Als der erste Jubel verklungen, die Meistertrophäe übergeben und das Bad in der Fan-Menge vorüber war, stießen die sonnenbebrillten Thuringia Bulls noch auf dem Spielfeld mit ein paar Bier an. Aus den Boxen dröhnte „An Tagen wie diesen“ von den Toten Hosen. Und auch die Korbnetze mussten noch dran glauben. Von ein paar starken Helfern in die Luft gehoben, sicherten sich erst Driss Saaid und dann Marie Kier ihr ganz persönliches Souvenir. Zur Erinnerung an einen besonderen Tag.

Es war eine Machtdemonstration beim 96:61 (48:41)-Kantersieg über den RSV Lahn-Dill im zweiten Finalspiel um die deutsche Meisterschaft. Mit dem damit verbundenen Titelgewinn schrieb der Verein aus dem 2300-Einwohner-Ort Elxleben seine beeindruckende Erfolgsgeschichte fort. Nicht einmal Lutz Leßmann, der Vater des Projektes, hätte sich bei der Gründung 2009 ein solches sportliches Märchen erträumt. Sieben deutsche Meistertitel in den vergangenen zehn Jahren, dazu kommen ebenfalls sieben Pokalsiege und zwei Triumphe im europäischen Champions Cup.
So feiern die Thuringia Bulls die deutsche Meisterschaft
Zusammenhalt als wichtiger Erfolgsfaktor
„Unglaublich“, sagt Leßmann am Samstagabend, nimmt einen kräftigen Schluck aus der Flasche und lehnt sich erschöpft zurück. „Darauf können wir schon stolz sein“, sagt er und zeigt auf das Gewusel im „Bullenstall“. Während die Spieler mit den Fans feiern, werkelt eine ganze Schar fleißiger Helfer: Es wird abgebaut, aufgeräumt, sauber gemacht. Jeder packt mit an. „Dieser Zusammenhalt ist das, was uns auszeichnet“, erklärt der Bulls-Chef und meint damit sowohl den Teamgeist im Verein als auch jenen in dessen Vorzeigemannschaft.

Perfekte Bedingungen und Wut im Bauch
Zudem hat Leßmann mit dem Sportzentrum „Fit-In“ nahezu perfekte Bedingungen für den Rollstuhlbasketball geschaffen. Es gibt Zimmer für die Athleten, Verpflegung und Behandlung sind gewährleistet, die Halle steht dauerhaft zum Training zur Verfügung. Einer, der dies trotz seiner Extraklasse ausgiebig nutzt, ist Alex Halouski. „Er trainiert nicht nur siebenmal in der Woche mit dem Team, sondern noch ein achtes und neuntes Mal allein“, verrät Trainer André Bienek. Nach der Enttäuschung vor zwei Wochen beim europäischen Champions Cup, als die mitfavorisierten Bulls nur Vierter wurden, umso verbissener. „Wir haben den Frust rauslassen müssen“, erzählt Halouski von „sehr harten Trainingseinheiten“ in den Tagen danach.
Kaffee und Wasser statt Alkohol für Halouski
Das zahlte sich aus. Mit einer Energieleistung rollten die Elxlebener über den Gegner aus der Rollstuhlbasketball-Hochburg Wetzlar hinweg. Allen voran Halouski, der mit 32 Punkten aus einer starken Einheit herausragte. Doch der „Außerirdische“ (Leßmann) ist keiner, der gern im Mittelpunkt steht. Zwar erfüllte er am Samstag jeden Selfie-Wunsch der Fans von Herzen gern, bedankte sich bei fast jedem für die Unterstützung. Doch als die Feierlichkeiten Fahrt aufnahmen, genoss der 38-Jährige den Erfolg eher still am Rande. Später stieß der Vorzeigeathlet auch konsequent mit Wasser und Kaffee an.
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„Er ist ein entscheidender Faktor unserer Geschichte“, lobt Leßmann den gebürtigen Weißrussen, der 2011 aus Minsk nach Thüringen kam. Um ihn herum ist ein Team entstanden, das dem Sport alles unterordnet und sich trotzdem die familiäre Atmosphäre erhält. Vielleicht ist dies das größte Erfolgsgeheimnis der Bulls.















