• Malaria-Fälle sind in Deutschland eher selten
  • Jetzt gab es gleich mehrere Fälle in Frankfurt, drei Patienten sind tot
  • Zwei Experten ordnen ein, wie groß die Gefahr tatsächlich ist

Mittlerweile insgesamt acht Malaria-Fälle in Frankfurt, drei davon tödlich, sorgen für eine entscheidende Frage: Wie konnte es zur Infektion kommen? Und kann sich nun potenziell jeder auch ohne Reise in die Tropen in Deutschland infizieren?

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Diesmal waren es zwei Anwohnerinnen oder Anwohner des Flughafens, die an Malaria erkrankt sind. Beide leben im Stadtteil Schwanheim in unmittelbarer Nähe des Airports. Einer der beiden Erkrankten starb am Donnerstag, teilten das Gesundheitsamt Frankfurt und die Universitätsmedizin Frankfurt mit. Zuvor waren bereits sechs Beschäftigte des Flughafens an der Infektionskrankheit erkrankt, auch zwei von ihnen starben. Zu den Betroffenen und den Todesfällen macht die Behörde aus Datenschutzgründen keine Angaben.

Bei den neuen Erkrankungen handelt es sich laut dem Frankfurter Gesundheitsamt wie bei den vorherigen Fällen um Malaria tropica, die gefährlichste Variante der Krankheit. Sie wird durch den Erreger Plasmodium falciparum ausgelöst. Die beiden neuen Betroffenen seien nicht in Malariagebiete gereist und arbeiteten auch nicht am Flughafen. Wegen der Nähe zum Airport prüft die Behörde, ob es sich dennoch um sogenannte Flughafenmalaria handelt. Dabei wird der Erreger durch eine infizierte Mücke übertragen, die etwa in einem Flugzeug, im Gepäck oder mit Fracht eingeschleppt wurde.

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Malaria am Flughafen: Infizierte Mücken können im Flugzeug mitreisen

Solche Fälle von Flughafen-Malaria sind laut Dr. Benno Kreuels vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin zwar ungewöhnlich, aber keinesfalls beispiellos. Nach einer von ihm herangezogenen wissenschaftlichen Auswertung seien in Europa zwischen 1969 und 2022 insgesamt 115 Fälle von Flughafenmalaria dokumentiert worden. Es komme auch immer wieder vor, dass mehr als ein Mensch erkranke. Wenn eine infizierte Mücke eingeschleppt werde und unter günstigen Bedingungen überlebe, könne es durchaus mehrere Fälle geben.

„Tropische Mücken können bei sommerlichen Temperaturen auch in Deutschland zwei bis drei Wochen überleben“, sagt Kreuels. Deshalb sei denkbar, dass zu unterschiedlichen Zeitpunkten mehrere infizierte Mücken nach Frankfurt gelangt seien. Der lange, warme Sommer könne deren Überleben begünstigt haben. Im Winter würden solche eingeschleppten Mücken schlicht nicht so lange überleben.

Malaria in Frankfurt: Importierte Mücke kann Krankheit auslösen

Tomas Jelinek, Medizinischer Direktor des Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin und Consulting Expert der Weltgesundheitsorganisation, hält eine importierte Mücke bei der ersten Fallserie unter Flughafenbeschäftigten für plausibel: „Am Anfang war es mit hoher Wahrscheinlichkeit eine importierte Mücke, die die Menschen infiziert hat.“ Bei den beiden Anwohnern geht er dagegen von einem anderen Szenario aus.

Tomas Jelinek
Prof. Jelinek ist Medizinischer Direktor des Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin (BCRT).© Jens Klatt /dpa-tmn | Unbekannt

„Die Mücke, die jetzt diese zwei Menschen infiziert hat, die hat sich vorher bei einem der Kranken angesteckt“, sagt er. Möglich ist das, weil die passenden Mücken dafür längst in Deutschland leben: „Wir haben auch bei uns Anopheliden, also die Mücken, die Malaria übertragen können.“

Damit eine Übertragung gelingt, muss vieles zusammenkommen: warmes Wetter, die richtige Tageszeit – Anopheles-Mücken stechen abends, nachts und bis in die Morgendämmerung –, und ein Mensch mit Parasiten im Blut, der sich genau dort aufhält, wo diese Mücken gerade unterwegs sind. Dazu kommt Zeit: „Die Parasiten müssen in der Mücke erst entwickeln, bis die Mücke ansteckend ist. Das dauert ein bisschen, und das ist jetzt genau die Latenz, die wir hatten – die zwei Wochen von den ersten Fällen bis zu den aktuellen.“ Wichtig: Von Mensch zu Mensch springt Malaria nicht über, abgesehen von Bluttransfusionen. „Es ist immer Mücke, Mensch, Mücke, Mensch“, sagt Jelinek.

Malaria-Übertragung: Genetische Analysen sollen Infektionsweg klären

Kreuels bewertet diese Erklärung zurückhaltender. Dass eine heimische Anopheles-Mücke zunächst einen erkrankten Menschen gestochen und den Erreger später weitergegeben hat, sei theoretisch möglich. Die in Deutschland heimischen Arten seien als Überträger von Malaria tropica allerdings deutlich weniger geeignet als tropische Anopheles-Arten.

