Notfallverbund zum Schutz der Jenaer Schätze gegründet

Jena  Acht Institutionen der Stadt gründen Notfallverbund, um Kulturgüter in Krisenfällen besser sichern zu können

Für Jena und Umgebung wurde jetzt ein Notfallverbund gegründet, um in enger Abstimmung mit der Feuerwehr zeitgemäße und einheitliche Gefahrenabwehrpläne zu erstellen, sich im Notfall gegenseitig zu unterstützen und regelmäßige Fortbildungen durchzuführen. Sprecher des Verbundes ist Ulf Häder, der Direktor der Städtischen Museen. Er steht bei einem der wertvollsten Stücke der Sammlung, nämlich einem Bild aus der Werkstatt von Lucas Cranach d.Ä. Zu sehen ist Johann Friedrich der Großmütige – der Hanfried. Das Ölbild stammt aus den 1530er Jahren. 

Für Jena und Umgebung wurde jetzt ein Notfallverbund gegründet, um in enger Abstimmung mit der Feuerwehr zeitgemäße und einheitliche Gefahrenabwehrpläne zu erstellen, sich im Notfall gegenseitig zu unterstützen und regelmäßige Fortbildungen durchzuführen. Sprecher des Verbundes ist Ulf Häder, der Direktor der Städtischen Museen. Er steht bei einem der wertvollsten Stücke der Sammlung, nämlich einem Bild aus der Werkstatt von Lucas Cranach d.Ä. Zu sehen ist Johann Friedrich der Großmütige – der Hanfried. Das Ölbild stammt aus den 1530er Jahren. 

Foto: Thorsten Büker

Feuer, Hochwasser, Orkan: Kulturgüter müssen davor besser geschützt und intelligenten Rettungswegen zugeordnet sein, noch ehe eine Krise überhaupt eingetreten ist. Derart lassen sich die Aufgaben eines Notfallverbundes zum Kulturgutschutz beschreiben, der jetzt für Jena und Umgebung gegründet worden ist. Als 100.000-Einwohner-Stadt verfüge Jena über eine außerordentlich hohe Dichte von Kulturgütern, deshalb sei dieser Schritt dringlich, sagte im Zeitungsgespräch Stadtmuseumsdirektor Ulf Häder, der als Sprecher des Verbundes gewählt wurde.

Gründungsmitglieder sind die Friedrich-Schiller-Universität mit ihren vielen Sammlungen, die Ernst-Abbe-Hochschule, das Stadt- und das Zeiss-Archiv, die Städtischen Museen, das Deutsche Optische Museum, die Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek und die Ernst-Abbe-Bücherei. Einrichtungen aus dem Umland hätten Interesse am Beitritt bekundet, sagte Häder. Angesprochen seien aber selbst die Gestalter einmaliger Ausstellungen.

Der Freistaat hat nach Ulf Häders Beschreibung systematisch vorgebaut, etwa mit einem in Weimar stationierten Spezialfahrzeug und auf ganz Thüringen verteilten Containern, die Tüten, Trockenmaterial, Wäscheleinen, Generatoren und Leuchten enthalten. Jena beziehe all dies im Notfall aus Weimar und Altenburg. Einerseits.

Andererseits müsse der Jenaer Verbund nun tatkräftig agieren und den Zuschnitt auf die lokalen Besonderheiten in den Blick nehmen. „Wir sind ein Entwicklungsgremium“, erläuterte Häder.

Es gehe aber nicht nur um Fortbildung und allgemein bessere Vernetzung untereinander. „Klar ist auch: Die Feuerwehr kann im Notfall zwar begrenzt helfen, im weiteren Umgang brauche ich aber Fachleute. Und da wollen wir ein Alarmierungssystem außerhalb von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Polizei auf den Weg bringen.“ Die acht Gründungseinrichtungen des Notfallverbundes werden nach Häders Worten mit der Entwicklung eines solchen Systems befasst sein.

Neue Kühltechnik für die alte Göhre

Es reiche nicht aus, bestehende Notfallpläne zu aktualisieren. Eine wichtige Rolle falle dem so genannten Grünen Kasten zu, der eine „Laufkarte“ birgt: Die könnte den Feuerwehrleuten bei ersten Bergungsarbeiten vorgeben, welche wichtigen Güter wenn irgend möglich sofort in Gewahrsam genommen werden. „Also zwei, drei, vier Sachen, die zuerst raus müssen – und erst dann die Brandbekämpfung.“

Mit zu bedenken sei ebenso, dass bei vermehrten Starkregenfällen die Saale und selbst Bäche über die Ufer treten. „Da haben wir mit der Jenaer Tallage ein Problem.“ Und ja, verfüge man über Platz im Magazin, könne man erst einmal von unten nach oben räumen, wenn das Wasser komme. „Bei uns aber ist der Platz knapp in allen Breichen.“ Oder wenn ein Orkan von fünf, sechs Kulturgut-Stätten die Dächer abreiße und anschließend der Regen komme – für diesen Fall „müssen wir jetzt schon Partner finden, zu denen wir dann auslagern können“. Nehme man noch die Trockenheit in den Blick, die ganze Exponatgruppen schädige, oder die Schneelast auf Dächern, so sei doch klar: „Es gibt viel, viel mehr Szenarien, auf die wir vorbereiten sein wollen.“

Zeitlich passend fügt sich der Aufbau des Notfallverbundes mit der anstehenden Sanierung des Stadtmuseums Göhre am Marktplatz. Vom nächsten Sommer an soll die Fassade innerhalb von sechs Monaten erneuert werden, inbegriffen der Austausch der alten Fenster, die nach Ulf Häders Einschätzung erhöhtem Winddruck nicht mehr standhalten würden. Und zum Stichwort Klimawandel: Das alte Kühlaggregat auf dem Dach werde ersetzt. Im zurückliegenden Sommer und im Sommer 2018 habe es diese alte Technik nicht mehr geschafft, die Museumsräume angemessen runterzukühlen, berichtet Ulf Häder. „Das neue Aggregat ist wesentlich leistungsfähiger und energiesparender.“

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