Seltene Begegnung im politischen Washington: Jared Kushner, Schwiegersohn Donald Trumps und einer seiner wichtigsten externen Berater, traf sich in den vergangenen Wochen in New York mit Hakeem Jeffries, dem demokratischen Minderheitsführer im Repräsentantenhaus. Zwei Männer, die öffentlich auf gegnerischen Seiten des Wahlkampfs stehen, suchten privat nach Gemeinsamkeiten, präventiv sozusagen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Gesichert ist: Das Treffen fand in einem Raum statt, den ein gemeinsamer Bekannter vermittelte. Besprochen wurden Themen wie Wohnen, Einwanderung und die hohen Lebenshaltungskosten. Kushner regte außerdem an, Jeffries solle sich mit Trumps Stabschefin Susie Wiles treffen. Was darüber hinaus zur Sprache kam, ist bislang nicht bekannt. Weder das Weiße Haus noch Kushners Umfeld haben das Gespräch öffentlich erläutert.
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USA: Bei „Midterms“ könnten Demokraten das Repräsentantenhaus zurückgewinnen
Gerade deshalb ist der Zeitpunkt politisch interessant. Die „Midterms” im Kongress sind nur noch gut zwei Monate entfernt, und die Demokraten haben realistische Chancen, das Repräsentantenhaus zurückzuerobern. Der Cook Political Report sieht sie derzeit knapp favorisiert; in rund drei Vierteln seiner modellierten Szenarien erreichen sie die Mehrheit. Jeffries wäre dann der wahrscheinlichste nächste Speaker.
Dass Mike Johnson, der amtierende republikanische Sprecher und enge Trump-Verbündete, von Kushners Kontaktaufnahme offenbar nichts wusste, gibt der Sache zusätzliche Schärfe. Auf Fox News sagte Johnson: „Ich weiß nicht, worum es dabei geht.“ Kushner sei nicht wirklich in das Tagesgeschäft der Regierung eingebunden. Das klingt nach Distanzierung – und nach einem Mann, der nicht gern aus der Öffentlichkeit erfährt, dass hinter seinem Rücken bereits Gesprächskanäle zu seinem möglichen Nachfolger gelegt werden.
Der Druck wächst
Kushner wiederum wäre für eine solche Sondierung typisch Trump: Familienmitglied, loyal, diskret, außerhalb offizieller Zuständigkeiten. In Trumps erster Amtszeit hatte er mit Jeffries bereits bei der Strafrechtsreform zusammengearbeitet. Beide hielten danach Kontakt. Wer also testen will, ob nach einer demokratischen Machtübernahme noch Gesetzgebung möglich wäre, findet kaum einen unauffälligeren Kanal.
Für Jeffries ist das riskanter. In der eigenen Partei wächst der Druck, eine neue Mehrheit vor allem für harte Untersuchungen gegen Trump, dessen Familie und Geschäftsinteressen zu nutzen. Kritiker fragen deshalb, warum Jeffries ausgerechnet mit Kushner spricht, der selbst wegen seiner Geschäftsbeziehungen zu Golfstaaten im Fokus demokratischer Untersuchungen steht.
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USA: Kushner könnte Gesprächskanäle ausloten
Jeffries verteidigt den Kurs indirekt: Gespräche seien möglich, sagte er sinngemäß, aber nur bei substanziellen Zugeständnissen, etwa bei den Lebenshaltungskosten.
Vielleicht war das Treffen also weniger Pakt als Versicherungspolice. Kushner könnte ausloten, ob Trump nach einer Niederlage im Repräsentantenhaus noch einen arbeitsfähigen Kanal zu Jeffries besitzt. Jeffries wiederum könnte testen, ob es im Trump-Lager jemanden gibt, der jenseits der öffentlichen Beschimpfungen noch verhandeln kann. Falls die Demokraten am 3. November gewinnen, wäre aus einem merkwürdigen New Yorker Treffen plötzlich Vorarbeit für Washingtons nächste Machtordnung geworden.








