Ein bisschen Australien in Witterda

Witterda.  Acht kleine Wallabys hüpfen in Witterda herum. Mit Poldi fing vor neun Jahren alles an.

Die Wallabys in Witterda fressen am liebsten Heu, Gemüse und Weidenrinde. Von Brotresten bekommen sie allerdings Bauchschmerzen.

Die Wallabys in Witterda fressen am liebsten Heu, Gemüse und Weidenrinde. Von Brotresten bekommen sie allerdings Bauchschmerzen.

Foto: Jens König

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Bin ich auf dem falschen Kontinent gelandet? Diese Frage könnte man sich durchaus stellen, wenn man nach Witterda kommt. Ein augenscheinlich ganz normales Dorf am süd-westlichen Rand des Sömmerdaer Landkreises – aber mit doch recht ungewöhnlichen Bewohnern.

Denn in Witterda leben acht kleine Wallaby-Kängurus. Sie gehören dem Tierärztepaar Janin und Bodo Kröll, die in der Region vor allem für ihre Alpakas bekannt sind. Doch im Gegensatz zu den Huftieren, die auch für Führungen gebucht werden können, sind die Wallabys nur zum Anschauen und Liebhaben da, sagt Janin Kröll. „Wenn ich nach einem stressigen Arbeitstag nach Hause komme, stehe ich oft einfach nur am Gehege und schaue den Kängurus beim Herumhüpfen zu. Das beruhigt ungemein“, so die Tierärztin.

Die Anschaffung der Tiere vor etwa neun Jahren war allerdings nicht geplant. Dem Beginn der Zucht ging eine tragische, aber zugleich schöne Geschichte voraus. Janin Kröll wurde damals von einem Tierbesitzer angerufen, der Kängurus züchtete. Eines der Weibchen war gestorben. Das hatte ein etwa fünfeinhalb Monate altes Baby, das nun neben der toten Mutter saß und von den anderen Kängurus bereits attackiert wurde. „Die Kleinen werden von den Älteren noch nicht akzeptiert“, erzählt Janin Kröll.

Allein hätte das kleine Känguru keine Chance gehabt, der Besitzer wusste mit ihm nichts anzufangen und so nahm die Tierärztin es mit nach Hause. Damit begann für Janin Kröll ein echtes Abenteuer, denn Erfahrung mit Kängurus hatte Janin Kröll bis dahin noch nicht.

„Die ersten drei Tage hat es mich emotional zerstört“, erzählt Janin Kröll. Denn obwohl sie alles versuchte, das kleine Känguru wollte einfach nicht trinken. Am dritten Tag dann stand die Tierärztin vor einer schweren Entscheidung: „Hätte es an dem Tag wieder nichts zu sich genommen, hätte ich es einschläfern müssen.“ Es wurde von Stunde zu Stunde schwächer. Doch dann, als keiner mehr daran geglaubt hatte, fing das Wallaby plötzlich an, Milch von einem Teller zu schlabbern. „Ab dem Zeitpunkt waren wir Freunde“, sagt Janin Kröll.

Eigentlich hätte es richtige Kängurumilch gebraucht. „Die musste ich aber aus Australien ordern und die Lieferung dauerte etwa eine Woche“, berichtet die Tierärztin. Deshalb musste das Wallaby mit dem Vorlieb nehmen, was da war: Hundemilch.

Janin Kröll und ihr Zögling waren für die nächsten zwei Monate unzertrennlich. In einem Lederrucksack war das Känguru, das den Namen Poldi bekam, immer und überall dabei.

Als Poldi älter wurde und den Beutel nicht mehr brauchte, lebte es bei den Krölls im Wohnzimmer. „Nachdem er dann dreimal die Wohnung komplett verwüstet hatte, mussten wir umdenken“, erzählt Janin Kröll. Poldi bekam ein Weibchen als Gefährtin und zog in den Garten um. Der Kängurunachwuchs ließ nicht lange auf sich warten.

Das Futter für die Tiere bekommen die Krölls von einem Zoolieferanten. Sie fressen vor allem Heu, Gemüse und gerne auch mal Weidenrinde. Einige Zaungäste meinen, den Tieren etwas Gutes tun zu müssen und werfen immer mal wieder Brot über den Zaun. „Das gibt bei Kängurus aber Bauchschmerzen“, sagt Janin Kröll. „Sie kriegen von uns alles, was sie brauchen.“

Die Känguruherde wuchs von Jahr zu Jahr. Neue Wallabys kamen dazu, Nachkömmlinge wurden verkauft. Die nun achtköpfige Gruppe zog vor einiger Zeit aus dem Garten auf die Alpakafarm im unteren Teil von Witterda. Streicheltiere sind es nicht, betont Janin Kröll. „Es sind und bleiben wilde Tiere, die man nicht verhätscheln kann und darf.“

Nur Poldi hatte zu Lebzeiten eine enge Bindung zu Janin Kröll. Das kleine Känguru, mit dem alles angefangen hatte, wurde neun Jahre alt. Er starb vor einiger Zeit in den Armen seiner Ziehmutter.

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