Als vor einer Woche auf dem Rollfeld von Dover im US-Bundesstaat Delaware die ersten Särge der mittlerweile 13 im Iran-Krieg gefallenen US-Soldaten ausgeladen wurden, stand J.D. Vance ein paar Schritte hinter Donald Trump; stumm, fast unsichtbar. Der Vize des US-Präsidenten wirkte wie Statist in einer Szene, die eigentlich sein politisches Profil schärfen müsste. Aber hier knirscht es gerade.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Schon in den ersten Tagen nach Beginn der Bombardierungen blieb der sonst hyperaktive X-Account von Vance auffällig ruhig. Und: Während Trump den Angriff in einem improvisierten „Situation Room” von Mar-a-Lago aus verfolgte, musste Vance in Washington bleiben. Das Weiße Haus veröffentlichte ein Foto, das ihn mit etwas pikierter Miene in einer Nebenrunde zeigt; mit einer Dose seiner geliebten Diät-Mountain-Dew-Limonade auf dem Tisch.

Vance wechselt Kurs: Vom Skeptiker zum Befürworter des Angriffs
Das alles hat Gründe. Vance war ausgerechnet beim Thema Iran lange der Mann, der intern bremste. Noch Ende Februar hatte er öffentlich betont, Trump bevorzuge eine diplomatische Lösung. Vance bezeichnete sich in Interviews kurz vor Kriegsbeginn als „Skeptiker ausländischer Militärinterventionen“. Jetzt ist aus dem Skeptiker der Mit-Verkäufer des Krieges geworden. Das wirkt wie ein Rollenbruch. Noch im Wahlkampf 2024 hatte er beteuert, Amerikas Interesse liege „sehr viel“ darin, „nicht gegen den Iran in den Krieg zu ziehen“, weil: „massiv teuer“ und ein „enormer Verbrauch von Ressourcen“.
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Genau dieses Publikum – die „America First“-Fraktion – sieht nun, wie der Vize die Kehrtwende vollzieht. Als klar wurde, dass Trump gegen alle Warnungen gegen Teheran zuschlagen will, warb Vance für einen schnellen und harten Angriff, um den Iran davon abzuhalten, „zuerst anzugreifen”. Trump sagte später genüsslich, dass Vance „vielleicht weniger begeistert davon war, mitzufahren“, fügte aber schnell hinzu: „Aber er war ziemlich begeistert.“
Vance verliert Profil im Schatten von Trumps Dominanz
In Trumps Logik ein vergiftetes Kompliment: Der Kriegsgegner aus Ohio fiel sofort um, nachdem der Chef die Richtung vorgab: Krieg. Vance wirkt seither schwach, fast kaltgestellt. Weil Trump ganz allein entscheidet. Für Vance ist das mit Blick auf seine Präsidentschafts-Ambitionen 2028 riskant.
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Vance war der Non-Interventionist im Maßanzug. Genau deshalb hat ihn Trump als Brücke zur kriegsmüden Maga-Basis gebraucht. Jetzt ist der Anti-Kriegs-Flügel enttäuscht. Ob Vance damit seine Chancen verspielt, ist offen. Aber die Mechanik ist klar. Wenn der Krieg kurz bleibt, kann er als loyaler Teamplayer profitieren. Wenn der Krieg viele Wochen andauert, wirkt sein altes Versprechen („keine langen Kriege mehr“) wie Naivität. Oder Irreführung. Wenn es viele US-Opfer und nachhaltige Öl-Schocks gibt, klebt der Preis an allen Gesichtern der Regierung. Und der Vize erbt traditionell die Altlasten, selbst wenn er intern gezweifelt hat.
Das Magazin „The Altlantic” ist nicht allein mit der Einschätzung: Was Vance denkt, zählt im Weißen Haus „immer weniger“. In Umfragen würde er – Stand heute – 2028 mit sechs Prozentpunkten Rückstand gegen den kalifornischen Gouverneur Gavin Newsom verlieren.








