Liebe Leserin, lieber Leser,

ich liebe dieses Frühsommer-Gefühl. Bevor die große Hitze kommt, döse ich gern im Liegestuhl, höre dieser Mischung zu aus Kindergeplapper vom Spielplatz nebenan, Vögelgezwitscher, Taubengurren und aus der Ferne Autobahnrauschen. An diesem wunderbaren Samstag hätte ich das Handy weglegen sollen. Es gab immer wieder Warntöne von sich, die ich aktiviert hatte, um keine Eilmeldung zu verpassen. Ich schreckte bei jedem Klingeln und Brummen hoch, schließlich erwartete ich entscheidende Meldungen in diesen Krisenzeiten. Doch ich las Schlagzeilen wie: Timmy ist frei. Timmy schwimmt aus eigener Kraft. Timmys Peilsender gibt Töne von sich.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Ich muss zugeben: Schon vor einigen Wochen wollte ich den Buckelwal sterben lassen. Lasst das arme Tier in Ruhe, schrieb ich in einem Kommentar. Doch die deutsche Seele hörte nicht auf mich, warum sollte sie auch? Timmys Leid bietet Spannung und Hoffnung, lässt Gefühlen freien Lauf und ist doch unverfänglich. Überlebt der Buckelwal – oder überlebt er nicht? Das ist die große wie einfache Frage dahinter. Und je nachdem, wie es ausgeht, mögen wir traurig oder froh sein. Aber unser Alltag, unser Leben hängt nicht vom Überleben eines Buckelwals ab. Hier in unserem Timmy-Ticker können Sie erfahren, wie erfolgreich die Aktion verläuft.

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Ein Tier wie Timmy und sein Schicksal: Warum darauf Menschen stark reagieren

Auch wenn wir noch so emotional aufgeladen sind: Beim Bangen um Timmy schwingt auch eine gewisse Leichtigkeit mit. Vielleicht genießen wir deswegen die Nachrichten um ihn herum so. Es lenkt ab vom Krieg in Gaza, im Libanon, nun auch im Iran. Von der Komplexität des Nahen Ostens, die mir den Hals zuschnürt. Der Krieg in der Ukraine, dessen Ende nicht absehbar ist. Diese selbst ernannten Feldherren, deren Machtstreben, Eigenliebe und Eitelkeit die ganze Welt in die Zange nehmen.

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Birgitta Stauber, Textchefin© Montage | FMG/Reto Klar/FFS

Was sagt es über eine Gesellschaft aus, wenn so viele Menschen durchdrehen, weil ein Tier leidet? Meine Kollegin Marta Ways hat darüber mit dem Biopsychologen Peter Waschburger gesprochen. Menschen reagierten besonders stark auf sinnlich begreifbare Einzelschicksale, erklärte ihr der Professor der Freien Universität. Lesen Sie hier das spannende Interview, in dem der Experte unsere Volksseele analysiert.

Die Hippos des legendären Pablo Escobar vermehren sich prächtig

Fressen oder lieben: So geht der Mensch mit Tieren nun mal um. Dazwischen liegen noch der Nutzen und auch Angeberei. Wem gehört das größte/teuerste/exotischste Tier? Wer hat so viel Platz, dass er sogar einen ganzen Zoo auf seinem Grundstück beherbergen kann? Der legendäre kolumbianische Drogenboss Pablo Escobar jedenfalls importierte einst vier Flusspferde ins Land. Denn er wollte den größten privaten Zoo haben. Nachdem ihn die Polizei 1993 erschoss, kümmerte sich niemand mehr um die Dickhäuter. Die fraßen und vermehrten sich prächtig, ihnen rückte auch niemand zu Leibe.

Flusspferde in Kolumbien
Flusspferde schwimmen in der Lagune im Hacienda-Nápoles-Park – dem ehemaligen Privatanwesen des Drogenbarons Escobar, der vor Jahrzehnten drei weibliche und ein männliches Nilpferd importierte. © Fernando Vergara/AP/dpa | Fernando Vergara

Inzwischen ist daraus eine Herde von 160 Tieren geworden. Und die will das Land loswerden, denn die Kokain-Hippos, wie sie der Volksmund nennt, bedrohen mit ihrer Gefräßigkeit das Ökosystem. Nun will sie der Sohn aus der Ambani-Dynastie zu sich nach Indien holen. Es handelt sich um Anant Ambani, Sohn des siebtreichsten Mannes der Welt. Mein Kollege Nico Matura hat die Geschichte der Kokain-Hippos recherchiert. So viel kann ich schon mal verraten: Anant Ambani hat 3500 Hektar Platz.

Wie ein lebendiger Teppich: Mäuseplage in Australien

Zu viel von einer Sorte ist eben nicht gut, das bekommen die Bauern im australischen Westen derzeit zu spüren. Dort hält eine Mäuseplage die Menschen in Atem. Millionen Nager fressen sich durch den Raps auf den Feldern wie durch die Matratzen in den Schlafzimmern. Im Scheinwerferkegel der Autos bilden sie nachts einen lebenden Teppich. „Es ist wie in einem Horrorfilm“, schreibt unsere Korrespondentin Barbara Barkhausen. Mit klassischen Fallen und Gift kann diese Plage jedenfalls nicht bekämpft werden.

