Markus Söder übt sich in tiefer Loyalität zum Bundeskanzler. Wie schon vor einer Woche im ZDF hat er am Sonntagabend (2. August) im ARD-Sommerinterview den großen Schulterschluss zu Friedrich Merz (CDU) demonstriert. Geraune über einen möglichen Kanzlersturz nach verkorksten Landtagswahlen im Herbst bezeichnete Söder als abwegig. „Wir müssen etwas tun für unser Land, stattdessen wird viel zu viel gequatscht. Wir müssen weniger spekulieren und mehr arbeiten“, so der bayerische Ministerpräsident.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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„Ich bin fest überzeugt davon: Der Kanzler bleibt.“ Verfassungsrechtlich gehe ein Sturz nur über ein konstruktives Misstrauensvotum, die Folge könnten Neuwahlen sein, bei denen „die Radikalen“ an die Macht kämen. Handwerkliche Fehler bei Merz, nach denen Journalistin Anna Engelke ihn fragte, will Söder auch beim missglückten Kabinettswechsel nicht erkennen. Bei dem hatte Merz zunächst keinen Nachfolger für den geschassten Bundesverkehrsminister präsentieren können, weil sein Wunschkandidat ihm kurzfristig absagte. Dafür könne Merz nichts, meinte Söder. „Merz ist stabil und stark.“
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Streit um die Rente? Söder zeigt sich „überrascht“
Auch beim neuen Aufregerthema in der Union, dem Veto von drei ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten gegen ein Ende der abschlagsfreien Rente nach 45 Jahren, wich Söder nicht vom Mainstream der Union ab. Die Äußerungen der Drei – „etliche Wochen“ nach dem Beschluss – hätten ihn überrascht. Man habe die Vorschläge der Rentenkommission eins zu eins übernommen, um einen langen Rentenfrieden vorzubereiten. Dabei solle es bleiben. Es bestehe sonst die Gefahr, dass das ganze Rentenpaket wieder aufgeschnürt werde. Deutschland werde nicht erfolgreich sein, wenn weniger gearbeitet und früher in Rente gegangen werde.
Dem „Handelsblatt“ hatte Söder schon vor einigen Tagen berichtet, dass er „nicht mehr Kanzler“ werden wolle. In der ARD nun beschrieb er seine Rolle in Bayern als „Manager und Stabilisator der Demokratie“. Dass die CSU bei der jüngsten Kommunalwahl das schlechteste Ergebnis seit den 50er Jahren eingefahren hat, wollte er so nicht stehen lassen. Die CSU sei immer noch der größte Stabilitätsfaktor im Land, sie habe ihren Stimmenanteil fast gehalten, Grüne, SPD und Freie Wähler hätten verloren, die AfD aber „stark zugelegt“. Das Erstarken der Rechtspopulisten sei ein europäisches sowie ein nationales Phänomen.
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„Die AfD wird radikaler, radikaler, radikaler“, meinte Söder. Man dürfe sie nicht kopieren, es gebe aber Mittel, die Wähler von der AfD zurückzugewinnen. Die Migrationswende sei geschafft, allerdings habe sich „im Stadtbild wenig verändert“. Es gebe noch viele Personen in Deutschland, die kein Aufenthaltsrecht hätten, sie gelte es, zurückzuführen.
Nur kurz gestreift wurde im Interview die Sorge um die Autoindustrie, die mit dem angekündigten Stellenabbau von 8000 bei BMW auch den Freistaat empfindlich trifft. Söder verteidigte sein Streiten für ein flexibleres Verbrennermotoren-Ende. Zwar setzte China auf die E-Mobilität, aber in den USA würden Verbrenner auch weiterhin verkauft. Was die EU da für den Verbrenner vorgelegt habe, so Söder, reiche aber noch nicht aus. Bayern sei das „sicherste, stärkste und innovativste“ Bundesland, bemerkte Söder.
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Ilse Aigner als Bundespräsidentin? Söder weist Kritik zurück
Eine indirekte Frage danach, ob Söder sich mit seinem Einsatz für Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) als Bundespräsidentin vielleicht einer Konkurrentin in der bayerischen Politik entledigen wolle, wies Söder entrüstet zurück. „Wir spielen im Team. Jeder auf seinem Platz.“ Ihn habe gefreut, dass auch die SPD positive Signale zur Kandidatur von Ilse Aigner gesendet habe und auch, dass der Kanzler sie als „respektabel“ gelobt habe.
Was die CDU jetzt in der Kandidatenfrage mache, das müsse man abwarten. Aber sich mit der CDU zu einigen, das sei „nicht immer ganz einfach“, meinte Söder am Ende des Gesprächs. Es blieb der einzige kleine Nadelstich, den der CSU-Vorsitzende seiner Schwesterpartei versetzte.





![Friedrich Merz (CDU) und Bärbel Bas (SPD) im Juni im Bundeskanzleramt. Pressekonferenz [press conference] nach der ?bergabe des Berichts der Altersicherungskommission zur Rentenreform in Berlin](https://img.sparknews.funkemedien.de/413277497/413277497_1790592399_v16_9_1200.jpeg)




