Im Erfurter Stadtrat gibt es mit Philippe Wolff jetzt einen SPD-Baudezernenten von Gnaden der AfD. Das führt am Tag danach nicht nur zu Rücktrittsforderungen aus den Reihen der anderen Fraktionen. Auch der SPD-Landesvorsitzende Georg Maier ist zu Recht fassungslos.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Maier setzt sich seit Langem für ein AfD‑Verbotsverfahren ein, deren Landesverband in Thüringen als gesichert rechtsextrem eingestuft wird. Im Landtag betont der Innenminister zudem stets, dass man mit der Rechtsaußenfraktion keine gemeinsame Sache machen dürfe. Mehrheiten sucht sich die Minderheitskoalition daher mit den Linken. Aber wie will Maier weiter glaubhaft als Kämpfer gegen den Faschismus auftreten, wenn ein kommunaler Wahlbeamter auf die Haltung des Parteivorsitzenden pfeift?

Und CDU-Oberbürgermeister Andreas Horn? Der ist zwar mit dem von ihm vorgeschlagenen SPD‑Mann Wolff erfolgreich gewesen. Aber als Gewinner kann sich auch der Christdemokrat nicht fühlen. Horn hat zwar versucht, eine Mehrheit jenseits der AfD zu organisieren, sich aber bei den anderen Fraktionen überwiegend einen Korb geholt. Deshalb war auch ihm bewusst, auf welch gefährliches Spiel er sich einlässt.

Wer die Stadtratssitzung mitverfolgte, konnte irgendwann nur noch ungläubig mit dem Kopf schütteln. Wenn das Thema nicht so ernst wäre, hätte man an eine Sitcom denken können, die den politischen Betrieb persifliert und in der vor allem Dilettanten als Protagonisten gecastet wurden.

Sehenden Auges haben am Ende alle Fraktionen, auch Linke, Grüne und Mehrwertstadt, das Chaos mitverschuldet. Die Brandmauer zur AfD hat längst mehr als nur ein paar Risse.