Ein einziges Video des israelischen Ministers Itamar Ben-Gvir hat einen wahren diplomatischen Eklat ausgelöst. Auf dem Video, das auf der Plattform X gepostet wurde, ist die erniedrigende Behandlung propalästinensischer Aktivisten – darunter viele europäische Staatsangehörige – zu sehen. Und mittendrin Itamar Ben-Gvir, der darüber johlt.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Mindestens acht Staaten, darunter Frankreich und Italien, beriefen die israelischen Botschafter zum mahnenden Gespräch ein. Mehr als 30 Länder äußerten Kritik und nahmen Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu in die Pflicht – darunter auch Israels engster Verbündeter, die USA.

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Israel: Video zeigt Aktivisten gefesselt und der Sonne ausgeliefert

Auf dem Video sieht man Dutzende Aktivisten der sogenannten Global Sumud Flotilla, die zuvor vom israelischen Militär in internationalen Gewässern gekapert und nach Israel gebracht worden waren. Die Bilder zeigen, wie die Aktivisten gezwungen werden, in einem Hafenareal auf dem Boden zu kauern – Hände am Rücken gefesselt, Gesicht Richtung Boden, in der prallen Sonne. Zum Teil ist die Haut mancher Aktivisten sichtbar sonnenverbrannt. Aus den Lautsprechern schallt die israelische Nationalhymne.

Und Ben-Gvir, Israels Minister für nationale Sicherheit, schlendert durch das Areal, schwenkt eine Israel-Fahne und ruft: „Willkommen in Israel! Wir sind hier die Hausherren!“ Als einer der Gefängniswärter in der Halle eine Aktivistin gewaltsam zu Boden drückt, sagt Ben-Gvir: „Guter Job!“ Bis Donnerstagnachmittag hatte das Video auf der Plattform X mehr als 16 Millionen Views. Gepostet wurde auf Ben-Gvirs X-Profil mit dem Beisatz „So nehmen wir Terrorunterstützer in Empfang.“

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Empörung auch in Israel über Ben-Gvirs Video

Ben-Gvirs Verhalten überraschte in Israel niemanden. Dass er die Erniedrigung anderer für die eigene Reichweite nutzt, ist typisch für ihn. Dennoch sorgte das Video auch in Israel für Entsetzen. Die Debatte drehte sich vor allem um den großen Imageschaden für den Staat Israel.

So erklärte etwa der Netanjahu-Herausforderer Naftali Bennett, dass das Video ein Symptom für die schlechte PR-Politik der aktuellen Regierung sei. Sollte er an die Macht kommen, würde er eine zentrale Schaltstelle schaffen, über die die gesamte öffentliche Kommunikation der Regierung laufen würde, kündigte Bennett an. Zum erniedrigenden Umgang mit den Aktivisten äußerte sich Bennett nicht.

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Netanjahu distanziert sich von Ben-Gvirs Umgang mit Flottillen-Aktion

Die internationale Aufregung veranlasste schließlich auch Netanjahu selbst, sich von Ben-Gvirs Verhalten zu distanzieren.
„Israel hat jedes Recht, provokative Flottillen von Hamas-Terroristenanhängern daran zu hindern, in unsere Hoheitsgewässer einzudringen und den Gazastreifen zu erreichen. Die Art und Weise, wie Minister Ben-Gvir mit den Flottillenaktivisten umgegangen ist, entspricht jedoch nicht den Werten und Normen Israels“, sagte Netanjahu.

Ben-Gvir war der Chef einer rechtsextremen Kleinpartei in der Opposition, bevor Netanjahu ihn vor vier Jahren in seine Regierung holte und mit einem Ministerium ausstattete, das ihm die Kontrolle über Polizei und Gefängnisse gibt.