Erst fehlt einem das richtige Wort, dann vergisst man vielleicht, wo der Schlüssel liegt – und schließlich sogar, wie der Name der Enkeltochter lautet. Alzheimer gilt als eine Krankheit, die schleichend beginnt und sich dann rasant verschlechtert. Noch immer zählt sie zu den gravierendsten Erkrankungen des Menschen. Dabei lagert sich verstärkt Beta-Amyloid im Gehirn ab, ein Protein, das die Informationsverarbeitung der Nervenzellen beeinträchtigt. Die Ursachen dafür sind vielfältig, seien es schlechte Ernährung, Genetik, mangelnde Bewegung oder das Alter.

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Allein in Deutschland leben derzeit 1,8 Millionen Menschen, die an Alzheimer erkrankt sind, weltweit sind es sogar rund 55 Millionen. Auch deshalb zählt Alzheimer zu den Krankheiten, die am stärksten erforscht werden. Und die Hoffnung auf mögliche Behandlungsansätze wächst immer weiter. Im diesjährigen Welt-Alzheimer-Report, verfasst von der Organisation Alzheimer’s Disease International (ADI), wurden unter anderem vier Medikamente genannt, die die Krankheit tatsächlich modifizieren können – und nicht nur die Symptome behandeln.

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Bei der Erstellung des Berichts wurde die ADI von Professor Jeffrey Cummings von der Universität Nevada (USA) unterstützt. Er identifizierte insgesamt 158 potenzielle Medikamente, die in knapp 200 wissenschaftlichen Studien untersucht wurden. Spannend: Gleich acht dieser Studien befinden sich bereits in Phase 3. Das bedeutet, dass die betreffenden Medikamente bereits an Hunderten oder gar Tausenden Probanden getestet wurden – und sogar noch in diesem Jahr zugelassen werden könnten.

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Insgesamt zielt knapp ein Dreiviertel der Studien darauf ab, die Krankheit an sich und die dahinterliegenden Mechanismen zu bekämpfen. Weitere 18 Prozent der Studien arbeiteten daran, das Erinnerungsvermögen der Probanden zu verbessern und somit die alltägliche „Funktionsfähigkeit“ der Patienten zu verbessern oder langfristig zu erhalten. Als besonders vielversprechend schätzen die Experten dabei primär vier Wirkstoffe ein, von denen zwei sogar schon zugelassen sind:

  • Lecanemab: Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Antikörper-Medikament. Heißt: Die Antikörper binden sich an die gefährlichen Amyloid-Verbindungen, wodurch sie von körpereigenen „Fresszellen“ erkannt und somit schließlich aus dem Gehirn entfernt werden. Dadurch wird das Fortschreiten der Krankheit um bis zu 27 Prozent verlangsamt, aber nicht gestoppt. Laut den Experten der ADI ist es jedoch noch unklar, ob dieser Effekt ausreichend ist, um die hohen Kosten und möglichen Nebeneffekte (u. a. Fieber, Übelkeit, Erbrechen) zu rechtfertigen. Lecanemab ist in Deutschland bereits zugelassen.
  • Donanemab: Wirkt ähnlich wie Lecanemab und erzielt einen vergleichbaren Wirkungsgrad. Der Unterschied: Während Lecanemab alle zwei Wochen verabreicht wird, ist es bei Donanemab nur alle vier Wochen notwendig. Beide Wirkstoffe werden per Infusion verabreicht.
  • Remternetug: Arbeitet ebenfalls mit Antikörpern. Der Unterschied besteht jedoch darin, dass das Medikament per Injektion unter die Haut verabreicht werden kann. In Zukunft könnte es somit möglich sein, dass die Patienten diese Injektion wie bei einer Diabetes-Erkrankung selbst zu Hause durchführen könnten. Remternetug ist derzeit noch nicht zugelassen, befindet sich aber in einer Phase-3-Studie. Eine Zulassung könnte voraussichtlich 2029 erfolgen.
  • Trontinemab: Auch hierbei handelt es sich um einen Antikörper-Wirkstoff, der noch effizienter wirken soll als Lecanemab und Donanemab. Dafür soll ein sogenanntes „Brain-Shuttle“ zum Einsatz kommen. Dabei handelt es sich um eine Technologie, die es den Antikörpern ermöglicht, schneller ins Gehirn zu gelangen. Vorteil: „Dadurch kann mit geringeren Wirkstoffmengen gearbeitet werden, was das Auftreten von Nebenwirkungen verringern kann“, schreibt die Alzheimer Forschung Initiative e. V. Trontinemab ist ebenfalls noch nicht zugelassen.

Zudem wurde auch Semaglutid erneut unter die Lupe genommen – der Wirkstoff, der auch in der Abnehmspritze zum Einsatz kommt. Obwohl Semaglutid bei vielen anderen Krankheiten vielversprechende Wirkung zeigt, konnte diese bei Alzheimer nicht nachgewiesen werden. Die entsprechenden Studien wurden deshalb eingestellt.

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Bereits Anfang des Jahres hatte sich Prof. Cummings sehr positiv über die Alzheimer-Forschung geäußert: „Alzheimer ist nicht länger eine unbehandelbare Erkrankung. Es handelt sich jetzt um eine Krankheit mit Behandlungsoptionen, die den weiteren Krankheitsverlauf erfolgreich beeinflussen.“ Auch Chris Lynch, CEO der ADI, äußerte sich in dem Report hoffnungsvoll: „Nach jahrzehntelangen Investitionen in die Forschung stehen wir an der Schwelle zu einem gewaltigen Fortschritt an der Schnittstelle zwischen Innovationen in den Bereichen Diagnostik, Behandlung und Risikominderung.“

Prof. Cummings sagte bereits Anfang des Jahres in einem von ihm veröffentlichten Report: „Anti-Amyloid-Medikamente, wie Lecanemab und Donanemab, waren ein entscheidender Durchbruch. Sie haben gezeigt, dass (...) der Krankheitsverlauf den Verfall verlangsamen kann. Sie sind jedoch nur der Anfang dessen, was Menschen mit Alzheimer letztlich benötigen werden.“ Heißt: Obwohl die Alzheimer-Erkrankung schon jetzt verlangsamt werden kann, ist noch viel Forschung notwendig, bis sie wirklich vollständig geheilt werden kann.