„Unglaublich, ich finde niemand, der etwas zu kritisieren hat“, meinte Barbara Thériault. Die Journalistin und Soziologie-Professorin aus Montreal fing beim Rennsteiglauf die Stimmung der über 25.000 Aktiven und Besucher auf dem kleinen Sportplatz in Schmiedefeld ein.
Ex-Triathlon-Star van Vlerken wird vom Publikum gefeiert
Bei maikühlem bestem Läuferwetter (3 Grad beim ersten Start in Oberhof) stand Siegern und Platzierten das Glück ins Gesicht geschrieben. „Schön, dass sie gekommen sind“, begrüßten die Teilnehmer sogar die Journalisten. Es sei diese einmalige Atmosphäre eines Laufes durch die Natur mit so vielen Startorten, meinte Rennsteiglauf-Vereins-Präsident Jürgen Lange zum Erfolgsgeheimnis. „Ich weiß selbst nicht, wie wir das immer wieder so gut hinkriegen“, lachte der „Chef“ nach seinem Halbmarathon.

Die meisten Komplimente machte eine Niederländerin bei ihrer Premiere an die Thüringer. „Ich hatte ein bisschen Angst vor den echten Bergen. Aber ich habe den Lauf so genossen. Das ist so viel geiler als ein Marathon auf der Straße“, platzte es aus der Marathonsiegerin Yvonne van Vlerken im Ziel heraus. Und die Zuschauer feierten die „Fliegende Holländerin“ dafür begeistert.

Van Vlerken lebt mit ihrem Mann in dessen Heimat Leipzig. Die einstige Weltklasse-Triathletin hatte 2008 beim Ironman auf Hawaii Platz zwei belegt, war Weltrekordlerin, Weltmeisterin im Triathlon und Duathlon. „Marcel Bräutigam, der hier Zweiter im Supermarathon wurde, hat mich in Bitterfeld eingeladen. Als ich ihn beim Oberelbe-Marathon wieder traf und wir beide gewannen, dachte ich, das ist ein Zeichen“, erzählte van Vlerken durstig bei Tee und Wasser. „Ich bin mit 46 Jahren ein gutes Beispiel, was man als Frau in den Wechseljahren alles noch schaffen kann“, strahlte die Blondine.

Auch eine andere Siegerin hatte so ihre kleinen Ängste vor dem Start. Daniela Oemus berichtete nach ihrem Rekordlauf im Supermarathon von einem Aushang im Kindergarten ihrer Töchter. „Magen-Darmvirus! Ich musste die beiden mit Bauchschmerzen nach Hause holen. Ich hatte wirklich Angst, dass es mich auch noch erwischt“, sagte die Assistenzärztin in Teilzeit aus Gera.

Trail-Läuferin Oemus verzichtete in diesem Jahr auf den legendären Zegama-Aizkorri in Spanien, den sie 2023 als erste Deutsche gewinnen konnte, und holte so ihren dritten Supermarathonsieg auf dem Rennsteig. „Hier, das ist meine Heimat. Aber auch wenn es kaum zu glauben ist, in Spanien ist noch mehr Stimmung. Da stehen die Leute direkt an der Strecke wie bei der Tour de France und jagen dich den Berg hoch“, erzählte Oemus, die in diesem Jahr auf ein Ticket für die Trail-WM in den Pyrenäen hofft.

Teszfaye erst zu spät am Start, dann Aufholjagd durch Marathon-Feld
Marathonsieger Samsom Teszfaye vom SV Sömmerda lieferte wieder ein kurioses Rennen ab. Obwohl er pünktlich in Neuhaus angekommen war, verpeilte er die Startzeit und musste sich von ganz hinten durch das 3000-Mann- und Frauen-Feld arbeiten. Fast hätte er den Sieg noch verpasst, weil ihn am letzten Berg die Kräfte verließen und er kurz wandern musste. „Samsom, der zuletzt viel Nachtschichten in seinem Betrieb in Kölleda gemacht hat, ist ein besonderer Typ und toller Läufer“, sagte sein Freund und Betreuer Frank Jäger, der übrigens die falsche Eintragung in die Startliste mit dem Vornamen auf seine Kappe nahm. „Ich habe das verwechselt, aber besser als voriges Jahr, da habe ich ihn erst bei der Wanderung eingetragen“, lachte Jäger.
Aktuelle Nachrichten zum Rennsteiglauf:
Für zwei Vorjahressieger aus Erfurt wurde es hart, das Ziel im Supermarathon zu erreichen. Kristin Hempel hatte in der Woche zuvor einen Schub bei ihrer Darmkrankheit Morbus Crohn erlitten, war aber trotzdem als Zweite schneller als beim Triumph 2024. Marcel Bräutigam plagten eine Erkältung und Muskelkrämpfe im Gesäß. Doch auch er verteidigte Rang zwei bis zur Erschöpfung.

Supermarathonsieger Frank Merrbach hatte nur die „Angst“, die Geduld zu verlieren. „Die anderen haben mächtig Tempo gemacht. Aber ich wusste, was noch kommen würde“, so der gebürtige Friedrichrodaer, der bei Siegen lebt. „Frierkatze“ Merrbach, mit Handschuhen unterwegs, hatte kein einziges Tief bei seinem vierten Triumph in persönlicher Bestzeit. „Ich habe heute Spaß gehabt“, sprach der 42 Jahre alte Routinier den meisten der Tausenden Läufern aus dem Herzen.