Mäuselöcher
Mäuse fressen das frisch ausgesäte Saatgut direkt aus dem Boden.© HO | Belinda Eastough

Gut für die Mäuse, mögen extreme Tierschützer nun denken. Bei dieser Gelegenheit biete ich Ihnen gerne wieder eine Geschichte aus dem Buch Berliner Absurditäten. In einem Neuköllner Kiez verbreiten sich derzeit Ratten so rasant, dass es in den Hochbeeten, zwischen Baumstämmen und im Gebüsch nur so von ihnen wimmelt. „Die ganze Grünanlage bewegt sich“, sagt eine Anwohnerin Berlin-Reporterin Hannah Köllen. Diesmal ist weniger den Behörden ein Vorwurf zu machen. Denn die Schädlingsbekämpfer sind durchaus aktiv. Doch radikale Tierschützer stehlen Köderboxen oder zerstören die Fallen mit Bauschaum.

Verhandeln? Das können die Revolutionsgarden besser

Doch zurück zu den großen Krisen. So wie es aussieht, würde Donald Trump den Iran-Krieg wohl gerne mit erhobenem Kopf beenden. Doch was derzeit bei den Verhandlungen rund um das Atomprogramm der Islamischen Republik passiert, fasst unser Washington-Korrespondent in seinem Kommentar so zusammen: „Noch nie ist Trump so gedemütigt worden.“ Denn Teheran sei alles andere als gebrochen und diktiere stolz und stur die Bedingungen: keine weiteren Gespräche, bis die USA die Blockade an der Straße von Hormus aufheben.

Führte viele schwierige Verhandlungen: der deutsche Diplomat Wolfgang Ischinger. Bei Gesprächen mit Vertretern des Mullah-Regimes platzte ihm der Kragen.
Führte viele schwierige Verhandlungen: der deutsche Diplomat Wolfgang Ischinger. Bei Gesprächen mit Vertretern des Mullah-Regimes platzte ihm der Kragen. © AFP | ODD ANDERSEN

Der erfahrene Diplomat Wolfgang Ischinger weiß, woran das liegt. Im Interview, das Madeleine Janssen mit ihm führte, gibt der frühere Chef der Münchner Sicherheitskonferenz Einblick in die schwierigsten Verhandlungen seiner Karriere: Dabei ging es um die Freilassung eines deutschen Geschäftsmannes, dem die Todesstrafe drohte. Die Verhandlungspartner gehörten einer selbstbewussten, hochgebildeten Elite an, die genau wisse, wovon sie rede, erinnert sich Ischinger. Alle Details unseres Rechtssystems hätten sie gekannt und sämtliche Verhandlungstricks ausgespielt. „Ich biss immer wieder auf Granit“, so Ischinger. Ganz am Ende wollten ihn die Iraner dann über den Tisch ziehen, doch ihm platzte der Kragen.

Was ist dagegen die Trump-Rhetorik mit kurzen Sätzen und einem begrenzten Wortschatz? Und wen wundert es, wenn Trumps Verhandler Steve Witkoff und Jared Kushner dieser Komplexität nicht gewachsen sind?

Bleibt Hormus dicht, droht eine globale Hungerkrise

Es bleibt wohl vorerst dabei: An der Straße von Hormus geht nichts mehr. Und so stecken nicht nur Öl und Gas fest, was unsere Energiepreise in die Höhe treibt, sondern auch Düngemittel, genauer: Millionen Tonnen Kunstdünger. Ärmere Länder brauchen ihn dringend, und den Industriestaaten hilft er, billig Mais, Soja und Raps zu produzieren.

Amhara Region, kleines Maedchen isst Obst
Kinder sind von Hungerkrisen besonders betroffen. © picture alliance / Bildagentur-online | Sunny Celeste

Die Welthungerhilfe befürchtet nun heftige Ernteausfälle und rasant steigende Lebensmittelpreise. Die Folge könne eine globale Hungerkatastrophe sein, warnt die Expertin Miriam Wiemers. Der Krieg am Golf zeigt, wie verwundbar das globale System ist, fasst meine Kollegin Gudrun Büscher zusammen.

Neuer Podcast „Länger leben“

Zum Schluss freue ich mich ganz besonders, Ihnen unseren neuen Podcast „Länger leben“ zu empfehlen. Longevity-Doc Felix Bertram erklärt darin ab sofort jede Woche, wie er sich um fünf Jahre verjüngte. „Er wird uns wieder mal alles verbieten“, dachte ich, bevor ich die erste Folge hörte. Aber weit gefehlt. Vielmehr schärft er das Bewusstsein für das, was uns nicht guttut.

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Podcastempfehlung: Länger Leben
Fit & Gesund mit Professor Froböse
 

Was ich gelernt habe? Jede Bewegung, und sei sie noch so klein, ist besser als gar keine Bewegung. Und ich werde achtsamer mit meinem Stresslevel umgehen. Dazu gehört vor allem der gute Schlaf. Bestimmt nehmen auch Sie etwas aus dem Gespräch zwischen dem Experten und meiner Kollegin, Natalja Fischer, mit. Das tolle Frühsommerwetter ist jedenfalls bestens geeignet, den gewohnten Trott zu verlassen.

Wie immer wünsche ich Ihnen einen erholsamen Sonntag,

Ihre Birgitta Stauber