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Hinweise zum genauen Übertragungsweg sollen nun Spezialuntersuchungen liefern. Kreuels vergleicht das Verfahren mit einem genetischen Fingerabdruck: „Fachleute können prüfen, ob die Parasiten verschiedener Erkrankter dieselben genetischen Eigenschaften besitzen. Dadurch lässt sich untersuchen, ob die Infektionen möglicherweise Teil derselben Übertragungskette sind.“ Ob damit auch zweifelsfrei geklärt werden kann, ob eine eingeschleppte oder eine bereits in Deutschland lebende Mücke gestochen hat, bleibt jedoch offen. Eine abschließende Bewertung ist laut Gesundheitsamt „voraussichtlich erst in mehreren Wochen möglich“.

Deutschland: Kann sich Malaria hier ausbreiten?

Dass sich Malaria in Deutschland dauerhaft festsetzt, halten beide Tropenmediziner für unwahrscheinlich. Dafür fehle die Grundlage, sind sich Jelinek und Kreuels einig. „Um eine Malaria bei uns dauerhaft zu etablieren, brauchen wir ein Menschenreservoir. Die Menschen sind das Depot für die Malaria-Parasiten – und das haben wir nicht, weil wir die Malaria bei uns ausgerottet haben“, so Jelinek. Doch auch er kennt Malaria-Fälle aus seinem Umfeld: „Vor ein paar Jahren hat sich eine Kollegin von mir in Berlin sogar bei sich in ihrem Wohngebiet infiziert. Das sind aber wirklich alles Einzelfälle.“

Grundsätzlich müssten sich Bürgerinnen und Bürger keine Sorgen machen, sollten aber bei ungewöhnlichen Symptomen zum Arzt gehen. Dies gelte insbesondere für Menschen, die am oder im Umfeld des Frankfurter Flughafens arbeiten oder sich dort aufhalten beziehungsweise in räumlicher Nähe zum Flughafen wohnen, betont auch das Frankfurter Gesundheitsamt. „Das Wichtigste ist: keine Panik, so wie immer.“ Denn insgesamt schätzt Jelinek die Gefahr, sich hierzulande nun ebenfalls mit Malaria zu infizieren, als „minimal, wirklich vernachlässigbar gering“ ein. „Auch wenn natürlich immer ein gewisses Risiko besteht.“

Symptome von Malaria: Hier müssen Sie aufhorchen

Zudem ist Malaria laut Jelinek „total leicht zu behandeln. Es gibt eigentlich überhaupt keinen Grund, an Malaria zu sterben. Man muss das nur erkennen.“ Doch genau daran hakt es mitunter, wie auch die drei Frankfurter Todesfälle zeigen. Blutbilder entstehen im Labor maschinell – „die erkennen die Parasiten nicht“, erklärt der Tropenmediziner. Für Ärztinnen und Ärzte sei die Krankheit hierzulande „ein Kolibri“, eine Rarität: „Und an Kolibris denkt man nicht zuerst.“ Doch bei folgenden Symptomen sei es „nicht verkehrt, auch an Malaria zu denken:

  • wenn Menschen wirklich schnell schwer krank werden
  • bei anhaltendem unklarem Fieber,
  • Schüttelfrost
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • sowie Magen-Darm-Beschwerden

Tropenmediziner Kreuels hat hier eine Faustregel: „Wer heute Fieber bekommt und sich am nächsten Tag nicht besser fühlt, sollte spätestens am darauffolgenden Tag ärztliche Hilfe suchen und nach einer Malariadiagnostik fragen.“ Das gelte natürlich nur in der unmittelbaren Nähe des Flughafens oder einem begründeten Verdacht.

Malaria in Deutschland: Bin ich selbst erkrankt? Hotline für besorgte Bürger

Auch das Robert Koch-Institut (RKI) weist darauf hin, dass die fehlende Reiseanamnese die Diagnose verzögern kann – und eine verspätete Diagnose das Risiko für einen schweren Verlauf erhöht. Ärztinnen und Ärzte sollten deshalb vor allem im Sommer Patientinnen und Patienten bei unklarem Fieber im Zweifelsfall auf die „sehr seltene“ Flughafenmalaria testen. Nach einem gewöhnlichen Mückenstich auch ohne Symptome vorsorglich einen Malariatest zu verlangen, ist Kreuels zufolge jedoch „weder sinnvoll noch notwendig“.

Zwischen Stich und Ausbruch der Krankheit liegen laut Gesundheitsamt sieben bis 15 Tage. Wer bei sich Symptome bemerkt, soll den Hausarzt kontaktieren und die Vermutung ansprechen – besonders, wer am Flughafen arbeitet oder in dessen Nähe wohnt. „Dann besteht tatsächlich ein etwas erhöhtes Risiko für diese Raritäten“, so Jelinek. Das Frankfurter Gesundheitsamt hat eine Hotline eingerichtet, an die sich besorgte Bürger wenden können. Sie ist unter 069/212-30030 erreichbar.

Am Frankfurter Flughafen stehen Mückenfallen, mit denen die Behörde nach übertragungsfähigen Anopheles-Mücken sucht. Diese Suche und die Bekämpfung der Brutstätten weitet das Gesundheitsamt nun auf das Wohnumfeld der neuen Fälle aus. Kreuels verweist außerdem auf WHO-Empfehlungen zur Bekämpfung eingeschleppter Insekten in Flugzeugen. Dazu gehört eine sogenannte Desinsektion, etwa durch geeignete Insektensprays. Daneben sei es sinnvoll, mögliche Mückenhabitate und stehende Wasseransammlungen rund um Flughäfen möglichst zu begrenzen.