Das Ländle hat gewählt. Am Ende war es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Cem Özdemir, dem Grünen im schwarzen Gewandt, und Manuel Hagel, dem „jungen politischen Naturtalent der CDU“ (wie ihn Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt noch vor wenigen Monaten betitelte). Es war ein Rennen, das wenig Raum für wirklich spannende Wendungen ließ. Denn eines war schon zu Beginn des Wahlkampfes klar: Schwarz und Grün werden ihre Koalition fortsetzen.

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Dabei bot die Wahl durchaus genug Stoff für Reibung. Manuel Hagels Patzer im Wahlkampf – von seiner seltsamen Bemerkung über „rehbraune Augen“ bis hin zu peinlichen Wissenslücken in Umweltthemen – waren eine Einladung zum politischen Angriff. Doch Özdemir ließ ihn erstaunlich ungeschoren davonkommen. Keine Spitze, keine Schadenfreude, sondern ein nachsichtiger Schutz vor allzu heftigen Gegenreaktionen. Es wirkte so, als hätte sich Özdemir bereits in der Rolle des Regierungschefs gesehen, der seinen künftigen Koalitionspartner nicht verschrecken möchte.

Der große Schulterschluss zwischen Schwarz und Grün zeigt zumindest eins: Die politische Mitte, sie kann noch funktionieren, so lange sie sich nicht in Grabenkämpfen verliert. Das Grünen-Bashing, das auch in Thüringen als beliebtes Werkzeug eingesetzt wurde, hat in Baden-Württemberg nicht verfangen. Und allein das ist ein Gewinn der politischen Mitte – ganz egal, ob der Ministerpräsident nun Özdemir oder Hagel heißt.