Ist es die nächste Eskalationsstufe im Nahostkonflikt? Nach einem Angriff auf israelische Staatsbürger, bei dem zwei Soldaten im völkerrechtswidrig besetzten Westjordanland starben, hat Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu eine komplette Abriegelung des Palästinensergebiets in Aussicht gestellt. Er habe die israelischen Sicherheitskräfte angewiesen, sich auf die Abriegelung des gesamten Westjordanlandes im Laufe des Tages vorzubereiten und einen Sperrgürtel um die Stadt Hebron zu errichten, hieß es am Freitagvormittag. Viele israelische Kontrollpunkte in der Region sollen bereits geschlossen sein.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Nach einer Lagebesprechung unter anderem mit Verteidigungsminister Israel Katz und Generalstabschef Ejal Zamir habe Netanjahu bereits die Abriegelung der Stadt Hebron angewiesen, hieß es weiter. Der Ankündigung war ein Angriff mit Schusswaffen in der Nähe von Hebron im Westjordanland am Morgen vorausgegangen. Dabei wurden Militärangaben zufolge zwei Soldaten getötet und drei weitere verletzt. Die zwei mutmaßlich palästinensischen Täter aus Hebron wurden getötet.
Israelische Soldaten töten zwei Angreifer im Westjordanland
Die Sicherheitskräfte hätten dadurch einen „schweren Anschlag“ verhindert, sagte Netanjahu nach Angaben seines Büros weiter. Israels Einsatzkräfte führen demnach „umfangreiche Verhaftungswellen“ durch. „Wir werden die Hamas-Terroristen und ihre Auftraggeber überall und jederzeit verfolgen.“ Ob die beiden mutmaßlichen Täter Mitglieder der Hamas waren, war zunächst unklar.
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Die Terrororganisation Hamas lobte „die heldenhafte Aktion in Hebron“, reklamierte sie aber nicht explizit für sich.
Präsident Izchak Herzog sprach von einem „abscheulichen Terroranschlag“. Auch er sagte, dass Soldaten „einen großangelegten Anschlag sowie eine weitaus größere Tragödie“ verhindert hätten.
Hamas lobt „heldenhafte Aktion“ – Netanjahu will „Terrorinfrastruktur“ zerstören
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte laut Angaben seines Büros am Nachmittag am Ort des Geschehens zudem, das Militär werde nun in die Viertel der Stadt, aus denen die Täter stammten, eindringen, dort Häuser durchsuchen und „Terrorinfrastruktur“ zerstören. Einwohner müssen demnach die Gegenden verlassen. Als Vorbild nannte der israelische Regierungschef die größte Offensive des Militärs seit Jahren gegen militante Palästinenser in mehreren Flüchtlingsvierteln im nördlichen Westjordanland.
Dabei wurden zu Beginn des vergangenen Jahres zahlreiche Menschen getötet und Zehntausende vertrieben. Zudem kam es zu massiver Zerstörung in den Vierteln. Die Vereinten Nationen und die Europäische Union kritisierten den Einsatz. Vor der Offensive war es im Westjordanland immer wieder zu Anschlägen auf Israelis gekommen. Palästinensische Medien berichteten, mehrere Angehörige der mutmaßlichen Täter seien bei einer Razzia von israelischen Sicherheitskräften festgenommen worden.
Israel hält das Westjordanland seit dem Sechstagekrieg im Jahr 1967 besetzt. Dort leben rund drei Millionen Palästinenser und mehr als 500.000 israelische Siedler, deren Siedlungen nach Völkerrecht illegal sind. Immer wieder kommt es zu gewalttätigen Übergriffen von radikalen Siedlern, bei denen Palästinenser vertrieben oder getötet werden.
Abriegelung vor Wahl nicht ungewöhnlich
Eine Abriegelung des Westjordanlands vor der Wahl wäre nicht ungewöhnlich. Auch während hoher jüdischer Feiertage riegelt Israel das Gebiet häufig ab, um eigenen Angaben zufolge Anschläge zu verhindern – zuletzt Ende September während des einwöchigen Laubhüttenfestes (Sukkot).
Die Menschen in Israel sollen in vier Tagen ein neues Parlament wählen. Der Konflikt mit den Palästinensern ist ein wichtiges Wahlkampfthema. Rechte Politiker versuchen, bei ihrer Wählerschaft zu punkten, indem sie ein hartes Vorgehen gegen palästinensische Gewalt versprechen. Die zunehmenden Angriffe radikaler israelischer Siedler auf Palästinenser im Westjordanland thematisieren sie dagegen kaum.
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fmg/afp/dpa










