Die Straßen Thüringens füllen sich am Donnerstagmorgen erneut mit Schülerinnen und Schülern, die sich lautstark gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht einsetzen. Die Städte Erfurt, Jena, Gotha, Weimar und Eisenach stehen dabei besonders im Fokus. Einige Jugendliche aus ländlicheren Regionen sind extra dafür angereist, so auch Helene aus Friedrichroda. Für die eigene Meinung sollte man auch einstehen können, daher beteiligt sie sich an der Demonstration in Erfurt.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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„Ich will nicht, dass mir, meinem Bruder, meinen Freunden, ein Jahr geklaut wird“, sagt die Elftklässlerin. An die Bundesregierung gerichtet hat sie klare Worte: „Das Mindeste, was man von Friedrich Merz erwarten könnte, ist, dass er außenpolitisch so kompetent ist, einen Krieg verhindern zu können.“

Schulstreik Erfurt zur Wehrpflicht 5.3.2026
Marlene ist aus Friedrichsroda nach Erfurt gekommen, um am Schulstreik teilzunehmen.© Funke Medien Thüringen | Sophia Klefisch

Bundeswehr sieht Diskussionen als wichtig an

Das von der Bundesregierung beschlossene Wehrdienstgesetz sieht ab 2026 vor, dass alle 18-Jährigen von der Bundeswehr kontaktiert werden. Männer müssen einen Fragebogen ausfüllen – Frauen können dies freiwillig tun. Alle Männer ab Jahrgang 2008 sind daher künftig bei der Bundeswehr erfasst und könnten theoretisch zu Wehr- oder Zivildienst einberufen werden, sollte die Wehrpflicht zurückkehren. Die CDU Thüringen will jetzt schon einen Schritt weitergehen und ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr für junge Menschen einführen.

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Die Bundeswehr selbst sieht die Demonstrationen ziemlich entspannt. Klaus Glaab, Kommandeur des Landeskommandos Thüringen, sagt: „Ich betrachte das überhaupt nicht als in irgendeiner Art und Weise kritisch, sondern als Gesamtteil einer großen Diskussion, die wir führen müssen.“ Seiner Auffassung nach könne Freiwilligkeit durchaus etwas bewirken bei jungen Menschen.

Schulstreik Erfurt zur Wehrpflicht 5.3.2026
Auf dem Bahnhofsvorplatz in Erfurt gibt es einige Ansprachen, bevor die Demonstration loszieht.© Funke Medien Thüringen | Sophia Klefisch

Schulstreik in Thüringen: Jugendliche haben Angst

Aber wie läuft ein Schulstreik rechtlich ab? Das Thüringer Bildungsministerium betont, dass Demonstrationen während der Unterrichtszeit grundsätzlich genehmigt werden können – doch nur, wenn die Eltern rechtzeitig einen entsprechenden Antrag stellen. Die jeweilige Lehrkraft entscheide, ob sie den Antrag durchwinkt. Bei größeren Aktionen liege die Entscheidung beim Staatlichen Schulamt. Ansonsten wird es als unentschuldigtes Fehlen eingetragen.

„Unsere Lehrer haben gesagt, macht das auf jeden Fall, steht für euch ein!“, erzählt Mathilde. In den vergangenen Tagen sei an ihrer Schule durch Flyer im Treppenhaus, Sticker und Kreidemalereien sehr deutlich auf die Aktion aufmerksam gemacht worden. „Davon hängt ja unsere Zukunft ab. Es sollte freiwillig sein.“ Die Siebtklässlerin und ihre zwei Freundinnen haben bereits im Dezember in Erfurt gegen die Wehrpflicht demonstriert. Elin denkt vor allem an ihre Familie: „Ich habe Angst, dass meinem Bruder dann was passiert.“

In Jena haben sich Angaben der Polizei und der Organisatoren nach etwa 1000 junge Menschen an der Demonstration beteiligt. So viele Demonstrierende waren auch in Erfurt angemeldet, hier zählten die Beamten allerdings nur rund 300. In Weimar kamen laut Polizei 450 Personen zusammen.