Die Weinstraße, der Schloßberg, die Natur. Dinah Eckerle kennt die schönen Plätze in und um Graz. Jahr für Jahr zieht es die Handballerin des Thüringer HC dorthin. Am ersten Mai-Wochenende einmal mehr. Wie immer lässt sie vieles dort schwärmen. Vieles ist diesmal trotzdem anders, besonders erst recht.
„Es fiel schon schwer, sich auf Bensheim zu konzentrieren“, sagt die Torhüterin. Weit vorm Playoff-Viertelfinale um die deutsche Meisterschaft ist das Kribbeln da. „Ich freue mich unheimlich auf Graz“, erzählt sie Tage vor der Abreise.
Die Hauptstadt der Steiermark ist vertraut. Sie ist Familie. Ihr Mann Florian stammt von dort. Der frühere Fußball-Profi verbringt die Jugend bei Sturm Graz. Sportlich bekommt die Stadt an der Mur nun auch für Dinah Eckerle eine prägende Note. Das Final Four der European League ist ihr erstes in diesem Wettbewerb. Es kann ein weiterer Glanzpunkt einer besonderen Laufbahn werden. Sie neigt sich dem Ende zu.
Wunsch nach mehr Zeit mit „der Kleinen“
Auf das Finalturnier in Österreich folgt noch das Playoff-Halbfinale gegen Ludwigsburg. Maximal drei Partien können es sein. Vielleicht kommt es zum Spiel um Platz drei, vielleicht zu Endspielen. Klar ist nur: Nach der Saison soll Schluss sein mit dem Leben als Berufshandballerin.
Der Schritt ist überlegt. Er ist gereift. Nach der Geburt von Ida, 2, ist die Sehnsucht nach Handball bei Dinah Eckerle nochmals groß gewesen, weshalb die junge Mutter von Dänemarks Küste zum THC zurückgekehrt ist. Doch mit dem Heranwachsen „der Kleinen“ wächst der Wunsch, mehr Zeit für sie und die Familie zu haben.
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„Ich habe gemerkt, dass das Feuer und die Leidenschaft, die es braucht, um erfolgreich zu sein, langsam schwindet. Manchmal dachte ich, dass ich doch auch gern zu Hause wäre, bei der Familie, statt im Bus zu einem Auswärtsspiel zu fahren“, begründet die 29-Jährige ihren Entschluss, nach dem Abschied aus der Nationalmannschaft das Tor ganz hinter sich zu lassen.
Gerade in K.o.-Spielen kommt es auf die Torhüterin in Verbindung mit der Abwehr an. Wer die bessere stellt, gewinnt.
Dinah Eckerle, Torhüterin , Thüringer HC
Klare Linien zu ziehen, das passt zu ihr. Mehr als 15 Jahre hat die junge Frau vor allem dem Handball alles untergeordnet. Es hat sie zu einer der Besten gemacht und zu führenden Adressen durch Europa geführt. Thüringer HC, Bietigheim (HB Ludwigsburg), Siófok, Metz, Esbjerg – Kumamoto, Granollers, Paris. Vier Europameisterschaften, drei Weltmeisterschaften, Olympische Spiele. Hinter der jungen Frau liegt neben dem Club- auch ein intensives Auswahlleben mit 80 Länderspielen – und überhaupt eine bewegte Zeit.
Die Jahre im Ausland seien turbulent gewesen, erzählt sie. Dem ungarischen Top-Club Siófok geht das Geld aus, in Metz geht es während der Corona-Zeit nur mit Ausnahme-Genehmigung auf die Straße. Gut, wer einen Hund auszuführen hat. Und in Dänemark ist wieder alles anders, andere Sprache, neues Umfeld, wieder integrieren, wieder das Leben neu organisieren – und alsbald auf eines zu dritt freuen.

Meisterschaft 2018 geht am meisten ans Herz
Dinah Eckerle geht ihren Weg über Höhen und durch Tiefen, um vor zwei Jahren wieder nach Hause zum THC zu kommen. Dorthin, wo sie bei sechs Meistertiteln dabei ist, seit als 16-Jährige ihr Bundesliga-Debüt gegeben hat, und einmal zudem den DHB-Pokal gewinnt. Die Meisterschaft 2018 ist noch immer die, die der Nummer 12 am meisten ans Herz geht.
Zweimal erlebt sie mit Esbjerg ein Final-4 in der Königsklasse, einmal trotz großen Trainingsfleißes kurz nach der Geburt ihrer Tochter nur auf der Tribüne. Eine bittere Erfahrung. Ein Titel fehlt noch. Umso größer ist der Wunsch, mit dem Thüringer HC in Graz Handball-Geschichte zu schreiben.
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Schnelle Arme und das Timing für Traumpässe
„Am liebsten wäre ich schon Anfang der Woche losgefahren“, gesteht die THC-Keeperin. Ungeduld sei eine ihrer Schwächen. Eine ihrer Stärken erfreut die Fans des THC seit Jahren. Es gibt wenige, die Würfe so gut lesen und davon antizipieren können, sagt Torwart- und Co-Trainer Helfried Müller einmal. Für THC-Trainer Herbert Müller besitzt sie Weltklasse.
Schnelle Arme, gutes Auge, Gefühl für den Wurf und das Timing für Traumpässe. Das alles wird am Samstag (18 Uhr) besonders gebraucht. Im Halbfinale geht es mit Dijon gegen einen äußerst aggressiven Kontrahenten. In dem Team hält mit Ann-Cathrin Giegerich eine Torfrau, die ebenfalls beim THC herausgekommen ist. Eine T-Frage also.

Abwehr und die T-Frage
„Gerade in K.o.-Spielen kommt es auf die Torhüterin in Verbindung mit der Abwehr an. Wer die bessere stellt, gewinnt“, sagt Eckerle. Sie muss nicht erwähnen, wohin die letzte große Reise führen soll. „Ich möchte ins Finale.“
Aktuelle Nachrichten zum Thüringer HC:
Das Endspiel wäre ein Traum. Und die Chance auf einen ersten internationalen Titel zum nahenden Abschied. Die Hand vom Ball lassen aber möchte Dinah Eckerle nicht ganz, sondern neben dem Studium ihr Können im Verein beim Torhüterinnen-Training einbringen.
Das aber rückt in den Hintergrund. „Wir haben nicht den stärksten Kader, nicht die besten Bedingungen. Allein deshalb ist Graz etwas ganz Besonderes“, denkt Dinah Eckerle. Es wird ein Mega-Erlebnis. Ganz in Familie.
Final-4, Halbfinale: Thüringer HC – Dijon, Samstag, 18 Uhr/DF1, DAZN und Dyn







