Liebe Leserin, lieber Leser,
stellen Sie sich vor, Sie liegen frisch operiert im Aufwachraum einer Klinik und hören, sobald Sie zu Bewusstsein kommen, dass zwei Ärzte über Ihre Figur lästern. So ist es einer Bekannten von mir ergangen. Dabei hält sie sich fit und ist grundsätzlich gesund.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Derartige unangebrachte Kommentare sind offenbar Alltag in Deutschlands Kliniken. Und zwar nicht nur gegenüber Patientinnen und Patienten. Auch junge Ärztinnen und Ärzte leiden unter Mobbing, Machtmissbrauch und Belästigung. Das geht aus einer Umfrage des Marburger Bundes unter 9000 angestellten Medizinern hervor.
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Machtmissbrauch in Kliniken: Was eine Chirurgin in ihrem Alltag erlebt
Stephanie Weltmann, Sophie Sommer und Laura Lindemann haben die Studie unter die Lupe genommen und Betroffene gesprochen. Etwa die Ärztin Nicole S., die in die Männerdomäne Chirurgie eindrang. Als sie schwanger wurde, verschärfte sich der respektlose Umgangston ihr gegenüber. Und als junge Mutter wurden ihr plötzlich für die Karriere wichtige Eingriffe nicht mehr zugetraut.
Im Klinikalltag brauchen also Frauen immer noch ziemlich kräftige Ellbogen und jede Menge Resilienz, um sich durchzusetzen. Glücklicherweise gelingt das immer mehr Ärztinnen. Ich setze darauf, dass sich der Trend verstärkt. Schließlich werden die Medizinberufe immer weiblicher. Für Chefärzte mit der Attitüde „Halbgott in Weiß“ hat dann hoffentlich der Nachwuchs nur noch ein Schulterzucken übrig.

Mit Absicht kinderlos? Für den Kreml sind diese Frauen psychisch krank
Was die Umfrage auch zeigt: Die Mutterschaft ist im Medizinbetrieb immer noch ein Karrierekiller. Wenn Frauen aber aus Karrieregründen auf Kinder verzichten, wird ihnen von der Gesellschaft gern Egoismus vorgeworfen. Der Kreml in Moskau geht noch weit darüber hinaus: Russland zwingt Frauen, die keine Kinder wollen, sich psychiatrisch behandeln zu lassen. Das berichtet unser Korrespondent Jo Angerer.
Hintergrund: Putin gehen für seine Feldzüge die Soldaten aus. Lesen Sie hier, was eine Frau aus Sewastopol erlebte, die auf Social Media die Vorzüge ihrer Kinderlosigkeit aufzählte. Dass Frauen aus purer Armut lieber keine Kinder wollen – das ist für den Kreml jedenfalls kein Thema.
Den Luxus Kindererziehung wollen sich in Japan immer weniger Frauen leisten
In Japan grenzt es schon an Luxus, ein Kind großzuziehen. Mangels Kinderbetreuung hören die Mütter meist auf zu arbeiten, wenn sie schwanger werden. Hinzu kommen hohe Gebühren für Schule und die übliche Nachhilfe. Die Konsequenz: Immer weniger Frauen sind bereit, eine Familie zu gründen. Entsprechend drastisch schrumpft die Bevölkerung – mit allen wirtschaftlichen Konsequenzen.

Familien sollen nun von einer Extrasteuer profitieren. Das Geld daraus wird in die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gesteckt. Kinderlose, die zahlen und nichts davon haben, fühlen sich bereits benachteiligt, erzählt unser Korrespondent Felix Lill. Tatsächlich hat sich selbst in Japan die Gesellschaftsstruktur überholt, wonach der Mann das Geld reinbringt und die Frau sich um die Kindererziehung kümmert.
Orban ist abgewählt – und das sorgt für Aufbruchstimmung
Apropos Gesellschaft: Es ist gar nicht so leicht, eine Demokratie zu zerstören. Das hat die jüngste Wahl in Ungarn gezeigt. Obwohl Viktor Orban seit 15 Jahren versucht, das Land in eine Autokratie zu verwandeln, musste er sich jetzt dem Wahlergebnis beugen. Die Menschen im Land haben ihn einfach abgewählt, und zwar mit Pauken und Trompeten. In der Europäischen Union müssen die Champagnerkorken geknallt haben. Denn sie ist jetzt den größten Blockierer los. Ich bin gespannt, ob der gewählte Nachfolger Peter Magyar die Erwartungen, die in ihn gesetzt werden, erfüllt. Ist er wirklich die Hoffnung Europas? Thorsten Knuf ist da skeptisch. Wenigstens sorgt er mit seiner Jugendlichkeit, seinem frischen Auftreten für Aufbruchstimmung.
Zurück zu Orban: In der Hauptstadt Budapest bekommt der schwulenfeindliche Noch-Präsident schon länger Gegenwind vom Bürgermeister Gergely Karacsony. Der setzte sich über ein Pride-Verbot nicht nur hinweg, sondern führte die Parade der LGBT-Community sogar an. Nun geht die ungarische Staatsanwaltschaft gegen ihn vor. Karacsony ist damit das beste Beispiel für progressive Politiker, die die Rathäuser von Metropolen stürmen, während das Land konservativ oder gar rechtspopulistisch regiert wird. Aino Akay hat sich diesem Trend gewidmet. Lesen Sie hier, wie coole Politiker in New York, Paris und neuerdings auch in München einen außergewöhnlichen Gegentrend hinlegen.
Ein Gegentrend, den übrigens auch die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni zu spüren bekommt. Die Frontfrau der Bewegung ist Silvia Salia, die linke und ausgesprochen charismatische Bürgermeisterin von Genua.

