Italiens Gesundheitssystem steht in diesem Winter unter enormem Druck. Eine ungewöhnlich frühe und heftige Grippewelle hat das Land erfasst. Nach Angaben des Istituto Superiore di Sanità (ISS), der obersten Gesundheitsbehörde in Rom, erkrankten innerhalb einer Woche rund 800.000 Menschen an Influenza.

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Wie der staatliche Nachrichtensender „Rai“ berichtet, sind zahlreiche Krankenhäuser in Mittel- und Süditalien inzwischen überfüllt. In vielen Kliniken würden Patientinnen und Patienten notdürftig auf Tragen in den Fluren versorgt werden, weil reguläre Betten belegt seien.
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Grippe in Italien: Neue Virusvariante treibt Fallzahlen
Für den plötzlichen Anstieg machen Fachleute eine neue Variante des Grippevirus verantwortlich: die Subklade K, eine Untergruppe des bekannten H3N2-Virus, das schon seit Jahren zirkuliert. H3N2 gilt als besonders riskant für ältere Menschen, weil das Virus tief in die Atemwege gelangen und häufiger Lungenentzündungen auslösen kann.
Die neue Subklade K weist mehrere kleine Veränderungen im Erbgut auf – sogenannte Mutationen. Sie betreffen ein Oberflächenprotein, das dem Virus hilft, an Zellen anzudocken. Dadurch kann es sich nach Einschätzung von Fachleuten leichter verbreiten und den Schutz früherer Impfungen teilweise umgehen – nach heutigem Kenntnisstand jedoch ohne schwerere Verläufe zu verursachen.
„Wir erleben eine explosive Kombination verschiedener Influenzaviren“, warnt der Infektiologe Matteo Bassetti vom Universitätsspital San Martino in Genua im Gespräch mit „Rai News“. Für ältere oder chronisch kranke Menschen könne die Situation gefährlich werden. Bassetti spricht von einem „Tsunami aus Viren und Bakterien“, der Italiens Kliniken an ihre Grenzen bringe.
Grippewelle: H3N2 auch in Deutschland und den USA dominant
Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) werden auch in Deutschland derzeit überwiegend H3N2-Viren nachgewiesen – vielfach mit den gleichen Mutationen wie in Italien. In den USA dominiert H3N2 ebenfalls die Grippesaison. In New York registrierten die Behörden zuletzt so viele Grippefälle und Krankenhauseinweisungen wie seit Jahren nicht mehr.
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Die Virologin Anna Teresa Palamara vom ISS rechnet nicht mit einer schnellen Entspannung. Gegenüber „Rai News“ sagte sie: „Wir stehen kurz vor dem Höhepunkt der Grippewelle. In den kommenden Wochen wird die Zahl der Infektionen wahrscheinlich weiter hoch bleiben.“ Zwar wirken die Fallzahlen nach Neujahr etwas niedriger, doch die ISS warnt, dass die Feiertage zu Meldeverzögerungen führen könnten. Die tatsächliche Zahl der Erkrankten dürfte also höher sein.
Influenza-Saison: Warum sie dieses Jahr so früh und heftig ist
Warum die Grippewelle in diesem Jahr so früh und stark ausfällt, ist nicht klar. Fachleute vermuten eine Kombination aus kaltem Wetter, viel Reisetätigkeit in der Weihnachtszeit und einer relativ niedrigen Impfquote.
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Umso wichtiger sei nun der Impfaufruf: Auch wenn die Grippeimpfung nicht jede Infektion verhindert, senkt sie das Risiko schwerer Verläufe deutlich. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt sie besonders Menschen über 60, Schwangeren, chronisch Kranken sowie Bewohnern von Pflegeheimen. Auch medizinisches Personal sollte sich impfen lassen, um die Ausbreitung in Kliniken und Heimen zu bremsen.
Nach Angaben des ISS deckt der aktuelle Impfstoff auch die H3N2-Linie ab, zu der die Subklade K gehört. „Der Impfstoff ist kein Allheilmittel“, sagte Palamara, „aber er reduziert das Risiko schwerer Erkrankungen deutlich.“











