- In Deutschland gehen jährlich zahlreiche Beziehungen in die Brüche
- Nicht selten enden Trennungen im Streit
- Es kann allerdings auch anders gehen, erklären Experten
Dass Beziehungen und Ehen irgendwann zerbrechen, ist längst keine Seltenheit mehr. In Deutschland wurde laut den jüngsten Erhebungen rechnerisch circa jede dritte Ehe geschieden. Durchschnittlich 15,1 Jahre dauerte die Ehe bis zur Scheidung. Das geht aus Berechnungen des Statistischen Bundesamtes hervor.

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Hinter den nüchternen Zahlen verbergen sich die unterschiedlichsten Trennungsgeschichten – denn die Gründe, warum Partnerschaften auseinanderbrechen, sind so vielseitig, wie die Beziehungen selbst. Eine Beziehungsberaterin und ein Paartherapeut verraten, was die größten Fallstricke bei einer Trennung sind und welche Tipps sie Paaren auf ihrem Weg geben würden.
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Sich in guten wie in schlechten Zeiten zu lieben – das verspricht man sich üblicherweise bei einer Eheschließung und letztendlich ja auch, wenn man eine feste Beziehung eingeht. Doch gibt es einen Punkt, an dem die schlechten Zeiten zu viel, die guten zu wenig und die Trennung unvermeidbar werden? „Das lässt sich kaum pauschalisieren, das muss jeder für sich selbst herausfinden“, betont Wanja Kunstleben, Paartherapeut und Psychologe.
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Daniela van Santen, Beziehungscoach aus Hamburg, rät, sich selbst zu fragen: „Kann ich mir vorstellen, dass es so, wie es jetzt ist, noch die nächsten 20 Jahre weitergeht? Wenn nicht, sollte ich die Gründe dafür suchen und schauen, ob sich etwas ändern lässt – oder nicht.“ Vielleicht sei die Beziehung im Kern noch gut und man könne sich durch gemeinsame Beziehungsarbeit wieder aus der Krise retten. „Ehekrisen sind grundsätzlich total normal und kein Grund, direkt hinzuschmeißen“, erklärt die Expertin.
Kunstleben zufolge sollte man versuchen, den Trennungsgedanken als Weckruf zu nutzen, um an der Beziehung zu arbeiten und den Partner vielleicht auch in seiner Sicherheit mit der Beziehung aufzurütteln – „um nochmal die Chance zu nutzen, für die Beziehung zu kämpfen.“

Das Ende ist unvermeidbar? So gelingt eine faire Trennung im Guten
Van Santen ist dennoch der Ansicht, dass eine Trennung unvermeidbar werde, wenn es einen massiven Vertrauensverlust durch beispielsweise eine Parallelbeziehung oder eine Affäre gegeben hat, und die betrogene Person es nach Monaten nicht mehr hinbekommt, das Vertrauen wieder aufbauen zu können. Auch eine Beziehung unter ständiger Kontrolle, Misstrauen und Angst käme irgendwann zu ihrem Ende.
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Ob eine Trennung und eine Scheidung letztendlich einvernehmlich und möglichst ohne Rosenkrieg verläuft, hängt mitunter von der Kommunikation zwischen den Partnern ab. Kunstleben und van Santen teilen ihre wichtigsten Tipps:
1. Tipp für eine gute Trennung: Ruhige Atmosphäre schaffen
„Paare sollten sich für Trennungsgespräche eine Situation suchen, in der sie Ruhe haben“, betont Daniela van Santen. „Die meisten Gespräche finden aus einer Wut heraus spontan statt und arten dann oft in schlimmen Streits aus.“ Wichtig sei, das Gespräch bewusst als Termin einzuplanen und nicht aus einem Konflikt heraus zu starten. Wer bereits wisse, dass das Gespräch emotional oder laut werden wird, sollte es bestenfalls nach draußen verlegen, rät die Expertin. Sie empfiehlt beispielsweise in ein Restaurant, ein Café oder eine Bar. „Das schafft eine neutrale Umgebung, in der man sich nicht einfach so leicht anschreien kann“, so die Expertin.
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2. Tipp für eine gute Trennung: Respekt für den anderen
Will man eine Trennung besprechen, brauche das zudem Respekt für den anderen Partner und dessen Gefühle. „Merke ich, dass er einen harten Tag hatte oder es ihm körperlich nicht gut geht, sollte das Gespräch auf einen besseren Zeitpunkt verlegt werden“, sagt van Santen.

Kunstleben ergänzt: „Verteufeln des Partners hilft niemandem weiter.“ Natürlich sei es in einer Trennung auch in Ordnung, Wut zu empfinden und mal die Tür zuzuschlagen. „Aber nach einer Weile sollte man wieder in der Lage sein, respektvoll miteinander zu sprechen“, betont der Paartherapeut. Dabei sei es wichtig, sich auch distanzieren zu können. „Das heißt, sich nicht in irgendwelche Täter-Opfer-Spielchen zu begeben und stattdessen zu versuchen, sich zwar mit den schmerzhaften Themen auseinanderzusetzen, aber immer wieder Abstand zu gewinnen und sich nach einem Gespräch Zeit zum Nachdenken zu geben“, so Kunstleben.
3. Tipp für eine gute Trennung: Nichts über Textnachrichten klären
Für Kunstleben gibt es zudem ein klares No-Go: „Ich rate davon ab, Themen über Textnachrichten klären zu wollen. Offene Gespräche sind das A und O.“ Trennen kann man sich laut des Experten nur richtig, wenn alle Auseinandersetzungen geführt und die Fronten geklärt werden. „Online kommt es meist zu Missverständnissen oder man ignoriert sich“, weiß Kunstleben aus Erfahrung. Natürlich gebe es vielleicht Punkte, die einen verletzt haben oder die man sich anders gewünscht hätte. „Aber haben beide Partner sich gut ausgesprochen, ist es leichter, den anderen immer noch mit Respekt zu behandeln“, betont der Paartherapeut.
Dieser Artikel erschien erstmals im Juli 2024.