Vor ihrer politischen Karriere war sie olympische Hammerwerferin. Nun könnte sie an der Spitze der Linken die gefährlichste Gegnerin Melonis werden, schreibt unsere Korrespondentin Micaela Taroni.
Trump und die Katholiken: Das geht nicht mehr lange gut
All diese Beispiele zeigen: Der globale konservative bis rechtspopulistische Trend ist nicht in Stein gemeißelt. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie es mit Donald Trump weitergeht. Derzeit ist er auf bestem Wege, Teile der größten Anhängerschaft zu verlieren. Viele Katholiken haben ihn gewählt, jetzt vergrault er sie mit seinen Angriffen auf den Papst, der Frieden anmahnt. Trumps Posts auf seiner Plattform Truth Social mit KI-generierten Bildern, auf denen er sich als Messias inszeniert oder die ihn zusammen mit Jesus zeigen, verstören jedenfalls viele. Das kann für Trump zum Desaster werden, findet unser Washington-Korrespondent Dirk Hautkapp. Melanie Aman, unsere Chefredakteurin Digital, fasst es beim TV-Talk „Maischberger“ so zusammen: Vieles sei Trump verziehen worden, die Affäre mit einer Porno-Darstellerin, „Grab them by the pussy“, sogar der Fall Epstein. „Aber jetzt ist der Spaß vorbei bei Jesus.“

Ich gebe ja schon lange die Hoffnung nicht auf, dass Trump sich mit seiner Überdrehtheit selbst abschafft. Zumal ich gerade im Radio gehört habe, dass die Zahl der Menschen in den USA, die zum Katholizismus konvertieren, derzeit so hoch ist wie lange nicht.
E-Autos: Das können deutsche Konzerne inzwischen
Die für mich größte Überraschung in dieser Woche lieferte Hildegard Müller, die Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Die deutschen Autobauer „haben bei der E-Mobilität in vielen Märkten einen höheren Anteil als am Gesamtmarkt“, sagte sie unserer Redaktion. Echt jetzt? Ausgerechnet deutsche Autos, denen doch seit Jahren nachgesagt wird, beim technischen Fortschritt nicht mit den Asiaten mithalten zu können? Theresa Martus und Jörg Quoos haben die Zahlen des VDA genauer unter die Lupe genommen. Demnach machen VW, BMW und Mercedes enorme Fortschritte beim Verkauf von E-Autos, auch wenn die Konkurrenz aus China groß bleibt.

Bei den deutschen Autobauern ist also endlich angekommen, dass der E-Mobilität die Zukunft gehört. Das ist ist doch mal eine gute Nachricht! Sollte sich der Kerosin-Mangel, vor dem in dieser Woche Fatih Birol, Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), gewarnt hat, zuspitzen und sollten die Spritpreise langfristig hoch bleiben, dann werden das auch die Konsumenten erkennen. Ich freue mich jetzt schon auf die bessere Luft in den Städten. Erst recht, wenn der Strom für die Autobatterie mit der eigenen Solaranlage produziert wird.
Ich werde jedenfalls von meinem E-Moped den Winterdreck abwaschen, denn es wird Zeit für den ersten Trip in diesem Jahr. Die Batterie lade ich einfach alle 70 Kilometer in der Wohnung auf.
Ich hoffe, auch Sie haben Pläne für diesen Sonntag, die Ihnen Spaß machen. Es grüßt sie herzlich
Ihre Birgitta Stauber





