Saale-Holzland. Hier gibt es die Antwort auf die Frage, wie eine echte Thüringer Rostbratwurst sein muss. So viel sei verraten: „Leichenfinger“ sollten es definitiv nicht sein.

  • Zwischen 300 und 1000 frische Roster werden täglich am Thüringer Rosterstand am Globus-Markt Hermsdorf verkauft
  • Warum die Roster am Stand noch vergleichsweise preiswert zu haben ist
  • Regelmäßig „fliegen“ Bratwürste aus Hermsdorf nach Mallorca

Via Facebook fragten wir kürzlich, wo es die beste Roster im Saale-Holzland-Kreis gibt. Am Bratwurststand am Globus lautete mehrfach die Antwort. Ein Facebook-Nutzer schrieb, dass es dort nicht nur die beste, sondern mit 1,50 Euro auch die preiswerteste Roster gibt. Mit diesem Gerücht müssen wir aufräumen. Was die Roster am Hermsdorfer Globus wirklich kostet und wie eine echte Roster sein sollte:

Wie eine echte Thüringer Rostbratwurst sein muss? Auf diese Frage hat Benny Hiob die Antwort: „Sie muss frisch und darf nicht gebrüht sein. Zudem muss sie sich immer gleichmäßig braten lassen. Wir haben es getestet: Im Schnitt dauert es elf Minuten, bis die Roster durch ist. Das Fleisch sollte beim Braten aufgehen und die Roster muss eine schöne Bräune bekommen. Manchmal sind aber auch Leichenfinger dabei, wie wir sagen. Das bedeutet, dass die Wurst nicht braun wird. Dann ist wahrscheinlich der Fettgehalt zu hoch.“

Benny Hiob muss es wissen. Der 39-Jährige aus Münchenbernsdorf im Landkreis Greiz ist seit fast vier Jahren Eigentümer und Chef des Thüringer Rosterstandes am Globus-Markt in Hermsdorf. Dort werden täglich zwischen 300 und 1000 frische Roster zu je 2,50 Euro verkauft, die von Globus hergestellt werden. Rostbrätel, etwa 30 Stück am Tag, kommen ebenfalls auf den 1,20 mal 0,70 Meter großen Rost und kosten 3,50 Euro.

Saale-Holzland: Etwa 20 Kilogramm Holzkohle werden jeden Tag verbraucht

Um den köstlichen Thüringer Grillspezialitäten entsprechend einzuheizen, werden jeden Tag um die 20 Kilogramm Holzkohle verbraucht. „Die bestellen wir palettenweise im Großhandel. Um unsere Kosten zu senken, haben wir anfangs günstigere Kohle verwendet. Das ging aber voll nach hinten los“, sagt Benny Hiob mit Verweis auf beispielsweise die Brenndauer. Verwendet werde längst Qualitäts-Holzkohle mit großer Körnung und aus reinem Laubholz.

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Als er am 1. September 2020 den Stand in Hermsdorf nach einer Ausschreibung übernahm, konnte er die Roster noch für 1,90 Euro anbieten. „Dann kam Corona und das ganze Chaos mit den Lieferanten begann. Alles wurde immer teurer und wir mussten peu à peu in 20-Cent-Schritten mit dem Preis nach oben gehen.“ Dass die Rostbratwurst auch heute vergleichsweise preiswert zu haben ist, liege unter anderem an den stabilen Einkaufspreisen für Roster. „Wir hoffen, dass es noch eine ganze Weile so bleibt“, sagt Benny Hiob.

Köstlich: Fertig gebratene Thüringer Roster liegen zum Verspeisen bereit.
Köstlich: Fertig gebratene Thüringer Roster liegen zum Verspeisen bereit. © OTZ | Ute Flamich

Weil er mit seiner Frau noch ein Fleischereifachgeschäft betreibt, kann er nicht mehr selbst am Rost in Hermsdorf stehen. Seit dem 1. März dieses Jahres ist deshalb sein Mitarbeiter Marcel Kronberg aus Bad Klosterlausnitz der Chef am Grill. Er arbeitet längst in einem eingespielten Team mit Doreen Schumann aus Hermsdorf, die seit fast zwei Jahren Bratwürste, Brätel, Salate und Getränke am Thüringer Rosterstand am Globus-Markt in Hermsdorf verkauft. „Mir macht die Arbeit Spaß, weil das Umfeld locker und familiär ist. Der Job ist nicht so spießig und steif und außerdem ist die Rostbratwurst mein Lieblingsessen“, sagt Doreen Schumann. Welche Fleischerei im Saale-Holzland-Kreis die beste Roster herstelle, das könne sie gar nicht sagen. „Hauptsache ist, dass die Wurst frisch, nicht gebrüht und auf dem Holzkohlegrill gebraten ist und dann natürlich ganz klassisch mit Senf verspeist wird“, sagt sie.

2.50 Euro kostet eine Thüringer Roster am Stand am Globus-Markt in Hermsdorf.
2.50 Euro kostet eine Thüringer Roster am Stand am Globus-Markt in Hermsdorf. © OTZ | Ute Flamich

Marcel Kronberg sieht es ähnlich. „Sie muss zudem gut gewürzt sein, muss herzhaft schmecken und darf gern ein bisschen dunkler gebraten sein.“ Bevor er zum Grill-Chef wurde, war er bei Globus im Getränke-Center angestellt. „Ich wollte eine Abwechslung. Und weil ich auch privat gern brate, dachte ich mir, dass ich das doch tagtäglich machen kann“, sagt er.

Privat brate er etwa einmal im Monat, dann kommen Roster, Steak und Schaschlik auf den Rost. Und Gemüse? „Nö!“, sagt der Mann am Rost und lacht. Ob er die Roster nicht irgendwann satthabe, wenn ihm jeden Tag der Duft des schmackhaften Grillgutes um die Nase weht? Die Antwort lautet ebenfalls „nö!“. Und das Schöne sei: Mit Erlaubnis des Chefs dürfen er und Doreen Schumann auch auf der Arbeit täglich Roster verspeisen.

Er ist der Chef am Rost: Marcel Kronberg aus Bad Klosterlausnitz.
Er ist der Chef am Rost: Marcel Kronberg aus Bad Klosterlausnitz. © OTZ | Ute Flamich

Der größte Ansturm auf den Bratwurststand sei jeweils zur Mittagszeit. „Ob Anwalt, Doktor oder ein Mitarbeiter vom Amt - aus jeder Berufsgruppe kommen Leute zu uns an den Stand“, sagt Benny Hiob. Von seiner Zeit am Rost könne er Bücher schreiben. „Wir haben Kunden aus Schweden und einmal im Monat kommt eine Frau zu uns, die jeweils 20 Roster mit nach Mallorca nimmt. Lkw-Fahrer fragen per Funk durch, wo es die beste Roster in der Region gibt und kommen dann zu uns. Ganze Motorrad-Clubs sind hier schon vorgefahren.“

Der Thüringer Rosterstand am Globus-Markt hat montags, dienstags, mittwochs und samstags von 8.30 bis 17 Uhr geöffnet sowie donnerstags und freitags von 8.30 bis 18 Uhr.