Zumindest das gute Dutzend mitgereister Fans gab alles. Nachdem die RSB Thuringia Bulls beim Champions Cup der Rollstuhlbasketballer in Istanbul auch das Spiel um Platz drei in den Sand gesetzt hatten, spendeten sie ihrer Mannschaft tröstenden Beifall. Den konnten die Bulls gut gebrauchen. Sie hatten das Duell der Enttäuschten gegen Ilunion Madrid nicht nur verloren, sondern waren beim 50:86 (27:50) teilweise sogar vorgeführt worden.

Trainer Bienek hat keine Erklärung für das Debakel

„Ich habe keine Erklärung für zwei solche Leistungen“, rang Trainer André Bienek nach Worten. „Wir wollten hier eigentlich einen erfolgreichen Abschluss haben, um mit einem guten Gefühl in die nächsten Wochen zu gehen. Es geht ja noch um die Meisterschaft“, verwies er auf die bevorstehenden Play-off-Finals um den deutschen Titel gegen den RSV Lahn-Dill (14. bis 18. Mai). Doch das verlorene Halbfinale gegen Giulianova hatte deutlich mehr Spuren bei seinen Schützlingen hinterlassen, als der frühere Nationalspieler auch nur im Ansatz vermutet hatte.

Thuringia Bulls mit desaströsem ersten Viertel

Wenn es des Beispiels einer völlig verunsicherten Mannschaft bedurft hätte, dann waren die Bulls in den ersten zehn Minuten prädestiniert dafür. Einfache Abspielfehler, zittrige Würfe und riesige Lücken unterm eigenen Korb prägten das Bild. Immer wieder rollten die Spanier in die Zone und vollendeten nahezu unbehelligt. Die Fans trauten ihren Augen nicht, als die Thüringer von den Madrilenen schwindlig gespielt wurden. Beim 3:23 bahnte sich das Debakel bereits an; mit 7:26 ging ein desaströses Auftaktviertel zu Ende.

Kein Zugriff unter dem eigenen Korb gefunden

„Immer weiter“, rief Bulls-Chef Lutz Leßmann seinem Team zu Beginn des zweiten Abschnitts zu. Seine Worte wurden sicherlich gehört, am Spielverlauf änderte sich aber nur wenig. Zwar fielen vorn ein paar Körbe mehr, doch in der Defensive fanden die Elxlebener überhaupt keinen Zugriff. Der Gegner, den man im Viertelfinale noch bezwungen hatte, traf nach Belieben – allein 46 Punkte in der Zone. Vor allem Luis Eduardo Jasso Sandoval konnte schalten und walten, wie er wollte. Insgesamt kam der bullige Center auf 29 Zähler.

Jordi Ruiz (links) und Alex Halouski von den Thuringia Bulls nach dem verlorenen Spiel um Platz drei gegen Ilunion Madrid.
Jordi Ruiz (links) und Alex Halouski von den Thuringia Bulls nach dem verlorenen Spiel um Platz drei gegen Ilunion Madrid.© Franziska Möller

Schadensbegrenzung in der zweiten Spielhälfte

In der zweiten Spielhälfte ging es nur noch darum, sich einigermaßen achtbar aus der Affäre zu ziehen. Der Rückstand war zu groß und die Leistung der Bulls zu schlecht, um eine Aufholjagd zu starten. Wie schon in der Vorschlussrunde gegen den italienischen Außenseiter lag die Trefferquote aus dem Feld heraus bei indiskutablen 33 Prozent. Nach dem dritten Viertel stand es 39:67.

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Weder erreichten die deutschen Nationalspieler Alex Halouski (4 Punkte/mit 2 von 10 Versuchen aus dem Feld erfolgreich) und Jens Albrecht (6/1 von 8) noch Jordi Ruiz (2/1 von 5) Normalform. Joakim Linden (17) und Vahid Azad (11) waren die einzigen Bulls-Spieler, die zweistellig punkteten. So erhielten sie eine Lektion von den Madrilenen erteilt, die sich für den verpassten Titel wenigstens mit der Bronzemedaille trösten konnten.