleben sie, dass öffentliche Aktionen wie diese in Deutschland möglich sind, ohne Angst vor gewaltsamen Ausschreitungen haben zu müssen.






