Klimawandel

Hitze-Unfälle auf Baustellen: Genossenschaft fordert Siesta

Berlin.  Die Berufsgenossenschaft warnt: Die hohen Temperaturen führen am Bau zu mehr Krankschreibungen – und zu mehr Hautkrebsverdachtsfällen.

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Die Hitze in diesem Sommer hat sich schon unmittelbar auf die Gesundheit von Arbeitnehmern ausgewirkt. Nach Angaben der Berufsgenossenschaft Bau gab es alleine in den ersten fünf Monaten dieses Jahres elf schwere Arbeitsunfälle aufgrund eines Hitzschlags oder eines Sonnenstichs.

Zum Vergleich: Im ganzen Jahr 2018, wurden insgesamt zwölf meldepflichtige Arbeitsunfälle mit diesen Symptomen registriert. Meldepflichtig ist ein Unfall, wenn der Arbeitnehmer anschließend mindestens drei Tage lang krank geschrieben ist.

Nach den vorläufigen Zahlen für dieses Jahr müsse man davon ausgehen, dass der Wert des Vorjahres noch übertroffen werde, sagte der Hauptgeschäftsführer der Berufsgenossenschaft (BG), Klaus-Richard Bergmann. „Hitze auf Baustellen ist ein ernstes Thema“, sagte Bergmann. Im gesamten Jahr 2017 waren nur drei Bauarbeiter wegen eines Unfalls nach einem Hitzschlag länger krank geschrieben.

Arbeit bei Hitze: Zwischen 10 und 15 Uhr soll Ruhe herrschen

Die Experten der Berufsgenossenschaft vermuten, dass die Hitze auf Baustellen tatsächlich viel mehr Unfälle verursacht. Oftmals werde der tatsächliche Grund aber nicht erkannt und damit auch nicht registriert. Wenn Bauarbeiter beispielsweise ausrutschten und sich verletzten, werde dies nicht immer mit den herrschenden Temperaturen und einer damit einhergehenden schlechten körperlichen Verfassung in Verbindung gebracht, sagte eine Sprecherin.

Gestorben ist in den vergangenen drei Jahren kein Bauarbeiter wegen eines Hitzschlags. Um die Gefahren der Arbeit bei hohen Temperaturen zu senken, empfiehlt die Berufsgenossenschaft, am frühen Morgen, nachmittags oder im Schatten zu arbeiten. Zwischen zehn und 15 Uhr sollte die Arbeit am Bau ruhen.

Gegenwärtig verhandeln Arbeitgeber und Arbeitnehmer über neue Regeln für die Arbeit bei Hitze. Die Chefin des Arbeitsmedizinischen Dienstes der BG Bau, Anette Wahl-Wachendorf sagte, sie erwarte eine Einigung bis zum nächsten Jahr. In der Arbeitsstättenverordnung sind bislang nur Temperaturgrenzen für geschlossene Räume geregelt. Ab 35 Grad kann dort nicht mehr gearbeitet werden.

Im ersten Halbjahr schon 1400 Verdachtsfälle auf Hautkrebs

. Allein im ersten Halbjahr dieses Jahres seien bereits 1400 Meldungen mit Verdacht auf Hautkrebs eingegangen. Im gesamten Jahr 2018 waren es fast 3000 Verdachtsfälle. Die Zahl stieg in den vergangenen Jahren stark an.

Der weiße Hautkrebs ist seit 2015 als Berufskrankheit anerkannt. Dass immer mehr Fälle gemeldet werden, liege an der gestiegenen Aufmerksamkeit bei Ärzten und Mitarbeitern, sagte BG-Hauptgeschäftsführer Bergmann. Dennoch sei es noch immer schwer, Bauarbeiter zu überzeugen, sich vor der UV-Strahlung zu schützen.

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