Als die Nachricht durchsickerte, dass US-Präsident Donald Trump und Nato-Generalsekretär Mark Rutte auf den üblichen Auftritt vor der Presse verzichten würden, war klar, dass zwischen Washington und Brüssel der Haussegen schiefhängt. Bei dem Gespräch im Oval Office des Weißen Hauses wiederholte der Präsident seine Drohung, das nordatlantische Verteidigungsbündnis zu verlassen. Grund dafür ist, dass in seiner Wahrnehmung die europäischen Mitgliedsländer den Krieg im Iran nicht unterstützt haben. Dennoch versuchte Rutte, gute Miene zum bösen Spiel zu machen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Ungewöhnlich war, dass Trump sich anschließend nicht der Presse stellen wollte. Dafür gab Rutte dem Fernsehsender „CNN“ ein Exklusivinterview. Und er versuchte erneut, eine schwierige Gratwanderung zu meistern: Auf der einen Seite seine Aufgabe, die Interessen der Nato wahrzunehmen. Auf der anderen Seite die Notwendigkeit, einem narzisstischen und überaus empfindlichen Präsidenten nach dem Mund zu reden.
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Trump von Nato „eindeutig enttäuscht“
„Der Präsident ist von einigen Ländern eindeutig enttäuscht“, sagte der hohe Gast aus Brüssel, „und ich verstehe ihn total“. Gleichzeitig habe er Trump aber daran erinnert, dass obwohl einige Nato-Mitglieder Unterstützung verweigert haben, „der mit Abstand größte Teil der europäischen Länder Stützpunkte zur Verfügung gestellt hat, Überflugrechte eingeräumt hat und seinen Verpflichtungen nachgekommen ist“.
Auch wies der Generalsekretär darauf hin, dass die Europäer ebenfalls verhindern wollen, dass der Iran in den Besitz von Atomwaffen kommt oder ballistische Langstreckenraketen entwickelt. In dem Gespräch mit Trump habe er auch die vom britischen Premierminister Keir Starmer gezimmerte Koalition betont, die auf eine Öffnung der Straße von Hormus hinwirken soll.
Unterdessen erweckte Rutte den Eindruck, dass sein Wunsch, den Gastgeber glücklich zu machen, schwerer wiegt als seine berufliche Funktion. So weigerte er sich partout, über Trumps Drohgebärden gegenüber der Nato zu sprechen. Dies, obwohl längst bekannt war, dass der Präsident im Weißen Haus wieder mit einem Austritt aus dem Bündnis kokettiert hatte. Auch sei es völlig falsch, dass die meisten Europäer den Iran-Krieg für illegal halten, betonte der Nato-Generalsekretär. Zu der Frage, was er von Trumps Drohung gehalten habe, „eine ganze Zivilisation auszulöschen“, schwieg sich Rutte aus. „Es war ein Gespräch zwischen Freunden, und ich habe große Bewunderung für Präsident Trumps Führungsstärke“, skizzierte er ein optimistisches Bild.
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Vorgeschmack auf hartes Gespräch
US-Regierungssprecherin Karoline Leavitt hatte bereits am Nachmittag einen Vorgeschmack darauf gegeben, was Rutte im Oval Office erwarten würde. Der Präsident habe eine klare Meinung zum nordatlantischen Verteidigungsbündnis, sagte Leavitt. „Die Nato wurde getestet, und sie hat versagt“, zitierte die Sprecherin den Präsidenten. „Es ist traurig, dass die Nato uns während der letzten sechs Wochen im Stich gelassen hat. Umso mehr, wenn man bedenkt, dass wir deren Verteidigung vollständig finanzieren.“
Experten meinen, dass Trumps Drohungen, aus der Nato auszutreten, diesmal ernst zu nehmen sind. „Der Präsident hat das Bündnis immer als Einbahnstraße und Bürde angesehen, und zwar völlig irrtümlich. Er hat die Nato noch nie gemocht“, erklärte Ivo Daalder, der ehemalige US-Botschafter bei der Nato. Trumps Aussagen hätten nun aber eine andere Qualität angenommen als während seiner ersten Amtszeit.
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Auch Rubio denkt an Austritt
Anders als früher ist auch, dass der Präsident diesmal mit seiner Meinung nicht alleine dasteht. „Auch Außenminister Marco Rubio stellt heute die US-Mitgliedschaft in Frage“, sagte Daalder. „Das ist derselbe Marco Rubio, der als Senator behauptet hat, dass ein Präsident niemals ohne die Zustimmung des Kongresses das Bündnis verlassen darf.“ Der Diplomat erinnert auch daran, dass der Senator während Trumps erster Amtsperiode eine Gesetzesänderung durchsetzte, die einen Nato-Austritt praktisch unmöglich machte. Demnach müsste zunächst der Senat mit einer Zweidrittelmehrheit sein Einverständnis erklären.












